Dilek Kalayci (SPD), geschäftsführende Gesundheitssenatorin von Berlin, spricht bei der Pressekonferenz nach der Sitzung des Berliner Senats im Rotes Rathaus. dpa/Christoph Soeder

Aus Sicht von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci gibt es bei den Corona-Infektionszahlen in Berlin zwar positive Signale, aber keinen Grund zur Entwarnung. Anlass zur Sorge sei die Situation auf den Intensivstationen, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag nach einer Sitzung des Senats. Innerhalb der vergangenen vier Wochen habe sich die Zahl der Corona-Intensivpatienten um 110 auf 230 praktisch verdoppelt. 22,3 Prozent aller Intensivpatienten seien solche mit Corona – und es sei damit zu rechnen, dass sich der Trend fortsetze.

Entsprechend mahnte Kalayci: „Wir dürfen nicht nachlassen. Wir dürfen nicht leichtsinnig werden.“ Gerade über die anstehenden Feiertage sei außerdem mit mehr Ansteckungen zu rechnen. Die Gesundheitssenatorin appellierte an die Berliner, ihre Kontakte zu beschränken und zu Weihnachten auf große Familienfeiern zu verzichten. „Nutzen Sie die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr als eine Zeit der Entschleunigung. Reduzieren Sie wirklich die Kontakte auch in dieser Zeit deutlich. Und vor allem: Silvester ist jetzt nicht die Zeit der großen Partys.“

Inzidenz leicht gesunken - aber keine Trendwende

Dagegen sei an sieben der vergangenen acht Tage die Inzidenz zurückgegangen, sagte Kalayci. „Das ist eine gute Entwicklung, aber sie ist auch mit Vorsicht zu genießen“, so die Senatorin. „Es ist noch keine Trendwende. Es ist noch keine Entwarnung.“ Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen lag am Dienstag in Berlin bei 336,8 – vor einer Woche bei 372,1.

Als Gründe für den leicht positiven Trend nannte die Senatorin die in den vergangenen Wochen beschlossenen Corona-Maßnahmen mit der Einführung von 2G oder 2Gplus-Regeln für weite Teile des öffentlichen Lebens. 

Impfstelle im Estrel-Hotel in Neukölln?

Auch die Kampagne der Auffrischungsimpfungen leiste ihren Beitrag, so Kalayci. Berlin komme hier schneller voran als viele andere Bundesländer und wolle weitere Impfstellen eröffnen, etwa in den Spandau-Arkaden. Geprüft werde auch, ob eine Halle nahe des „Estrel“-Hotels in Neukölln zur Impfstelle werden kann.

Die von der Weltgesundheitsorganisation als „besorgniserregend“ eingestufte Omikron-Variante des Coronavirus ist in Berlin inzwischen bei drei Menschen nachgewiesen worden – hinzu kommt ein Verdachtsfall. Bei den drei Menschen, deren Infektion mit der Omikron-Variante durch eine sogenannte Sequenzierung bestätigt wurde, handele es sich um zwei Reiserückkehrer aus Südafrika plus eine Kontaktperson, sagte Kalayci. Bei dem Verdachtsfall stehe eine Sequenzbestätigung noch aus.

Insgesamt sieht Kalayci derzeit keine Notwendigkeit, in Berlin eine „epidemische Notlage“ zu erklären, schließt das aber nicht grundsätzlich aus: „Wenn wir diese Erfordernis sehen, dann wird das Parlament auch diesen Beschluss fassen, da gibt es eine hohe Bereitschaft“, sagte die SPD-Politikerin. „Mit den Beschlüssen, die wir bisher gefasst haben, kommen wir noch ohne Parlament gut voran.“ Kalayci sagte, erforderlich würde das, wenn der Senat vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen zum Beispiel die Gastronomie oder Kultureinrichtungen schließen wolle. Daran sei derzeit aber nicht gedacht.