Hitze und Dürre machen der Natur immer mehr zu schaffen. imago/Ralph Peters

Der Juni ist gerade zur Hälfte rum, und jetzt schon schrillen die Alarmglocken: Sage und schreibe 3,4 Grad zu warm ist der Monat, rechnet Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net vor. Überdies ist er viel zu trocken: Gerade einmal 29 Prozent vom monatlichen Niederschlagssoll hat der Monat bislang erfüllt, so der Wetterexperte, dafür hat es bereits Sonne satt gegeben: 61 Prozent vom üblichen Sonnenscheinsoll für den ganzen Monat hat die erste Monatshälfte ergeben. „Der Monat ist also bisher deutlich zu warm, zu trocken und zu sonnig.“

40-Grad-Marke in Reichweite: historischer Hitzerekord möglich

Zwar sind auch heftige Unwetter niedergerasselt, „aber das waren eben meist nur regional und ganz eng begrenzte Niederschläge und in der Fläche ist es schon wieder viel zu trocken“, hält Diplom-Meteorologe Jung fest. Doch das war erst der Anfang eines Hitzemonats, der jetzt neue Extreme ansteuert: Die 40-Grad-Marke gerät im Osten in Reichweite! Sollte diese Schwelle tatsächlich erreicht oder überschritten werden, wäre das historisch: Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 habe es in Deutschland in einem Juni noch nie 40 Grad gegeben, ordnet Dominik Jung die Wetterentwicklung ein.

In Berlin schlägt die Hitze dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge ab Mittwoch zu. Bis zu 30 Grad sind dann drin. Dienstag bremsen noch viele Wolken die Erwärmung, in Berlin bleibt es bei nur 24 Grad, während sich in der Lausitz das Thermometer schon auf 27 Grad vorwagt. Brütend heiß wird es am Donnerstag mit Werten bis zu 35 Grad. Immer höher klettern auch die Nachttemperaturen: Bis zum Freitagmorgen werden die Tiefstwerte in Berlin nicht mehr unter die 20-Grad-Marke sinken. Noch wärmer wird es nachts am Wochenende. Bis zum Montag könnten die Tageshöchstwerte nochmals deutlich über die 35-Grad-Marke steigen. Allerdings steigt dann auch die Wahrscheinlichkeit für einzelne örtliche Schauer und Hitzegewitter.

„Die heißen Tage werden das Mittel ordentlich nach oben drücken“, erwartet der Wetterexperte: Enorme Abweichungen von bis zu fünf Grad über dem Klimamittel deuten sich an. Verantwortlich für die Hitzewelle zeigt sich Hoch Yona, dessen Schwerpunkt sich zwischen Süddeutschland und Norditalien festsetzt. Wie ungewöhnlich die Wetterlage ist, zeigt der Vergleich mit dem Wettertrend für Südeuropa, wo derzeit zwar auch teils Temperaturen über 30 Grad gemessen werden. In Deutschland werden die Höchstwerte aber deutlich über denen in Mallorca oder Antalya liegen. Dort drücken derzeit ergiebige Regenfälle die Temperaturen auf ein Niveau, das eher hierzulande zu erwarten wäre: Nicht einmal 25 Grad warm wird es am Dienstag in der türkischen Urlaubsregion.

Unwetter-Ausläufer erreichen den Osten

Die Hitze ist für uns das eine Problem, dazu kommt aber noch ein zweites: „Ab Donnerstag kommt die große Schwüle und dann schon wieder hier und da der große Knall.“ Den gibt es am Nachmittag und Abend zunächst im Westen, später werden Unwetter-Ausläufer aber auch in den Osten übergreifen. „Starkregen, Hagel und Sturmböen machen dann rasch wieder Probleme.“ Sehr unangenehm wird es, wenn sich die Hitze nachts in den Wohnungen staut und auch morgens bei Temperaturen um die 20 Grad und mehr nicht entweichen will. Tropische Nächte heißt das Phänomen, das vielen den Schlaf rauben wird. Das große Rätsel ist noch, wie lange die Hitze anhalten wird. Das sei noch unsicher, so Jung: „Im Osten vermutlich von Donnerstag bis Sonntag oder Montag.“ Im Westen startet die Hitzewelle einen Tag früher und könnte sich dort bereits am Samstag oder Sonntag ausgetobt haben.

Ist dies vielleicht der Auftakt zu einem Hitzesommer, dessen Extreme wir derzeit noch nicht erfassen können? Noch befinden wir uns im kalendarischen Frühling, die Hitzeextreme sind außergewöhnlich. Der kalendarische Sommer startet erst am 21. Juni 2021, und noch ist unklar, ob sich die Extremhitze auch in den Sommer hinein fortsetzen wird. Langfrist-Prognosen mussten in diesem Jahr mehrfach nach oben korrigiert werden, eine verlässliche Vorhersage ist bei der augenblicklichen Großwetterlage noch schwieriger als ohnehin.