Flammen loderten im Brachvogel im Stadtteil Kreuzberg. Das Restaurant am Landwehrkanal ist in der Nacht zu Mittwoch abgebrannt. Foto: dpa/Fred Müller

Noch am Mittwochvormittag riecht es in großen Teilen Kreuzbergs nach Rauch. Gegen 2.30 Uhr hatte es in der Nacht zuvor gebrannt im Brachvogel, einem beliebten Ausflugslokal am Landwehrkanal. Die Feuerwehr löschte zwei Stunden lang mit 58 Einsatzkräften lang die lodernden Flammen, wie sie bei Twitter mitteilt.

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Das Restaurant mit Biergartenbereich und Minigolfanlage am Carl-Herz-Ufer auf Höhe der Prinzenstraße brannte vollständig aus, ein Mann wurde verletzt und ins Krankenhaus gebracht, ein Hund aus dem Feuer gerettet. Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, ermittelt das Landeskriminalamt wegen vorsätzlicher schwerer Brandstiftung.

Das komplette Restaurant stand in Flammen. Foto:  Berliner Feuerwehr

Am Morgen ist Besitzer Ceminan Albayrak fertig mit der Welt. Mit Helfern räumt er noch einen Kühlschrank aus seinem ausgebrannten Lokal in einen Lieferwagen, ein Interview will er eigentlich nicht geben. Die Brandursache sei noch unklar, sagt er nur. Sein Bruder habe nachts noch versucht, zu löschen.

Die Polizei teilt später mit, der 51-Jährige habe im Lokal gegen 2 Uhr Brandgeruch und Flammen wahrgenommen und sich beim Löschen schwer verletzt. Dann taucht der Bruder noch am Morgen wieder auf, mit bandagierten Kopf und Händen, ohne Schuhe, die Überzüge aus der Unfallklinik an den Füßen. Er hat den Brand offenbar einigermaßen unbeschadet überstanden, ebenso wie der Hund.

Wenig zu retten. Das beliebte Lokal mit Biergarten und Minigolf ist nach dem Feuer fast völlig ausgebrannt. Foto:  Markus Wächter

Das Lokal hingegen ist ein Totalschaden, es riecht verschmort, einige Metall-Stühle sind halb geschmolzen. Bei Eintreffen der Feuerwehr hatte sich das Feuer bereits auf das 200 Quadratmeter große Gebäude ausgebreitet, am frühen Mittwochmorgen entzündeten sich erneut Glutnester. Die Feuerwehr musste noch einmal mit einem Löschfahrzeug anrücken, die Nachlöscharbeiten dauerten bis in den Morgen hinein. Ein Brandkommissariat hat die Ermittlungen übernommen, gegen 11 Uhr kam das Landeskriminalamt und ermittelte vor Ort.

Die Ursache ist noch unklar, offenbar breitete sich das Feuer aber nicht vom Dach aus, wie es ursprünglich hieß. Brandstiftung scheint ebenfalls unwahrscheinlich, auch wenn am Vorabend Autonome in Kreuzberg gegen die Schließung der Szene-Kneipe Meuterei demonstrierten. Zuletzt hatten immer wieder Autos in der Umgebung gebrannt.

Die traurigen Überreste nach dem Brand. Ob sich der Brachvogel wieder wie Phönix aus der Asche erhebt?  Foto: dpa/Zinken

Das Brachvogel ist jedoch ein alteingesessener Laden im Bezirk, seit 2003 gibt es das gut 2000 Quadratmeter große Gastro-Areal am Wasser. Wahrscheinlicher sind andere Ursachen wie beispielsweise ein Kurzschluss in der Elektrik, aber all das muss noch geklärt werden.

Stammgäste sind erschüttert. Die Rentner Horst-Helmut (l.) und Barbara Emma aßen zweimal die Woche hier. Foto:  Markus Wächter

Womöglich verliert Berlin im Corona-Lockdown ein weiteres beliebtes Lokal. „Wir sind erschüttert, es ist furchtbar“, sagen Barbara Emma und Horst-Helmut, die wie viele Passanten stehen blieben und gucken. Die beiden Rentner waren Stammgäste, aßen ein bis zweimal die Woche hier. „Wir hoffen, dass er wieder aufmachen kann und eine gute Versicherung hat.“ Mit der Versicherung das doch immer so eine Sache, sagt Besitzer Albayrak nur und spricht dann erst einmal mit den Ermittlern.