Der Spandauer Bruno F. bestreitet vor Gericht die Tat und spricht von einem normalen Treffen unter Nachbarn.
Der Spandauer Bruno F. bestreitet vor Gericht die Tat und spricht von einem normalen Treffen unter Nachbarn. Pressefoto Wagner

Mit 85 Jahren auf der Anklagebank – als angeblich lüsterner Nachbar: Bruno F. soll seine Nachbarin (82) betäubt und sexuell berührt haben. Der rüstige Rentner (Ex-Boxer) hörte die Vorwürfe kopfschüttelnd: „Ich muss mich äußern, das stimmt ja alles nicht.“ An erster Stelle stehe bei ihm Hilfsbereitschaft - „ob als Taxifahrer oder als Rettungsschwimmer“. Die Nachbarin habe lediglich zu tief ins Glas geschaut – „sie fiel auf die Couch, ich versuchte sie hochzuheben aus der Ecke mit einem Rettungsgriff“.

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Sie sind seit über 50 Jahren Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus in Spandau. Nett gegrüßt, freundlicher Plausch im Treppenhaus und tröstende Worte, als seine Frau verstarb. Dann der 4. August 2020. Bruno F. (Namen geändert) besuchte gegen 18.30 Uhr seine Nachbarin Klara T. in ihrer Wohnung. Rotwein hatte er dabei. Die Anklage geht davon aus: „Er beabsichtigte, sich der Zeugin sexuell zu nähern.“

Eine Flasche Wein wurde geleert, dann soll der 85-Jährige Ketamin ins Glas gegeben haben

Einen scheußlichen Plan soll er ausgeheckt haben – Ketamin, ein Narkose- und Schmerzmittel, habe er ihr heimlich verabreichen wollen, um sie gefügiger zu machen. Eine Flasche Wein wurde geleert bei guter Stimmung. Dann soll der Witwer unbemerkt das mitgebrachte Ketamin in das Getränk der Frau gegeben haben. Die Anklage: „Er schlug vor, mit ihr Brüderschaft zu trinken.“ Der Witwer im Prozess: „Männer habe ich immer so geduzt.“

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Sie standen auf, hoben die Gläser, henkelten ihre Arme über dem Couchtisch ein. Die Anklage: „Beide tranken ihr Weinglas in einem Zug aus und küssten sich auf den Mund.“ Klara T. allerdings sei irritiert gewesen – kurzzeitig habe sie seine Zunge in ihrem Mund gespürt. Überrascht und schockiert habe sie den Kuss nicht erwidert, den Vorfall auch nicht weiter kommentiert.

Dann soll der Nachbar zudringlich geworden sein. „Er sprang mit einem Mal auf, lief um den Couchtisch herum und griff der Frau unvermittelt mit der rechten Hand an die bekleidete linke Brust“, so die Anklage. Er habe „kraftvoll“ zugedrückt. Sie habe Schmerzen erlitten. Dann habe das Ketamin gewirkt – „sie verlor schlagartig das Bewusstsein“. Er sei verschwunden.

Brüderschaft mit Kuss? „Kenne ich nicht anders“, sagt der Angeklagte Bruno F. (85)

Bruno F., braungebrannt und fit vor dem Richter: „Bei allem, was mir heilig ist – ich habe der Frau nichts Böses getan!“ Brüderschaft mit Kuss? „Kenne ich nicht anders.“ Zu dem Treffen sei es gekommen, weil sie ihn quasi eingeladen habe – „zweieinhalb Monate zuvor war meine Frau gestorben, sie sprach mir immer ihr Beileid aus und meinte, wir könnten uns ja mal besuchen.“

Sie hätten sich ganz normal unterhalten. Nix mit Sex sei da gewesen und nichts mit Ketamin. Bruno F.: „Sie ging dann ins Bad, kam sehr unsicher zurück, sackte zusammen.“ Warum er keinen Arzt gerufen habe? „Ich dachte, sie wäre betrunken, muss nur ihren Rausch ausschlafen.“

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Kriminaltechniker untersuchten die Gläser am nächsten Tag, sie fanden in einem Spuren von Ketamin. Der Witwer: „Kann ich mir nicht erklären, ist nicht von mir.“ Möglicherweise habe sie etwas zu sich genommen, als sie im Bad war. Ein Toxikologe soll im Prozess gehört werden – voraussichtlich im Oktober.