Klimaaktivisten blockieren am Montag die Invalidenstraße, haben sich auf der Fahrbahn festgeklebt.
Klimaaktivisten blockieren am Montag die Invalidenstraße, haben sich auf der Fahrbahn festgeklebt. dpa/Jörg Carstensen

Für die neue Woche brauchen die Berliner starke Nerven. Vor allem diejenigen, die mit dem Auto unterwegs sein müssen. Denn die Kima-Kleber der „Letzten Generation“ wollen wieder blockieren, dieses mal „massiver“ und härter als je zuvor. Erschwerend kommt dazu, dass wegen Sanierungsarbeiten der Tiergartentunnel, einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen, ab Montag für fünf Tage komplett gesperrt wird.

Nach einer Woche Aktionspause rüsten die Klima-Kleber erneut zum Kampf. Mit mehr Sympathisanten wollen sie ab Montag in Berlin das gesellschaftliche Leben „massiv stören“, drohen die Umweltaktivisten.  „Wir gehen an die Adern der Gesellschaft, in denen es fließen muss“, sagte Henning Jeschke, Mitgründer der „Letzten Generation“. „Es wird an allen Ecken und Enden Unterbrechungen geben“. Aktionen sind auf Straßen, Autobahnen und auch an Flughäfen denkbar.

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Am Montag begannen die Aktionen vor dem Hauptbahnhof in der Invalidenstraße mit sieben Menschen. Fünf davon hätten sich an der Fahrbahn festgeklebt, sagte eine Polizeisprecherin. Weitere Aktionen folgten an der Wilhelmstraße, Ecke Hallesches Ufer und der Potsdamer Straße, Ecke Varian-Fry-Straße. Dort hatten sich laut Polizei jeweils vier Aktivisten festgeklebt. Die Berliner Verkehrsinformationszentrale sprach von einer weiteren Protestaktion auf der B1 im Bereich Tiergarten in Höhe Stresemannstraße, die für Stau sorge.

Um „maximal die öffentliche Ordnung“ zu stören, habe man mehr Mitstreiter rekrutieren können. Diese gewinnt die „Letzte Generation“ bundesweit unter anderem durch Vortragsveranstaltungen in öffentlichen Einrichtungen. Die Neuzugänge werden dann online für den Straßeneinsatz geschult. So eine abschließende Schulung sollte am Sonntag in Berlin stattfinden.

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Polizisten tragen Klima-Kleber von der Kreuzung. Mit 200 Beamten wollen die Ordnungshüter nun in der kommenden Woche Störungen verhindern. Verdeckte Beamte sind mit im Einsatz.
Polizisten tragen Klima-Kleber von der Kreuzung. Mit 200 Beamten wollen die Ordnungshüter nun in der kommenden Woche Störungen verhindern. Verdeckte Beamte sind mit im Einsatz. dpa/Carsten Koall

Nötigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Gefährdung von Menschenleben: Um die möglichen Folgen der Aktionen der Umweltaktivisten zu verhindern, rüstet die Berliner Polizei zur Gefahrenabwehr. Bis zu 200 Beamte sollen am Montag im Berliner Stadtgebiet unterwegs sein.

„Sie werden an den vielen Stellen sein, wo in der Vergangenheit die Umweltaktivisten ihre Blockaden durchgeführt haben“, sagt ein Polizeisprecher dem KURIER. „Die Beamten werden etwa mit Einsatzfahrzeugen an wichtigen großen Kreuzungen und Autobahnauffahrten und -brücken im Vorfeld präsent sein, um dort Blockaden im Vorfeld zu verhindern. Außerdem sind auch verdeckte Einsatzkräfte unterwegs.“

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Tiergartentunnel fünf Tage lang gesperrt

Auch ohne die Drohungen der Klima-Kleber ist die Verkehrslage in Berlin am Montag schon angespannt. Der Tiergartentunnel, der seit 2006 zu den wichtigsten Ost-West-Verbindungen der Stadt gehört, wird fünf Tage lang gesperrt. Die Leittechnik, ohne die im Tunnel die Verkehrsanlagen nicht funktionieren, muss nun dringend ersetzt beziehungsweise und modernisiert werden.

Der Tiergartentunnel wird für fünf Tage gesperrt. 
Der Tiergartentunnel wird für fünf Tage gesperrt.  Imago/Jürgen Ritter

Die für die Arbeiten notwendige Sperrung des Tiergartentunnels beginnt am 5. Dezember um 10 Uhr. Sie wird bis Freitag, den 9. Dezember (18 Uhr) dauern. Staus sind vorprogrammiert.

Komplett gesperrt sind die Fahrtrichtungen Nord und Süd von Einfahrt beziehungsweise Ausfahrt Reichpietschufer bis Einfahrt/Ausfahrt Heidestraße. Betroffen ist die Anschlussstelle Invalidenstraße und die Anschlussstelle Kemperplatz, Ein- und Ausfahrt. Die oberirdische Zufahrtsmöglichkeit zum Parkhaus Berlin Hauptbahnhof über die Clara-Jaschke-Straße bleibt erhalten.

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Störungen bei der S-Bahn

Nicht nur, wer kommende Woche mit dem Auto unterwegs ist, hat Probleme. Auch die Fahrgäste der Öffis brauchen möglicherweise starke Nerven. Entweder bleibt man mit dem Bus in den Klima-Kleber-Blockaden stecken, oder S-Bahn-Züge fallen wegen des hohen Krankenstandes bei den Triebwagenführern aus.

Bereits am Sonntag müssen auf den Linien S 26 (Teltow-Stadt-Waidmannslust) und S 85 (Grünau-Pankow) alle Fahrten entfallen. Als Ersatz für die Linie S 26 sollen Fahrgäste die Züge der Linie S 25 nutzen, und für die S 85 die Züge der Linie S 8. Auch bei der Ringbahn (S 41 und S42 kommt es zu Zugausfällen. Das könnte sich am Montag fortsetzen.

Bis Mittwoch (21. Dezember) müssen sich Fahrgäste  auch auf den Linien S1, S3 und S5 auf weniger Züge einstellen. Dort entfallen die zusätzlichen Verstärkerfahrten, die sonst montags bis freitags während der Hauptverkehrszeiten die Kapazitäten erhöhen, wie die S-Bahn Berlin mitteilte. Betroffen sind Züge der S1 zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz, der S3 Express zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof sowie die S5 zwischen Mahlsdorf und Ostbahnhof.