Kneipen und Bars müssen ab Sonnabend von 23 Uhr bis 6 Uhr schließen. Foto: dpa

Am Sonnabend bricht in Berlin ein neues Kapitel im Kampf gegen Corona an. Kneipen dicht ab 23 Uhr, kein Alkohol-Ausschank mehr, keine Draußen-Feiern mit mehr als fünf Personen. Dass das Geschehen in Parks unterbunden wird – geschenkt. Das haben all jene Vollpfosten verbockt, die sich von der Pandemie nicht beeindrucken ließen.

Kneipen sind auch wichtige soziale Einrichtungen

Doch vor allem bestraft werden nun – und das ist ungerecht – die Wirte. Die Stadt kämpft seit Jahren mit einem Kneipensterben. Eine Kreuzung, vier Ecken, vier Stampen: So sieht es schon lange nicht mehr aus. Und das ist schade, denn die Kneipen der Stadt sind nicht nur zum Trinken da. Sie sind auch soziale Einrichtungen, Treffpunkt für Menschen, die niemanden haben. Die kein Bier wollen, sondern nur reden. Mit Wirten, die zuhören. Weil sie sich noch kümmern um ihr Publikum.

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Sie kämpften sich tapfer durch den ersten Lockdown. Gaben ihr nach der Schließzeit sowieso schon knappes Budget für Desinfektionsmittel und Masken aus. Versuchten, den Gästen Sicherheit zu bieten. Und sich und ihrem Personal eine Zukunft. Dass sie nun über Nacht schließen sollen und damit erneut Einnahmen verlieren, ist eine Frechheit. Und noch dazu unnötig: Betreutes Trinken unter Einhaltung der Regeln ist sicherer als die Partys, die sich nun in private Wohnungen verlagern werden.

Die Berliner müssen für ihre Kneipen kämpfen

Wenn ich höre, wie die Wirte leiden, mit welchen Ängsten sie kämpfen, dass sie um ihre Läden zittern müssen, treibt es mir die Tränen in die Augen. Wenn es so weitergeht, wird bald auch die letzte Kiez-Kneipe zu sein. Es liegt aber auch an den Berlinern: Wenn wir nicht wollen, dass dieses Stück Berliner Kultur verloren geht, sollten wir helfen. Trinkt mal wieder ein Feierabendbier. Trinkt es mit Abstand. Trinkt es vor 23 Uhr. Zumindest gab es noch nie einen schöneren Weg, gegen falsche Entscheidungen vorzugehen.