Das Heizkraftwerk Mitte: Dass Strom aus der Steckdose kommt, ist eine Selbstverständlichkeit. Foto: Paul Zinken

Berlin - Das Coronavirus treibt Versorgungsbetriebe an ihre Grenzen. Was passiert, wenn in den Leitwarten der Strom-, Gas- und Wasserversorger ein Mitarbeiter infiziert ist und dann eine ganze Schicht in Quarantäne muss? Kommt dann der Blackout? Oder bleibt der Wasserhahn trocken?

Wirklich redselig sind die Katastrophenschützer des Senats und die Sprecher der Versorgungsbetriebe nicht, wenn es um Details beim Schutz ihrer Infrastrukturen geht. Denn Gefahren drohen auch von Terroristen. Dennoch ist einiges zu erfahren:

Personal wurde in Versorgungsbetrieben reduziert, soll aber im Ernstfall verfügbar sein

Bereits jetzt wird in den Versorgungsbetrieben das Personal reduziert, bevor ein Infektionsfall auftritt. Etwa bei den Berliner Wasserbetrieben. „Aus vorsorglichen Gründen wurden heute jene Mitarbeiter mit Bürotätigkeiten entweder ins Home-Office oder in Telearbeit geschickt“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Natz. „Es werden auch andere Mitarbeiter freigestellt, um sich gesund zu halten.“ Nach seinen Worten sollen sie im Ernstfall zur Verfügung stehen.

Die Wasserbetriebe haben unter anderem Leitwarten in den drei großen Wasserwerken Friedrichshagen, Tegel und am Wannsee. Sie sind rund um die Uhr besetzt. Laut Natz kann im Notfall ein Wasserwerk das andere mitsteuern. In den Leitzentralen und Schaltwarten der Berliner Versorgungsbetriebe wurden nicht nur die Dienstpläne geändert. Gegebenenfalls – so bisherige Überlegungen – soll auch weiteres Personal angelernt werden, das sich auf einfache Überwachungstätigkeiten konzentriert.

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Strom in Berlin wird es auch weiterhin geben

Das Licht wird in Berlin nicht ausgehen. Davon ist Olaf Weidner, Sprecher der Stromnetz Berlin GmbH, überzeugt.   „Wir versuchen, mit möglichst kreativen Ideen unser Personal zu schützen.“ Ins Detail will er dabei nicht gehen. Nach seinen Worten werden die Schichtpläne entsprechend umgebaut: Technisches Schlüsselpersonal werde in Gruppen unterteilt, die nicht zueinander Kontakt haben. Wenn eine Gruppe in Quarantäne muss, übernimmt die andere. Aus zwei separaten Räumen gebe es die Möglichkeit, das Berliner Stromnetz zu steuern. Auch Pannen im Netz würden weiter behoben, so Weidner. Die Entstörteams hätten dafür ihre Materialbestände aufgefüllt.

Auch die Gasversorger sind alarmiert. Am Donnerstag und Freitag üben Gasag und NBB-Netzgesellschaft den Ernstfall. Dann werden beide Häuser am Hackeschen Markt leer sein. Alle Mitarbeiter, bei denen es technisch möglich ist, sollen von zu Hause aus arbeiten. „Bei uns greifen bereits erhöhte Sicherheitsmaßnahmen“, sagt NBB-Sprecher Andreas Wendt. So habe zur Leitwarte nicht mehr jeder Zutritt. Allen Mitarbeitern wurde nahe gelegt, auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten. Demnächst soll bei jedem Mitarbeiter regelmäßig die Körpertemperatur gemessen werden. „Eine Task-Force bewertet jeden Tag die aktuelle Lage neu“, sagt Wendt. „Seit Wochen sind wir in ständigem Kontakt mit den anderen Berliner Netzbetreibern und dem Senat.“ Und was ist, wenn doch jemand die Leitwarte mit Corona verseucht? Wendt: „Die Leitwarte ist mit einer großen Zwischenwand getrennt. Man kann dann zwei draus machen.“