Die Beamten rufen seit 9.30 Uhr per Lautsprecherwagen Anwohner auf Deutsch, Russisch und Türkisch dazu auf, die Wohnungen zu verlassen. Foto: Eric Richard

In der Neuenburger Straße in Kreuzberg wird am Samstag eine 250-Kilogramm-Blindgänger entschärft. Die Weltkriegsbombe war erst am Freitagnachmittag entdeckt worden. Der Einsatz läuft seit 8 Uhr. Rund 7500 Menschen seien betroffen, teilte die Polizei mit.

Die Beamten rufen seit 9.30 Uhr per Lautsprecherwagen Anwohner auf Deutsch, Russisch und Türkisch dazu auf, die Wohnungen zu verlassen. Stand 11 Uhr läuft die Evakuierung der Wohngebäude bisher reibungslos.

„Die Menschen sollen sich eigenverantwortlich Örtlichkeiten für den Aufenthalt suchen. Sollte das wegen Corona und den Kontaktbeschränkunge nicht klappen, stehen drei Hotels für die Menschen zur Verfügung“, so eine Sprecherin der Polizei am Samstagmorgen der Berliner Zeitung . Alternativ stehen Notunterkünfte beispielsweise in Kirchen bereit.

Dramatisch war die Evakuierung nicht. Es ist auch nicht das erste Mal“, sagt Anwohner Wolfgang Hackert (80), der seit zehn Jahren in einem Haus unmittelbar neben dem Fundort der Bombe lebt.

Schon zweimal seien Sprengkörper auf einem Grundstück gegenüber entschärft worden. „Aber dieses Mal scheint es ja ein größerer Kaliber zu sein.“ Am Morgen sei er von den Durchsagen der Polizei geweckt worden - und habe sofort gewusst, was los ist. „Deshalb habe ich auch keine Angst gehabt“, sagt Hackert.

Zahlreiche Helfer stehen für die Evakuierung bereit. Foto: Eric Richard

Wie die Verkehrsinformationszentrale am Samstag per Twitter mitteilte, sollte der Bereich um die Gitschiner Straße, das Waterloo-Ufer, die Lindenstraße, die Zossener Brücke, die Alte Jakobstraße und die Alexandrinenstraße weiträumig umfahren werden. Laut BVG wurden die Buslinien M41 und 248 umgeleitet. Im Laufe des Tages könne es auch zu Einschränkungen bei den U-Bahnlinien 1 und 3 kommen, teilten die Verkehrsbetriebe mit.

Die Bombe sei bei Bauarbeiten auf einem Hof des Patentamts gefunden worden, sagte ein Sprecher des Lagedienstes der Polizei am Abend. Der große Komplex erstreckt sich zwischen der Gitschiner Straße und der Neuenburger Straße.

Am Sonnabend wird ein Sperrkreis von 300 Metern rund um den Bombenfundort eingerichtet. Alle Anwohner müssen ab 8 Uhr ihre Wohnungen verlassen. Anwohner werden, wie bei solchen Evakuierungen üblich, von Polizisten aus dem Haus geklingelt. Um die Unterbringung während der Entschärfung soll sich auch der Bezirk kümmern.