Etwa zwei Dutzend Linksradikale sind am Freitagabend auf das Gelände des ehemaligen „Köpi“-Wagenplatzes in der Köpenicker Straße eingedrungen. zVg

Etwa zwei Dutzend Linksradikale sind am Freitagabend auf das Gelände des ehemaligen „Köpi“-Wagenplatzes in der Köpenicker Straße eingedrungen und erklärten die erneute Besetzung des Areals. „Wir lassen uns nicht vertreiben“, riefen sie. Bei Twitter schrieben die „Köpi“-Aktivisten am Abend: „Ein halbes Jahr stand das Areal leer für Spekulationen. Nun sind wir hier, um es zurückzuholen. (...)“

Über 30 Linksautonome waren über Zäune auf das abgesperrte Grundstück vorgedrungen. Sie zündeten Pyrotechnik, spielten laute Musik und hielten Ansprachen über Lautsprecher. Weit über 100 Polizeibeamte kamen an die Einsatzstelle. Die Köpenicker Straße wurde zwischen Engeldamm und Michaelkirchstraße voll gesperrt. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden. Kurz nach 4 Uhr sei das Gelände vollständig geräumt gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

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Am späten Abend drang die Polizei auf das Gelände vor und räumte es offenbar ohne große Gegenwehr. Personen wurden von Containern und aus Bäumen geholt. Die Szene-Initiative „Köpi bleibt“ veröffentlichte im Internet eine Erklärung, in der es hieß: „Wir sind hier, um zurückzufordern, was uns gehört.“

„Köpi“ war erst im Oktober geräumt worden

Der Wagenplatz war erst im letzten Oktober geräumt worden. Auf dem Areal neben dem von Autonomen bewohnten Haus „Köpi 137“ lebten Dutzende Frauen und Männer lange Jahre in Camping- und Bauwagen.

Jetzt ist das Areal eine einzige große Baustelle, mit Containern, Bauschutt und Baggern. Die Besetzer warfen in ihrer Erklärung dem neuen Besitzer des Areals vor, er habe es absichtlich nicht bebaut, sondern lasse es für Spekulationen brach liegen.

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Vom Dach des bewohnten Abrisshauses filmten die linksextremen Anwohner die inszenierte Aktion. Dabei benutzten sie eine Kamera mit Infrarotscheinwerfer.

Die Polizei räumte den Platz der ehemaligen „Köpi“-Wagenburg mit einem Großaufgebot an Beamten. zVg

Nachdem die offenbar angemeldete Demonstration vor dem Gelände aufgelöst wurde, wurden die Teilnehmer der Kundgebung auf den Bürgersteig gedrängt. Von dort aus unterstützten sie die beiden verbliebenen Frauen auf einem Baum und einem Zaun lautstark verbal. Während der Räumung kam es zu Widerstandshandlungen. Es fielen die üblichen, linksextremen Parolen: „Lügner, Mörder, Bullenschweine“, „Alerta, Alerta, Antifascista!“, „Ganz Berlin hasst die Polizei“, „Köpi bleibt“.

Zwischenzeitlich wurde sogar eine Mülltonne angezündet, die sich genau gegenüber von Einsatzkräften befand und die durch Beamte mit einem Feuerlöscher unter Kontrolle gebracht werden konnte!

Mindestens 10 Festnahmen bei „Köpi“-Aktion

Die Berliner Polizei alarmierte die Berliner Feuerwehr zur Amtshilfe. Zwar kamen die Beamten mit einer Drehleiter und einem Höhenretter, sahen vor Ort aber keinen Handlungsbedarf: Die beiden Frauen machten nicht den Eindruck, dass sie in einer hilflosen Lage wären. Der Einsatzleiter der Feuerwehr stieg auf eine Steckleiter und versuchte eine Kontaktaufnahme. Die Frau stieg aber noch höher in den Baum und lehnte jede Hilfe ab.

Mindesten 10 Personen wurden festgenommen. zVg

Anschließend wurde der Bürgersteig auch auf der gegenüberliegenden Seite geräumt, damit die beiden Frauen im Baum und auf dem Zaun keinen weiteren Support mehr bekommen konnten. Dabei kam es zu Rangeleien und Widerstandshandlungen gegenüber der Berliner Polizei. Mindestens eine Person wurde dabei festgenommen. Eine Frau ließ sich fallen und wollte sitzend den Bürgersteig blockieren. Sie wurde sofort weggetragen.

Wenig später wurden mindestens 10 Personen in Gefangenentransporter gebracht und in Gefangenensammelstellen erkennungsdienstlich behandelt.

Das Wagencamp „Köpi-Platz“ galt als eines der letzten Symbolprojekte der linksautonomen Szene in Berlin. Am 15. Oktober vergangenen Jahres hatte die Polizei es mit schwerem Gerät geräumt. Die Räumung, an der Hunderte Polizisten beteiligt waren, hatte der Grundstückseigentümer vor Gericht erstritten. Die Bewohner lebten in Bauwagen neben einem seit 1990 besetzten Altbau.