Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach die Frau am Freitag der fahrlässigen Tötung schuldig. (Symbolbild). Foto: mago images/Jan Huebner

Sie hatte ihre Pflegetochter beim Baden in der Wanne für zwei bis drei Minuten allein gelassen: Nach dem tödlichen Unfall eines kleinen Mädchens ist eine 56-Jährige zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach die Frau am Freitag der fahrlässigen Tötung schuldig. Sie hätte das zwei Jahre und acht Monate alte Mädchen nicht unbeaufsichtigt in der Badewanne zurücklassen dürfen, begründete der Richter. Ein „kurzzeitiges Augenblicksversagen“ habe im Mai 2019 zu dem tragischen Tod geführt.

Die Angeklagte aus dem Stadtteil Hohenschönhausen war damals Pflegemutter von zwei Geschwistern. „Wir hatten sie in unser Herz geschlossen“, so die 56-Jährige. Am Abend, als es zur Tragödie kam, sei ihr Ehemann nicht zu Hause gewesen. „Sonst war er da, wenn ich sie badete.“ Weil der damals einjährige Junge schrie und aus der Wanne wollte, habe sie mit ihm kurz das Badezimmer verlassen und ihn angezogen. Das Wasser in der Wanne habe maximal zehn Zentimeter hoch gestanden. Als sie zurückkam, habe das Mädchen „mit dem Gesicht im Wasser gelegen“.

Das Mädchen war laut Ermittlungen beinahe ertrunken. Es sei zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand und einer dadurch verursachten Sauerstoffverminderung des Gehirns gekommen. Das Kind starb zwei Wochen später in einem Krankenhaus.

Unter Tränen erklärte die Angeklagte: „Ich würde mit ihr tauschen, wenn ich könnte. Es tut mir unendlich leid.“ Als sie kurz mit dem Einjährigen das Badezimmer verließ, habe sie gedacht, ihrer Pflegetochter, die sicher allein stehen konnte, könne in der mit einer Antirutschmatte ausgestatteten Badewanne nichts passieren. Bis heute befinde sie sich in psychologischer Behandlung.

Der Staatsanwalt hatte zehn Monaten Haft auf Bewährung gefordert. Es habe sich um eine hohe Sorgfaltspflichtverletzung gehandelt, hieß es in seinem Plädoyer. Der Verteidiger sprach sich für eine Geldstrafe aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.