Der Prozess gegen Klaudia T. (63) begann gestern in Moabit. Pressefoto Wagner

Sie wurde in ihrer Rolle als Opa zum Albtraum für ihre Enkeltochter (9): Transfrau Klaudia T. (63) steht nun wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht.

Im hellblauen Sommerkleid saß Klaudia T. im Saal. Rot lackierte Fingernägel, die Haare schulterlang. Geboren als Klaus T., Vater einer Tochter. Inzwischen lebt sie seit vielen Jahren als Frau und möchte Klaudia genannt werden – auch wenn das noch nicht in ihrem Ausweis steht. Für Enkeltochter Maja (alle Namen geändert) ist sie Opa.

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Um zwei Kinder geht es im Prozess: ein Mädchen (10) aus dem Haus von Klaudia T. in Marzahn und um Maja. Sexfotos schoss Klaudia T. laut Anklage von der kleinen Nachbarin, sie sollte vor der Kamera posieren.

Im Fall von Enkeltochter Maja kam es laut Ermittlungen Ende Dezember bei einem Opa-Besuch mit Übernachtung zu sexuellen Übergriffen im Bett – die Anklage lautet unter anderem auf schweren Kindesmissbrauch.

Klaudia T. geht in Pornokinos – „aber nie hatte ich was mit Kindern“

Der Richter: „Frau Angeklagte, möchten Sie sich äußern?“ Kleinunternehmerin T.: „Mir tut die Kleene am meisten leid. Ich war ihr wohl zu nahegekommen, ein Ausbruch, mein Gehirn war ausgeschaltet.“ Sie habe das Kind sexuell angefasst, nicht aber vergewaltigt.

Die Angeklagte jammerte: „Ich verachte mich dafür.“ Sie gehe in Pornokinos – „aber nie hatte ich was mit Kindern“. Sie wolle bei ihrer Tochter und ihrer Enkelin um Entschuldigung bitten: „Ich wünsche mir so, dass ich das mit Tochter und Enkelin wieder auf die Reihe kriege.“

Bevor Maja ging, wollte Opa noch dafür sorgen, dass sie nichts erzählt. Sie sollte wohl ein schlechtes Gewissen bekommen: „Wenn du was sagst, komme ich ins Gefängnis.“ Doch Maja vertraute sich ihrer Mama an. Die Tochter von Klaudia T. erstattete Strafanzeige.

Warum alles geschah, könne sie sich nicht erklären – „das kann ich nur mit einem Psychiater lösen“

Als Beamte zu Opas Wohnung kamen und alles durchsuchten, fanden sie Kinderpornos. Aufnahmen von Maja sowie intime Bilder der Zehnjährigen, die oft nach der Schule bei T. war und deren Eltern großes Vertrauen zu T. hatten, die in dem Mehrfamilienhaus als geschätzte Nachbarin galt.

Die Angeklagte zum Fall der Nachbarstochter: „Sie war mir ans Herz gewachsen, ich wollte mit ihr lernen.“ Wie es zu den Aufnahmen im letzten November kam, könne sie sich nicht erklären – „ich hab’ mir danach gesagt, ist doch krank im Kopf“. Sie habe die Bilder löschen wollen – „habe ich aber vergessen, dann stand die Polizei vor der Tür“.

Warum alles geschah, könne sie sich nicht erklären – „das kann ich nur mit einem Psychiater lösen“. Maja bleibt eine Aussage im Prozess erspart: Es gibt eine Videovernehmung der Polizei. Fortsetzung: Dienstag.