August-, Ecke Tucholskystraße: Die SPD will das gesamte Scheunenviertel zur Parkverbotszone erklären. Imago/Ritter

Für Autofahrer wird es immer ungemütlicher in der Stadt. Nach dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will jetzt auch der Bezirk Mitte in einigen Kiezen das Parken komplett verbieten. Anwohner im Scheunenviertel (Alt-Mitte) und im Westfälischen Viertel (Moabit) müssten dann selbst sehen, wie und wo sie ihre Autos unterbringen.

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Vorreiter in Sachen Autofeindlichkeit ist Friedrichshain-Kreuzberg. Wie der KURIER berichtete, soll ein Stadtversuch der Bezirkspolitik aus Grünen und SPD alle Parkplätze auf den Straßen im Graefekiez, das Gebiet zwischen Kottbusser Damm, Urbanstraße und Grimmstraße, weitgehend tilgen. Zunächst ein halbes Jahr lang soll der Versuch, der noch in der BVV beschlossen werden muss, andauern. Zuvor sollen die Bewohner des Kiezes befragt werden.

Parkverbot für Anwohner: Das Modellprojekt soll für mindestens zwölf Monate gelten

Jetzt will der Bezirk Mitte nachziehen. Wer schon mal im Scheunenviertel unterwegs war, kennt hier die Enge der Straßen – und den Mangel an Parkplätzen. Vor allem abends, wenn die Besucher der Restaurants kommen, wird es schwer, einen Parkplatz zu finden.

In der Auguststraße sollen nach dem Wunsch der SPD bald keine Autos mehr parken. Imago/Ritter

Wie die BZ schreibt, will die SPD-Fraktion am 16. Juni in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einen Antrag für ein Parkverbot von privaten Pkw und Lkw im öffentlichen Raum einbringen – nicht nur im Scheunenviertel, sondern auch im Westfälischen Viertel. Das Modellprojekt soll für mindestens zwölf Monate gelten, eventuelle Anwohnerparkvignetten würden für diese Kieze außer Kraft gesetzt.

Tausende Anwohner-Autos müssten in Nachbar-Kieze ausweichen

Ziele seien „einerseits die starke Reduktion des motorisierten Individualverkehrs in Wohnbereichen durch die Abordnung aller öffentlichen Parkplätze sowie andererseits die anwohnendenfreundliche Nutzung und Umgestaltung des öffentlichen Raums“, schreiben Mittes SPD-Fraktionsvorsitzende Dorothea Riedel (41) und Susanne Fischer (41) in dem Antrag, wie es in der BZ heißt.

Die Straßen im Kiez sollen als Spielstraßen ausgewiesen werden, ihr Befahren soll möglich bleiben. Nur Parkplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen blieben. An ältere Anwohner, die nicht beeinträchtigt sind, aber auf ihr Auto angewiesen sind, wird nicht gedacht.

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Betreffen würde das Parkverbot Tausende Anwohner. Im Scheunenviertel sind das alle Wohnungen zwischen Torstraße, Auguststraße, Sophienstraße, Rosenthaler Straße und Friedrichstraße. Im Westfälischen Viertel wird das Gebiet von den Straßen Alt-Moabit, Stromstraße, Jagowstraße und Levetzowstraße begrenzt. Tausende Autos, die dann in die benachbarten Kieze ausweichen müssten, wo es ebenfalls schon nicht genug Parkplätze gibt. Chaos vorprogrammiert.