Ein Arbeiter reinigt das Gelände einer Entenmastfirma, nachdem tausende Tiere nach einem Vogelgrippe-Ausbruch getötet werden mussten. (Symbolbild) Foto: dpa/Patrick Pleul

Corona dominiert derzeit alles. Wie sehr dies der Fall ist, zeigte sich im Herbst, als – wie von Fachleuten seit Jahren befürchtet – die Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals bei einem Wildschwein in Brandenburg nachgewiesen wurde. Die Dominanz von Corona zeigt sich auch jetzt, als in einer Brandenburger Putenmast 16.000 Tiere notgeschlachtet wurden, weil erstmals die Vogelgrippe in einem größeren Stall auftrat, wie am Sonntag bekannt wurde.

Ohne Corona hätten beide Tierseuchen für viele Schlagzeilen gesorgt – zu Recht. Denn die Schweinpest ist für alle befallenen Tiere tödlich, und das Fleisch aus ASP-Ländern ist nur noch schwer und ohne Gewinn zu verkaufen. Es ist also meist ein wirtschaftliches Desaster. Bei der Geflügelpest kommt noch etwas hinzu: Sie ist nicht nur für die Tiere tödlich, sondern bestimmte Unterformen können auch auf Menschen übertragen werden. Es gibt bei der Vogelgrippe sogar tödliche Verläufe bei Menschen. Die sind glücklicherweise äußerst selten und hängen von der jeweiligen Unterform ab. Bei der hiesigen aktuellen Form H5N8 ist noch keine Übertragung bekannt.

Deshalb ist Hysterie unangebracht. Allerdings müssen die Behörden und Mastbetriebe alle Notfallpläne äußerst penibel einhalten, die Schutzmaßnahmen radikal umsetzen und die weitere Ausbreitung idealerweise stoppen. Das sollte vor allem im Interesse der Fleischindustrie sein, die bereits einen angeschlagenen Ruf hat. Denn es gibt nicht nur berechtigte Kritik wegen der schlechten Lebensbedingungen der Nutztiere in der großindustriellen Massentierhaltung, sondern auch wegen der oft schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen der Mitarbeiter.

Trotzdem ist und bleibt Fleisch weiterhin ein Hauptlebensmittel – denn auch wenn es oft anders scheint: Derzeit sind nur zehn Prozent der Deutschen Vegetarier und 1,6 Prozent Veganer.