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Fast zehn Prozent mehr: Wie Berlin an der Mietpreisspirale dreht

Überall in Berlin: die verzweifelte Suche nach preiswerten Wohnungen.

Überall in Berlin: die verzweifelte Suche nach preiswerten Wohnungen.

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imago

Berlin -

Die landeseigenen Wohnungsunternehmen mit ihren rund 300.000 Wohnungen sollen preisdämpfend auf den Berliner Wohnungsmarkt wirken. Das tun sie zwar bei laufenden Mietverhältnissen, doch bei der Wiedervermietung langen sie kräftiger zu. Auch die Zahl der fristlosen Kündigungen ist hoch.

Das geht aus einem Bericht hervor, der in Kürze im Senat behandelt werden soll. Die landeseigenen Unternehmen haben danach im vergangenen Jahr 140.314 Mieterhöhungen verschickt – rund 14.000 davon entfielen auf den sozialen Wohnungsbau. Die Mieten in bestehenden Mietverhältnissen erhöhten sich um durchschnittlich 1,9 Prozent auf 5,91 Euro je Quadratmeter (kalt). Die landeseigenen Vermieter unterschreiten damit dem Bericht zufolge die zulässige Miete des Mietspiegels um 8,7 Prozent.

Hohe Wiedervermietungsmiete durch Immobilienmarkt berechtigt?

Anders sieht es bei der Wiedervermietung aus. Hier verlangen die städtischen Vermieter im Schnitt 7,09 Euro je Quadratmeter. Der bereits hohe Wert aus dem Vorjahr von 6,45 Euro wird dabei sogar noch um 9,9 Prozent gesteigert. Mit der WBM, der Stadt und Land sowie der Gesobau bewegen sich drei Unternehmen bei den Quadratmeter-Mieten beim Abschluss neuer Verträge bereits über der Sieben-Euro-Marke.

Die hohe Wiedervermietungsmiete wird in dem Bericht mit Verweis auf die noch viel höheren Forderungen auf dem gesamten Berliner Immobilienmarkt gerechtfertigt. Danach belief sich die mittlere Angebotsmiete in Berlin im Jahr 2017 auf 10,15 Euro je Quadratmeter. Zwar haben sich die landeseigenen Vermieter daran gehalten, die Mieten in laufenden Verträgen um nicht mehr als zwei Prozent jährlich anzuheben.

In 418 Fällen wurde Miete reduziert

Die Unternehmen haben aber in 2243 Fällen von einer Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht, die Mietsteigerungen um bis zu 15 Prozent in vier Jahren zulässt. Möglich werden solche Erhöhungen in Wohnungen, bei denen die Kaltmiete unter 75 Prozent der durchschnittlichen Unternehmensmiete liegt. Die Regelung ist also ein Mietenturbo für preiswerte Wohnungen.

Immerhin: In 418 Fällen wurde die erhöhte Miete auf Antrag der Mieter reduziert. Hintergrund: Die Mieter sollen nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens für die Kaltmiete zahlen. Fristlose Kündigungen wegen Mietrückstands hat es im vergangenen Jahr in 3347 Fällen gegeben. 1661-mal wurden die Kündigungen nach einer Vereinbarung mit den Mietern wieder zurückgenommen. 327 bewohnte Wohnungen wurden aber geräumt. 

Die Verfasser des Berichts empfehlen, die Mieter besser über die Möglichkeit von Mietsenkungen zu informieren. Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger würdigte die Leistungen der Unternehmen, erklärte aber, es gelte, deren soziale Ausrichtung „noch bedarfsgerechter zu gestalten“.