Der Impfstoff des amerikanischen Herstellers Novavx wird von einigen Menschen ersehnt.  Imago Images

Viele Menschen wollen sich nicht impfen lassen, weil sie Vorbehalte gegenüber neuartigen Impfstoffen auf mRNA-Basis oder mit Vektortechnik haben. Sie hoffen stattdessen auf die Zulassung von Impfstoffen, die nach bewährten, länger bekannten Verfahren arbeiten. Einer der Hoffnungsträger ist der Impfstoff-Kandidat der Firma Novavax . Die Substanz mit dem Kürzel NVX-CoV2373 ist, wie auch ein zweiter Hoffnungsträger - Valneva - ein Totimpfstoff.

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Protein-Impfstoff fordert das Immunsystem anders heraus als mRNA-Impfstoffe

Novavax enthält Bestandteile des sogenannten Spike-Proteins. Das ist ein charakteristisches Eiweiß auf der Oberfläche von Sars-Cov2-Viren. Das Immunsystem reagiert auf die Eiweiß-Teile und baut so einen Schutz gegen Covid-19-Erkrankungen auf. Auch Grippe-Impfstoffe funktionieren nach demselben Prinzip. Neu an Novavax ist der Wirkverstärker, ein sogenanntes Adjuvans.

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Dieses basiert auf  einem Saponin-Extrakt, das aus dem in Chile heimischen Seifenrindenbaum gewonnen wird. In der Tiermedizin werden die Extrakte schon länger erfolgreich für Impfstoffe eingesetzt. Doch wie genau ihre  Wirkung zustande kommt, wissen Forscher noch nicht.

Novavax braucht Wirkverstärker auf Basis von Saponinen 

„Novavax verwendet einen Wirkverstärker aus einem Seifenbaumextrakt, von dem wir nicht genau wissen, worauf seine Wirkung beruht“, sagt Christian Münz, Professor für virale Immunbiologie an der Universität Zürich im Magazin Spektrum. Er gehe aber nicht davon aus, dass dieser unerwünschte Nebenwirkungen hervorruft, sagt der Forscher. Saponine werden seit mehr als zehn Jahren in anderen Adjuvanzien eingesetzt.

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Ganz so klassisch sind die Totimpfstoffe also doch nicht: Die Firma Novavax selbst spricht von einer „innovativen firmeneigenen rekombinanten Nanopartikel“-Technologie. Der Impfstoff, ein Nanopartikel, der keine Erbsubstanz enthält, wird in Insektenzellkulturen hergestellt und ist wirksam.

Das zeigen vorveröffentlichte Ergebnisse aus einer Phase-III-Studie aus dem Oktober. Demnach wurde nach der Impfung das Risiko für symptomlose Infektionen oder leichte Erkrankungen um mindestens 83 Prozent reduziert. 87 Prozent schwerer und mittelschwerer Erkrankungen konnten verhindert werden. 

Novavax: Erster Totimpfstoff  in Indonesien zugelassen

Anfang November wurde der Novavax-Impfstoff als erster Totimpfstoff in Indonesien unter dem Namen Covovax zugelassen. „Die erste Zulassung des Covid-19-Impfstoffs von Novavax ist ein Beispiel für unser Engagement für einen gerechten globalen Zugang und wird einen lebenswichtigen Bedarf für Indonesien decken, das zwar die viertbevölkerungsreichste Nation der Erde ist, aber weiterhin daran arbeitet, genügend Impfstoff für seine Bevölkerung zu beschaffen“, sagte Stanley C. Erck, Präsident von Novavax. „Dies markiert auch die weltweit erste Zulassung eines proteinbasierten Covid-19-Impfstoffs auf der Grundlage von klinischen Phase-III-Daten, die Wirksamkeit und ein günstiges Sicherheitsprofil belegen. Dies ist ein Meilenstein für Novavax und unseren Partner, das Serum Institute of India.“ Es sei erst die erste von vielen Zulassungen, die Novavax in den kommenden Wochen und Monaten erwarte. 

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Die EU betreibt ein rollierendes Zulassungsverfahren und hat schon im August  eine vertragliche Abnahmegarantie mit Novavax genehmigt, „um den Zugang zu einem potenziellen Covid-19-Impfstoff im 4. Quartal 2021 und im Jahr 2022 zu gewährleisten“, wie es damals hieß. 

Auf Valneva müssen Impflinge bis 2022 warten 

Ein weiterer Kandidat für Skeptiker ist der Impfstoff aus österreichisch-französischer Produktion: Valneva. 

Er soll ab dem kommenden Jahr erstmals in der EU zur Verfügung stehen. Die EU-Kommission schloss gerade einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 60 Millionen Impfdosen in den kommenden beiden Jahren ab. Voraussetzung ist, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Valneva-Impfstoff zulässt.

Valneva ist laut EU-Kommission ein Impfstoff mit inaktivierten Viren. Es handele sich „um eine klassische, seit 60 bis 70 Jahren eingesetzte Impfstofftechnologie mit bewährten Verfahren und sehr hoher Sicherheit“. Diese komme auch bei den meisten Grippe-Impfstoffen und vielen Impfstoffen für Kinderkrankheiten zum Einsatz. Es sei der derzeit einzige Impfstoffkandidat gegen Covid-19 auf Basis inaktivierter Viren, der derzeit in Europa in klinischen Studien getestet werde. Bei inaktivierten Impfstoffen wird der Körper mit unschädlich gemachten Viren konfrontiert.

Valneva
Valneva forscht in Wien und produziert in Schottland. 

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, das Vakzin könne an neue Corona-Varianten angepasst werden. „Jeder, der es kann, sollte sich impfen lassen“, empfahl sie angesichts der deutlich steigenden Infektionszahlen in Deutschland und einer Reihe anderer Länder.

Der Impfstoff namens VLA2001 nutzt eine ähnliche Technologie wie klassische Grippe-Impfstoffe und soll in normalen Kühlschränken gelagert werden können. Im Oktober hatte Valneva positive erste Ergebnisse aus der klinischen Phase-III-Studie mit dem Impfstoff bekannt gegeben. Das Mittel sei wirksamer als der Astrazeneca-Impfstoff, hieß es, und „im Allgemeinen gut verträglich“.