Betten sind noch da, aber Intensivpflegekräfte werden rar. Foto: Fabian Strauch/dpa

Die 38 Berliner Krankenhäuser mit Intensivbetten sollen - wie bereits im Frühjahr - wegen Corona planbare Operationen verschieben. Denn von Sonnabend an müssten diese Notfall-Kliniken ein Viertel ihrer Intensivbetten für Covid-19-Patienten freihalten, teilte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) im Abgeordnetenhaus mit. Das ging mit dem neuesten Lagebericht vom Donnerstag einher: Danach ist die Zahl der Infektionen binnen eines Tages um 1387 gestiegen, und weitere 15 Berliner sind der Krankheit erlegen. 

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In den vergangenen Tagen hat die Zahl der Covid-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung in Berlin deutlich zugenommen. Beatmete Patienten bleiben meist mehrere Wochen auf Intensivstation. Laut dem DIVI-Intensivregister vom Donnerstagmittag wurden 240 Covid-19-Kranke in Berlin intensivmedizinisch betreut, dreimal so viele wie vor zwei Wochen. Davon mussten 159 beatmet werden. Das sind knapp zwei Drittel.  Von 1239 Intensivbetten waren 1073 mit Patienten verschiedenster Krankheiten belegt, 166 waren frei.

Wegen der angespannten Personallage bittet die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG)  examinierte Pflegefachkräfte, die nicht arbeiten, sich zu melden, um bei Bedarf zum Einsatz gebeten werden zu können. „In den kommenden Wochen müssen wir mit einem deutlichen Anstieg der Anzahl der Patienten und somit auch auf den Intensivstationen rechnen. Ein weiteres exponentielles Wachstum der Fallzahlen wird zwangsläufig zu personellen Engpässen in den Krankenhäusern führen“, erklärte Brit Ismer, Vorstandsvorsitzende der BKG.

Bei einem Krisenpersonalpool könnten Kliniken und Pflegepersonal zusammenfinden. Die Schwestern und Pfleger werden gebeten, Name, Geburtstag, Anschrift, Qualifikation und Berufserfahrung per Mail mitzuteilen.

Die Charité, die in Berlin vorrangig schwere Covid-19-Fälle versorgt, hatte bereits vor  einem Monat mitgeteilt, planbare Eingriffe müssten verschoben werden. Das sei keine leichte Aufgabe und führe zu schwierigen ethischen Fragen, etwa im Umgang mit Herz- und Tumorkranken.

In Brandenburg stieg die Zahl der Neuinfektionen von Mittwoch zu Donnerstag auf 446, ein neuer Höchstwert. Auf Intensivstationen wurden 64 Covid-19-Patienten behandelt, davon wurden 34 beatmet. Von 819 Intensivbetten waren 615 belegt. Besonders belastet sind zur Zeit die Mitarbeiter des Klinikums Niederlausitz in Senftenberg und Lauchhammer. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) ist alarmiert, die Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern habe sich seit Anfang Oktober mehr als verzwanzigfacht.