Der Angeklagte sitzt hinter Panzerglas, Richter, Staatsanwalt und Schöffen stehen unter Polizeischutz.
Der Angeklagte sitzt hinter Panzerglas, Richter, Staatsanwalt und Schöffen stehen unter Polizeischutz. Pressefoto Wagner

Als „Schneekönig“, der zuletzt in Mexiko residiert haben soll, steht Oscar R. L. (61) in Berlin vor Gericht. Es geht um Millionengeschäfte mit Teufelsdrogen. Der mutmaßliche Drogenhändler sitzt hinter Panzerglas. Ein kleiner Mann mit grauen Schläfen. Kolumbianer, verheiratet, als Beruf gab er „Administrator von Unternehmen“ an. In den USA und in Kolumbien soll es bereits Verfahren gegen ihn gegeben haben.

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Er soll mit einer mutmaßlichen Koksbande aus Berlin in zwei Fällen Geschäfte verabredet haben – einmal geht es laut Anklage um 300 Kilo, dann um mindestens 700 Kilo Kokain.

Die Berliner Gruppe habe seit 2011 über Scheinfirmen per Seecontainer Stahlträger aus Südamerika nach Europa importiert – Kokain sei in hohlen, eigens dafür angefertigten Metallplatten versteckt worden. Drogenschmuggel unter der Legende von legalen Metall-Importen. Vier Tonnen Kokain seien über die Jahre nach Deutschland gelangt.

 Oscar R. L. ist laut Anklage in der Drogenszene als „Takko“ bekannt

Gegen zehn Männer läuft seit August der Prozess. Der Staatsanwalt: „Die Angeklagten sind im Wesentlichen Logistiker, die für Großhändler in Südamerika gegen Gewinnbeteiligung den Transport nach Europa übernommen haben.“ Die drei Hauptangeklagten im Banden-Prozess sollen 9,3 Millionen Euro durch die Taten kassiert haben. Sie sitzen seit Ende November in U-Haft.

Für Oscar R. L., laut Anklage in der Drogenszene als „Takko“ bekannt, klickten am 16. März 2022 auf dem Flughafen Madrid (Spanien) die Handfesseln. Die Anklage: „Er betreibt von unbekannten Orten in Kolumbien und Mexiko den internationalen Handel mit Betäubungsmitteln.“

Im Februar wurden im Hamburger Hafen über zwei Tonnen Kokain sichergestellt.
Im Februar wurden im Hamburger Hafen über zwei Tonnen Kokain sichergestellt. dpa/Brandt

Im Frühjahr 2020 soll er mit von Berlin aus agierenden Dealern vereinbart haben, dass diese gegen Entgelt in seinem Auftrag einen Transport von 300 Kilogramm Kokain per Seecontainer von Mexiko über Riga (Lettland) nach Deutschland vornehmen sollten. Zur Lieferung sei es aber nicht gekommen, weil das Kokain in Mexiko bei Zoff im Drogenmilieu gestohlen worden sei.

Die Anwälte des Angeklagten widersprechen der Anklage: R. L. sei kein „internationaler Drogenhändler“

Im Sommer 2021 soll sich R. L. der Berliner Gruppe angeschlossen und eine 700 Kilo schwere Lieferung vereinbart haben. Weil es aber zu Festnahmen in Deutschland kam, sei der Plan gescheitert.

Seine Verteidiger widersprachen nun der Anklage: „Es wird vollständig bestritten.“ R. L. sei kein „internationaler Drogenhändler“. Nie habe er Kokain nach Deutschland geliefert, sich auch nicht dazu bereit erklärt und „nie über Kokain verfügt“.  Als er im März verhaftet wurde, sei er mit seinem richtigen Namen auf dem Weg zu seinem in der Schweiz lebenden Sohn gewesen. Ein Anwalt: „Er hat sich verhalten wie jemand, der sich strafrechtlich nichts zuschulden kommen ließ.“

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Die Anwälte halten eine Bedrohungslage für „reine Spekulation“. Es werde eine „Gefahrenlage kreiert“. Das führe zur „Mystifizierung“ von R. L. In dem Verfahren stehen Richter, Staatsanwälte und Schöffen unter Personenschutz. Fortsetzung: 3. Januar.