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Spreepark: Ein Weg ist das Ziel

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40 Gondeln, 45 Meter hoch, beste Aussichten nach Osten und Westen: Das Riesenrad war eine Riesen-Attraktion. 

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imago/Travel-Stock-Image

Es ist ein verwunschener Ort. Stillgelegte Karussells, überwuchert und verrostet, dämmern in dichtem Grün vor sich hin. Über den rostigen Gleisen einer Schmalspurbahn erhebt sich ein Riesenrad, das sich nur noch im Wind dreht. Doch der Dornröschenschlaf, in dem der Spreepark im Plänterwald seit Jahren liegt, wird nicht mehr lange dauern.

In der kommenden Woche stellt die landeseigene Grün Berlin ihr Konzept „Neustart Spreepark“ öffentlich vor. In rund zwei Jahren könnten dann auf dem 23 Hektar großen Gelände unweit der Spree die Bauarbeiten beginnen. Dann ist es mit der Ruinenromantik im alten „Kulti“ endgültig vorbei.

Spreepark nun mehr ein Naturschutzpark

Für viele Menschen gehört die Anlage, die 1969 kurz vor dem 20. Jahrestag der DDR-Gründung als „Kulturpark“ öffnete, zu ihrer Lebensgeschichte. Mit der Achterbahn, dem Pressluftflieger „Kosmodrom“, der Wasserrutsche „Wellenreiter“ und anderen Attraktionen war sie der erste und einzige Vergnügungspark der DDR. Das 45 Meter hohe Riesenrad bot beste Aussichten. Doch nachdem 1989 die Mauer gefallen war, wurde es leer im Park. 2002 endete der Betrieb.

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Umweltsenatorin Regine Günther stellt die Pläne vor. 

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picture alliance / Britta Peders

Inzwischen ist ein Dschungel entstanden, in dem 49 Vogelarten leben. Wasserfledermäuse, Große Abendsegler und drei andere streng geschützte Fledermausarten nutzen ihn zur Nahrungssuche. Und dann sind da noch 75 Laufkäfer-, 80 Wildbienen- und 108 Spinnenarten. In der wachsenden Stadt Berlin ist der Spreepark ein Rückzugsgebiet der Natur geworden.

Ein „Ort für künstlerisches Schaffen" in Planung

Doch das kann er nicht mehr lange sein. Denn die landeseigene Grün Berlin will ihn wieder dauerhaft öffnen. Am 25. Mai wird der Rahmenplan präsentiert. Um 16 Uhr öffnet im Park eine Ausstellung, es gibt geführte Spaziergänge. Um 17.30 Uhr präsentiert Grün Berlin den Rahmenplan, ab 18 Uhr gibt es eine große Diskussion.

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1999 war der Spreepark noch in Betrieb. Doch es kamen immer weniger Besucher – 2001 nur noch 400.000. 

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„Der neue Spreepark wird mit zahlreichen spannenden Angeboten ein attraktives Ziel für alle werden“, verspricht Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (parteilos, für Grüne). Klar ist bereits, dass der Rummelplatz nicht wiederauferstehen soll. Geplant sei stattdessen ein „Ort für künstlerisches Schaffen, der einlädt, dabei zu sein und mitzumachen“, sagt Grün-Berlin-Chef Christoph Schmidt. „Kunstinstallationen und Ausstellungen könnten in den Gebäuden und auf den Freiflächen stattfinden, ehemalige Fahrgeschäfte wie die Wildwasserbahn für Performances, Installationen und Theateraufführungen genutzt werden.“

Parkplatz-Pläne mit Skepsis beobachtet

Nach Informationen des Berliner KURIER soll die große Halle im Süden zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude umgebaut werden, mit 2500 Steh- oder 1500 Sitzplätzen. Auch im Trafo-Gebäude und im 360-Grad-Kino sollen Veranstaltungen stattfinden. Das Eierhäuschen wird bereits umgebaut, für Gastronomie, Büros, Arbeits- und Schlafräumen für Künstler. Fertig: 2021.

Anfangs werden 350.000 Besucher pro Jahr erwartet, später 600.000. Doch die Anreise könnte schwierig werden. Zunächst soll es am Park 100 Parkplätze geben, später 270. Dagegen werden Linienbusse der BVG auch weiterhin nicht bis vor die Tür fahren können, wer mit der S-Bahn kommt, muss weiterhin laufen – bis zu 1,7 Kilometer. Selbstfahrende Busse und eine Fähre zum S-Bahnhof Treptower Park sollen die Anfahrt erleichtern. Das Verkehrskonzept schlägt auch vor, die Parkeisenbahn zu reaktivieren und zu verlängern – bis zum S-Bahnhof Treptower Park.

Doch Anlieger sind skeptisch. Der Plänterwald sei Landschaftsschutzgebiet, sagt eine Pächterin in der benachbarten Kolonie Rathaus. „Ich halte es für ein Unding, wenn dort unter einem rot-rot-grünen Senat Parkplätze entstehen und der Dammweg verbreitert wird.“