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HeroinKids: Modelabel provoziert vor dem Kanzleramt

HeroinKids vor dem Kanzleramt in Berlin.

HeroinKids vor dem Kanzleramt in Berlin.

Foto:

HeroinKids

Berlin -

Hatten sie etwa noch nicht genug? Das kleine Berliner Kunst- und Modelabel HeroinKids von den Machern Christian Kaiserengel, Corinna Engel und Jan Ehret wurde in den letzten Jahren immer wieder für skrupellose Aktionen gerügt. Jetzt sorgen sie erneut für Aufsehen und legen sogar noch eine Schippe drauf.

Dämmernder Abend, viel Getümmel im Regierungsviertel und genug Zeit, um alles vorzubereiten: Für eine provokante Aktion von HeroinKids und Kit Kat Club Resident DJ Jan Ehret hätte es keinen besseren Augenblick gegeben. Um 20:30 Uhr versammelten sich die drei sowie einige weibliche und männliche Models im Regierungsviertel. In Latexwäsche und mit viel nackter Haut nutzen sie das Kanzleramt als riesige Projektionsfläche für ihre verstörenden Fashion-Werbespots. Etwa zehn Minuten dauerte es, bis ein Großaufgebot der Polizei anrückte. HeroinKids lag keine Genehmigung des Bundestags vor, noch handelte es sich um eine politische Aktion.  Das Event wurde umgehend beendet. Die Konsequenzen sind vorerst unklar. „Wir hoffen aber, dass die Stadt Berlin mit uns milde umgehen wird“, sagt Engel. 

Ein Großaufgebot der Berliner Polizei stoppte die Aktion vor dem Kanzleramt.

Ein Großaufgebot der Berliner Polizei stoppte die Aktion vor dem Kanzleramt.

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HEROIN®KIDS - Corinna Engel & Christian Kaiser/Jan Ehret

Mehrfach vom Deutschen Werberat gerügt

Dabei gerieten die Designer schon öfter für ihre skrupellosen Motive mit dem Gesetz in Konflikt.  So gab es bei der letzten Ausstellung einen Farbanschlag auf mehrere ihrer Kunstwerke. Inspiriert von illegalen Rave Parties, Berlins Techno Club Szene und von Punk Attitude, erschaffen Corinna Engel und Christian Kaiserengel eine nihilistische Vision von Schönheit, Anmut, Dekadenz und Zerbrechlichkeit. Nicht immer lässt sich das mit den Gesetzen des Deutschen Werberats vereinbaren. Dieser bezeichnete einst einige ihrer Motive als „teilweise entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder und Jugendliche“. Doch all das schreckt HeroinKids nicht ab.

Das Modelabel hat eine Mission, ein klares Bild von Kunst. „Jetzt erst recht. Wir lassen uns nicht abhalten, unsere Arbeiten auch weiterhin einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, auch jungen Menschen. Im Gegenteil: Diese Art von Gegenwind verdeutlicht nur umso mehr, dass wir mit unserer Kunst genau da sind, wo wir sein sollen: Am Nerv der Zeit“, so Kaiserengel.

DJ Jan Ehret ist der Initiator

Die Idee zur Aktion vor dem Kanzleramt hatte Jan Ehret. Der DJ und Projektkünstler, gebürtig aus Freiburg, macht sich aktuell im Berliner Untergrund einen Namen, ist bekannt für exzessive, freizügige Secret Partys und ist seit kurzem Initiator der Truppe. Wir haben Jan durch einen Zufall kennengelernt. Er schreckt vor keiner "Schandtat" zurück. Das passt halt einfach gut zusammen", so Engel. Das Video sollte gleichzeitig eine Open Air Veranstaltung für den kompletten Bundestag sein, passend zur Vereidigung von Angela Merkel. „Es waren also praktisch alle Abgeordneten vor Ort. Sogar bis zum Bundestag konnte man uns sehen“, so Engel weiter.

Ziel der Aktion: Kinder und Jugendliche mit einem vielschichtigem und mehrdimensionalen Bild von Schönheit zu konfrontieren. Dabei wollen sie sich von unerreichbaren mit Photoshop retuschierten Modelbildern in Hochglanzbildern absetzen. Kaiser und Engel und Ehret können sich dafür kein besseren und zentraleren Schauplatz als Berlin vorstellen. „Berlin steht für Freiheit, Party, Absturz und Spaß wie kein anderer Ort in Deutschland. HeroinKids reflektiert diesen Lifestyle. Wir würden sogar so weit gehen zu sagen, das HeroinKids bisweilen ein fester Bestandteil der Stadt Berlin ist“, sagt Engel zum KURIER.

Das vor dem Kanzleramt gedrehte Video gibt es am 23.03 bei der HeroinKids x JanEhret Party im KitKat Club Berlin zu sehen.