Die Aktion der Klimaaktivisten: „Essen retten - Leben retten“

Klimaaktivisten haben am Montagmorgen mit einer Blockade der Autobahn A100 in Berlin begonnen. Die Demonstranten der Kampagne „Essen retten - Leben retten“ besetzten dabei zunächst Zu- und Abfahrten an der Anschlussstelle Beusselstraße. Anschließend wurde die Fahrbahn selbst blockiert. In der Folge gab es Verkehrsbehinderungen. Auch in Hamburg gab es Aktionen.

Die Aktivisten fordern ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und eine Agrarwende, um Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft zu senken. Sie nennen sich „Aufstand der letzten Generation“.

Bereits in der vergangenen Woche hatte es in Berlin an drei Tagen zwölf solcher Blockaden gegeben, bei denen es zu 58 Festnahmen durch die Polizei kam. Viele setzten sich nach ihrer Entlassung direkt wieder auf eine Autobahn oder Bundesstraße. Freitagabend war die Berliner Polizei im Zuge der Kampagne das erste Mal gezwungen, vier Menschen in Anschlussgewahrsam zu nehmen, nachdem diese innerhalb weniger Stunden mehrfach den Verkehr an der Invalidenstraße hinter dem Berliner Hauptbahnhof gestört hatten. Vorausgegangen waren am selben Tag u. a. Blockaden der meistbefahrenen Autobahn Deutschlands, der A100.

Klimakatastrophe bedroht weiter das Leben von Milliarden Menschen

„Wir sind entschlossen. Wir merken, dass wir immer mehr stören. Dieser Gegenwind zeigt, wie richtig wir liegen. Aus dem Landwirtschaftsministerium wurde uns letzte Woche erneut mitgeteilt, dass das Anliegen dort auch als wichtig empfunden wird und dass man sich damit befasst. Das reicht aber nicht! Weiter wird in Deutschland ein LKW gutes Essen pro Minute weggeworfen und die Klimakatastrophe bedroht weiter das Leben von Milliarden Menschen, während das Essen-retten-Gesetz als einfacher erster Schritt sofort umgesetzt werden könnte. Wir wollen jetzt Handlungen sehen”, sagte Carla Rochel, eine der Teilnehmerinnen an den Aktionen.

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Gesagt, getan: Am heutigen Montagmorgen fanden Störungen in Berlin und Hamburg  an insgesamt vier Orten statt. Die Kampagne kündigte an, die Störungen immer weiter auszuweiten, bis die Bundesregierung unter Olaf Scholz handeln würde.

Die Aktionen der Gruppe waren kontrovers aufgenommen worden, hatten aber auch zu viel Solidarität geführt. Zahlreiche Menschen aus dem globalen Süden unterstützten die Blockaden. In Deutschland hatte z. B. einer der Gründer der Klimaunion, Heinrich Stößenreuther, sich den Forderungen angeschlossen.

Ackerbau durch immer schlechtere Böden und extremes Wetter bald nicht mehr möglich

„Wir sind verzweifelt! Was bleibt uns noch übrig? Fast niemand macht sich klar, dass drohende Hungersnöte in Deutschland reales Leid bedeuten. Wir müssen jede und jeden hier fragen: Was werden Sie bereuen, wenn uns in einigen Jahrzehnten das Essen ausgeht, weil Ackerbau durch immer schlechtere Böden und extremes Wetter nicht mehr möglich ist?”, sagte Raúl Semmler, der an vielen der Autobahnblockaden teilnahm.

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„Der Klimakollaps und die damit einhergehenden Katastrophen sind eine reale Gefahr für die Gesellschaft und unser aller Leben“, fügt Pressesprecherin Carla Hinrichs hinzu. Die Bundesregierung mache sich etwas vor, wenn sie sich die Klimakrise schönrechnete. Alle Klimawissenschaftler wissen: Wir werden 1,5 Grad überschreiten, noch in diesem Jahrzehnt. Die Bundesregierung ignoriere das und will erst 2045 klimaneutral sein. Das sei Verrat am Volk, ein Bruch der Verfassung und Hohn gegenüber den Familien der 182 Menschen, die bei den Fluten im Ahrtal – auch sie Folgen der Klimakrise – gestorben sind.