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Bald für alle Berliner: Die 112-App: Der Klick, der Leben rettet

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Ein Mann ist nach einem Herzinfarkt kollabiert. Doch die Ersthelferin ist schnell vor Ort, weil sie per App alarmiert wurde.

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Berlin -

Die Feuerwehr hat ein fettes Problem: Immer öfter kommt es vor, dass Rettungswagen nicht in der zulässigen Frist von acht Minuten bei Patienten eintreffen. Eine neuartige Notfall-App soll jetzt dafür sorgen, dass Menschen in Not und Ersthelfer flotter zusammenfinden. Sie wird bis Ende März eingeführt. Ersthelfer kann im Grunde jeder Bürger mit Medizin- Vorkenntnissen werden.

Ein Klick rettet Leben: Das Grundkonzept für die Smartphone-App geht auf einen FDP-Antrag im Abgeordnetenhaus zurück. „Wir wollten eine App, die wie ein Notfallknopf in der Hosentasche ist“, sagt Florian Kluckert, Gesundheitsexperte der Liberalen. Wer sofortige medizinische Hilfe brauche, so die Idee, soll mit einem Handgriff über sein Mobiltelefon einen Alarm auslösen können. Tatsächlich gibt es für ein solches System schon technische Lösungen: Der Aufenthaltsort des Patienten wird automatisch per GPS-Ortung an die Leitstelle des Rettungsdienstes gefunkt.

Jede Sekunde zählt

Dann kommt die zweite Funktion der App zum Einsatz: Ersthelfer, die ebenfalls mit der Software ausgerüstet sind und sich in der Nähe des Einsatzortes aufhalten, werden über ihr Smartphone alarmiert und zum Patienten geleitet. „Vor allem bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt es auf jede Sekunde an“, sagt Kluckert. Ein Ersthelfer, der eine Schulung zur Herz-Lungen-Wiederbelebung besucht hat, könne bis zum Eintreffen des Notarztes rettende Maßnahmen einleiten.

Dieses Konzept hat der rot-rot-grüne Senat aufgenommen und verwirklicht es nun in einer noch vereinfachten Form. Die App mit dem Namen „Katretter“ soll zunächst der Alarmierung von Ersthelfern durch die Feuerwehr dienen. Sie werden zu Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand gelotst. „Im ersten Schritt wird der Kreis der Ersthelfer aus Angehörigen der Feuerwehr und aus Notärzten bestehen“, so ein Sprecher der Innenverwaltung. In zwei weiteren Schritten sollen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, Kliniken und Polizei und schließlich geschulte Ersthelfer aus der ganzen Bevölkerung hinzutreten. Wer zufällig in der Nähe ist, hilft.

Einführung 2018

Die App „Katretter“ wurde von der Berliner Feuerwehr und externen Fachleuten entwickelt. Das Programm wird bei der Einführung im ersten Quartal 2018 noch nicht über die Notruf-Funktion verfügen, mit der Menschen in Not einen Alarm absetzen können. Nach KURIER-Infos ist die Einführung des vervollständigten Systems für 2020 angepeilt. Das geht dem CDU-Politiker Gottfried Ludewig, allerdings nicht flott genug: „Eine Einführung 2018 sollte durchaus möglich sein, denn in anderen Städten und in Ländern wie Israel gibt es bereits fertige Apps.“ Der Senat müsse nur aus dem „digitalen Bummelzug“ aussteigen.

Auch private Firmen bieten schon Apps mit Notruf-Funktionen an. Die kostenpflichtige App „Mein Notruf“ sendet den Standort des Nutzers auf Knopfdruck an eine 24-Stunden-Notrufzentrale. Ein solches System sollte, so Ludewig, möglichst rasch zum Standard im Berliner Rettungswesen werden.