Die Waldohreule aus Polen wird in der  Nabu Wildvogelstation Berlin aufgepäppelt und dann wieder nach Polen gebracht.  Marc Engler / NABU

Diese Eule ist ein wahrhaft komisch Kautz! Nach einer langen und gefährlichen Reise in einem ungewöhnlichen Paket hat eine Waldohreule aus Polen richtig Glück gehabt. In Berlin wird sie gesund gepflegt und wieder in die Wildnis entlassen. 

Eule kam im Swimming -Pool 

 In der NABU-Wildvogelstation wird zurzeit eine Waldohreule mit außergewöhnlicher Geschichte gepflegt. Eine Spandauerin hatte einen Swimmingpool bei einer polnischen Firma in Mogilno bei Gnesen bestellt. Als die Dame das Paket auspackte, kam nicht nur der Pool, sondern auch eine abgemagerte und durchnässte Waldohreule zum Vorschein. Der Vogel war wohl aus unerklärlichen Gründen mit verpackt worden. Die bedauernswerte Eule kauerte im Regenwasser, das sich im Paket angesammelt hatte. Sie war unterkühlt, stark abgemagert, und niemand weiß, wie lange sie schon gefangen war. Die Eule wird nun in der NABU-Wildvogelstation in Marzahn-Hellersdorf aufgepäppelt und bald wieder in Polen in die Freiheit entlassen.

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Skurrilste Rettungsgeschichte des Jahres

„Die Waldohreule im Pool ist die mit Abstand skurrilste Fundgeschichte dieses Jahr! Wir hatten auch eine junge Silbermöwe, die vom Dach am Alexanderplatz gestürzt war, oder einen Pirol, der wohl dem Berliner Verkehr zum Opfer fiel. Aber die Geschichte der gebeutelten Eule aus Polen ist uns so noch nicht untergekommen“, sagt Marc Engler, Leiter der NABU-Wildvogelstation.

Die Waldohreule nach ihrer Entdeckung im Pool-Paket aus Polen - nass und abgemagert. Foto: F. Schmieder

Eule mit Augenentzündung 

Die Waldohreule wurde zunächst in die Kleintierklinik der FU Berlin gebracht und dort genauer untersucht. Diagnose: Zu geringes Körpergewicht (210 Gramm) und eine Augenentzündung. In der Wildvogelstation wird sie nun auf ein adäquates Gewicht gebracht und ein Transport zurück nach Polen vorbereitet, wo das Tier wieder ausgewildert werden soll. „Die Waldohreule hatte großes Glück, dass sie noch rechtzeitig fachgerecht versorgt werden konnte.“, so Engler. 

Auch wenn Eulen bei der Jagd im voller Dunkelheit vor allem auf ihr hervorragendes Gehör vertrauen, spielt auch ihre sehr gute Sehfähigkeit in der Dunkelheit eine große Rolle. Eulen können ungefähr dreimal besser sehen als wir Menschen. Eine ausreichende Regenerationszeit ist daher dringend erforderlich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wildvogelstation sind aber optimistisch, dass einer baldigen Auswilderung nichts mehr im Wege steht.

Denn „inzwischen frisst sie uns die Haare vom Kopf“, hat um 34 auf 244 Gramm zugenommen und damit das Zielgewicht eines Waldohreulen-Männchens erreicht: Die sind etwa schmächtiger als die Weibchen.

Zurück nach Polen wird das Tier nicht gebracht, sondern nächster Tage in der Gegend von Hohenwutzen freigelassen. Dort fände sie ähnliche Landschaftsumstände wie zuhause und könne den Weg in die Gegend von Mogilno allein zurücklegen. Da sei sie schneller als im Transport mit den Auto. Außerdem müsste der Grenzübertritt bürokratisch begleitet werden, und das könne dauern.

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In der NABU-Wildvogelstation werden jährlich mehrere tausend Wildvögel gepflegt und wieder in die Freiheit entlassen. Im vergangenen Jahr wurden rund 1.400 Wildvögel aufgenommen und davon 93 Prozent wieder ausgewildert. Um die Arbeit der Wildvogelstation zu unterstützen, können Wildvogel-Patenschaften übernommen und verschenkt werden.