Theaterleiter Thomas Baumann steht im Saal des Kinos „Blauer Stern“. Die Pankower Kino-Institution der Blaue Stern wurde während der Corona-Schließung umgebaut.

Foto: Carsten Koall

Der blaue Stern an der Fassade leuchtet seit Jahrzehnten unermüdlich. Jetzt strahlt auch das Innere des traditionsreichen Kinos Blauer Stern in Pankow wieder. Die Corona-Zwangspause nutze die Yorck-Kinogruppe, unter deren Dach das Kino seit 2018 betrieben wird, für eine umfassende Renovierung des Foyers und des großen Saals.

Film-Plakate und  der namensgebende blaue Stern an der Fassade des Kinos.  

Foto: Carsten Koall

Wer das alte Foyer mit dem Café Blauer Affe noch kennt, wird erstaunt sein, wie offen und großzügig das neue Entree auf einmal ist. Eine weinrote Plüsch-Schlange zum Sitzen, ein nagelneuer Verkaufstresen und ein neues Lichtkonzept machen das Pankower Kiezkino zu einem Hingucker. Die Gestaltung übernahmen die Batek Architekten, die auch mit dem Delphi Lux in Charlottenburg schon den Innenarchitektur-Preis Frame Award gewannen.

Das Design in Rot- und natürlich Blautönen nimmt Bezug auf ein Kunstwerk der Künstlerin Mechtild van Ahlers. Ihr üppiges Blumenmotiv ist der Blickfang im Foyer. Im Saal 1 wurde es auf die neue Stoffbespannung für die Wände gedruckt. Nicht nur optisch, sondern auch akustisch ein Gewinn. Zusammen mit Lichtbögen mit wechselbaren Farben und einem neuen knallroten Vorhang im Saal macht der Blaue Stern jetzt richtig was her.

Der Blaue Stern ist nicht nur für Independent-Filme und gute Kinderfilme bekannt, er ist auch Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Als Modellkino für grüne Kinos wird hier besonders viel Wert auf umweltverträgliches Vergnügen gelegt. Foto: Yorck Kinogruppe/Marvin Wiechert

Alles ist also bereit für die Gäste, die mit Abstand seit Kurzem hier wieder Filme gucken können. „Die Auslastung ist ein Problem, aber wir setzen ein Zeichen, dass wir wieder da sind“, sagt Theaterleiter Thomas Baumann. Von den 161 Plätzen im großen Saal können bei einer Vorführung derzeit nur 60 besetzt werden. Reihen sind mit Neonband gesperrt, bis man am Platz angelangt ist, muss eine Maske getragen werden. Wo unter dem Saal einst eine Kegelbahn untergebracht war, befindet sich heute die Lüftungsanlage, die ständig für frische Luft sorgt. „Die ersten dankbaren Stammgäste waren schon da. Es ist ein Anfang“, so Baumann. Begonnen hat er selbst hier im Blauen Stern als Schüler, der sonntags sauber machte. Er ist, wie auch das Publikum, mit dem Haus gewachsen.

Nach der Wiedereröffnung  vor zwei Wochen kamen seine Stammgäste öfter nur mal zum Gucken herein, erzählt Thomas Baumann. Sie waren begeistert. Und er ist es immer wieder von seinem Publikum. „Eine tolle Mischung.“

An der Stelle, wo heute Arthouse-Filme und ein sorgfältig ausgewähltes Kinderprogramm laufen, befand sich Ende des 19. Jahrhunderts ein Biergarten mit Tanzlokal. Seit 1933 flimmerten hier Streifen über die Leinwand. Erst unter dem Namen Bismarck-Lichtspiele, seit 1946 als Blauer Stern. 1987 wurde das Haus geschlossen und der Eingangsbereich nach der Wende als griechisches Restaurant genutzt. Dann verfiel das Gebäude. 1996 hauchten der Kinomann Uwe Feld und seine Mitstreiter der Ruine neues Leben ein. Bis 2018 führte Feld das Kino, auch durch schwere Zeiten. Das zweite Pankower Kino-Urgestein, das Colosseum, stirbt gerade den Filmtod. Nun muss der Blaue Stern um so heller leuchten.