Eines der Weihnachtswünsche, die Kinder aufgeschrieben haben und an die Tanne am Breslauer Platz gehängt haben.  Foto: Volkmar Otto

„Ich wünsche mir, dass die Menschen auch in dieser Zeit zusammenhalten und wir alles überstehen“ und „ich wünsche mir, dass Corona bald weggeht“. Es sind Herzenswünsche von Berliner Kindern, die so ungewöhnlich sind wie das Jahr der Pandemie 2020.

Statt materieller Bedürfnisse sind es überwiegend ideelle Wünsche. Sie hängen aufgeschrieben am Weihnachtsbaum in Friedenau am Breslauer Platz. Doch nicht nur dort wünschen sich schon die Kleinsten das, was sich normalerweise Erwachsene wünschen. Nämlich Frieden, Liebe und Gesundheit. In den aktuell 100.000 Briefen, die in diesen Tagen schon im Weihnachtspostamt Himmelpfort (Brandenburg) eingegangen sind, ist die Corona-Krise ebenfalls ein großes Thema. 

Der Weihnachtsbaum am Breslauer Platz in Friedenau. Dort hängen Kinder jedes Jahr ihre Wünsche zum Fest an. In diesem Jahr fallen sie ungewöhnlich aus. 
Foto: Volkmar Otto

Nach Angaben der Deutschen Post spiegelt sich in den aktuellen Weihnachtswünschen auch die aktuelle Corona-Situation deutlich wider: Die Kleinen wünschten sich, öfter als sonst,  Gesundheit für die ganze Familie und dass „Coronaweggeht“. Außerdem wünschten sich viele Kinder auch in diesem Jahr, mit den Großeltern zusammen Weihnachten feiern zu können.

„Ein kleiner Junge wendete sich mit einem besonderen Herzenswunsch an den Weihnachtsmann: Dieser möge doch dafür sorgen, dass er endlich wieder zum Fußballtraining gehen kann. Er möchte so gern später Fußballer werden – aber ohne Training wird das ja nichts!“, sagt Postsprechern Anke Blenn dem KURIER. Weitere Wünsche der Kinder: „Lieber Weihnachtsmann mach, dass Corona weggeht, damit ich wieder mit den anderen Kinder spielen kann.“ „Ich möchte, dass Corona endlich aufhört und wir auch dieses Jahr mit Oma zusammen Weihnachten feiern können.“ „Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche Dir, dass Du gesund bleibst und auch Deine Engel.“

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In den Weihnachtspostfilialen Himmelpfort sind laut der Deutschen Post in diesem Jahr im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bereits einige Tausend Briefe mehr eingegangen. Im vergangenen Jahr 2019 erreichten den Weihnachtsmann in Himmelpfort mehr als 294.000 Briefe von Kindern aus Deutschland und 65 Ländern weltweit.

Der KURIER hat mit der klinischen Psychologin Suzana Widmann aus Wedding gesprochen: Warum sind die Wünsche der Kinder in diesem Jahr oft immateriell? Die Corona-Krise gehe auch an Kindern nicht spurlos vorbei. Deshalb seien ihre Wünsche nicht ungewöhnlich. „Studien wie die Copsy-Studie aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in der 1500 Kinder und Eltern online befragt wurden, zeigt dass sich die psychische Gesundheit von Kindern mit der Corona-Pandemie verschlechtert hat. Es kommt zu stärkeren psychischen Auffälligkeiten seit der Krise“, erklärt Widmann. Mit den Veränderungen der Lebensqualität und des psychischen Wohlbefindens käme es zu erhöhten psychischen Auffälligkeiten wie Hyperaktivität oder emotionalen Probleme.

Das Weihnachtspostamt in Himmelpfort (Brandenburg): Auch hier gehen viele Briefe ein, in denen die Kinder die Corona-Krise thematisieren.
Foto: dpa

Die Verhaltensprobleme hätten sich laut der Studie von 18 auf 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht. Andere Corona-Studien zeigten auch, dass Kinder und Jugendliche besonders von der Pandemie betroffen seien, da sie sich nicht mehr mit ihren Freunden treffen könnten.

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Dabei seien die sozialen Kontakte sehr wichtig für ihre Entwicklung. Außerdem seien Kinder von Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss und Nachwuchs von Eltern mit Migrationsintergrund besonders betroffen von den coronabedingten Veränderungen. Oftmals ginge das auch mit einer finanziellen Verunsicherung einher, da in den Familien große Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes vorherrsche. Die Sorgen der Eltern wirkten sich erheblich auf die Psyche der Kinder aus.

Doch wie können Eltern ihre Kinder stärken, damit sie resilient durch die Krise kommen? „Durch virtuelle Kontakte wie Telefonate und Videoanrufe. Vielleicht könne man alternativ auch den ein oder anderen Spielkameraden mal vor dem Haus begrüßen, um zu zeigen, dass er noch da ist. Schon kurze Gespräche mit ihren Freunden können ihnen helfen, dass sich Kinder nicht allein und isoliert fühlen“, sagt die Expertin Suzana Widmann. Natürlich helfe es auch, wenn sich Eltern Zeit für ihre Kinder nehmen und mit ihnen spielten, um für kurze Zeit den Freund ersetzen zu können. Wichtig sei es auch, mit den Kindern über ihre Ängste zu sprechen.