Artur Zielinski flambiert die Garnelen. Foto: Gerd Engelsmann

Dieser Gourmet-Koch ist ein medizinisches Wunder: Statt an seiner schweren Knochenkrebserkrankung zu verzweifeln, steht Artur Zielinski  mit 64 Jahren weiter bis zu 12 Stunden pro Tag am Herd. Der KURIER besuchte Berlins tapfersten Küchenchef an seinem neuen Arbeitsplatz im La Fontaine (Zehlendorf)

Artur Zielinski löscht die Garnelen in der Pfanne mit Gin ab und flambiert sie anschließend gewandt. Seine Schmerzen in den Gelenken sieht man ihm bei der Arbeit nicht an. Vor 15 Jahren erkrankte er schwer an Knochenkrebs und kochte entgegen sämtlicher medizinischer Prognosen einfach weiter. „Ich habe mich vom Schicksal noch nie unterkriegen lassen“, sagt er. Gerade hat er im La Fotaine (www.la-fontaine-berlin.de/) einen neuen Job angetreten. In einem Alter, in dem andere Arbeitnehmer längst an ihre Rente denken. Nicht aber Artur Zielinski, der sieben Tage in der Woche in der Küche steht.

Kochen ist seit dem 15. Lebensjahr seine Berufung, wie er sagt. Seine polnische Großmutter Jadwiga hatte ihm früh ihre eigenen Kochkünste näher gebracht und in ihm eine Leidenschaft entfacht. Nach seiner Lehre zog es ihn zu einer zusätzlichen Ausbildung nach Perígord (Frankreich). Später arbeitete Artur Zielinski in verschiedenen Gourmet-Restaurants in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Er holte sogar zwei Michelin-Sterne und brachte es zu 17 Punkten im Gault Millaut.

Positive Lebenseinstellung

Doch neben seines großen beruflichen Erfolgs musste er auch einige Schicksalsschläge meistern. Seine Ehe zerbrach, als die gemeinsamen Söhne schon erwachsen waren. Als er mit einer anderen Frau noch einmal einen Neuanfang wagte, starb sie wenige Jahre später bei einem Verkehrsunfall. Doch Artur Zielinski ist kein Typ, der an seiner Vergangenheit zerbricht, sondern immer nach vorn schaut. „Man muss aus jeder Situation das Positive herausholen“, sagt er. Vermutlich hat ihn diese Einstellung auch zu seinem beruflichen Erfolg geführt.

Sogar als er 2005 mit starken Schmerzen in den Beinen zum Arzt ging, ließ er sich von der niederschmetternden Krebs-Diagnose des Mediziners nicht unterkriegen. Damals lebte und arbeitete er in der Schweiz und wurde dort ein halbes Jahr stationär auf der Onkologie einer Klinik behandelt. „Ich hatte das Glück, dass ich an einer Studie für ein neues Krebsmedikament teilnehmen konnte, dass mich vor Schlimmeren bewahrte“, sagt er. Während die Therapie bei ihm gut angeschlagen habe, hätten die anderen Teilnehmer nicht überlebt. Auch in dieser Situation half ihm wohl wieder seine positive Lebenseinstellung. „Schon nach drei Monaten auf der Station wurde mir langweilig und ich half in der Krankenhaus-Kantine mit“, verrät er. „Kochen ist die einzige Therapie, die Ihnen hilft“, habe sein behandelnder Arzt ihm schon damals gesagt.

Mousse von der Entenleber

Artur Zielinski hat auch den bösen Krebs überlebt, selbst wenn er noch heute mit schweren Begleiterscheinungen zu kämpfen hat. „Ich habe ständig Schmerzen in meinen Beinen und muss starke Medikamente nehmen“, sagt er. Dreimal im Jahr müsse er sich auch noch 15 Jahre später einer Therapie in der Schweizer Klinik unterziehen. Doch seine Leidenschaft ist stärker als jeder Krankheit.

Was Artur Zielinski so antreibt? „Wenn ich andere Menschen mit meinem Essen glücklich machen kann, sind alle Sorgen vergessen.“ Auch das Ehepaar Franziska und Oliver Bleks, denen das La Fontaine gehört, sind froh über ihren tapferen Sterne-Koch, der ihre Gäste mit Tatar vom Rinderfilet, Mousse von der Entenleber und Rote Beete Carpaccio verwöhnt. „Er ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagt Oliver Bleks und gerät bei Artur Zielinskis eigens kreierter Sauce Bernaise selbst ins Schwärmen. Wie lange Berlins tapferster Koch noch am Herd stehen will? „Solange bis meine Beine versagen und ich im Rollstuhl sitze“, sagt er bestimmend. Aber auch dann wird er sicherlich noch einen Grund zum Kochen finden. Artur Zielinski ist mit seinem Job verheiratet, wie er sagt. Seit fast 50 Jahren.