Kathrin Herrmann ist die neue Tierschutzbeauftragte von Berlin. Im Gebäude der Senatsverwaltung für Justiz wird sie ihr Büro haben.
Foto: Berliner Zeitung/Carsten Koall

Sie besitzt zwar daheim weder Hund noch Katze. Aber Kathrin Hermann (44) hat dennoch ein großes Herz für Tiere. Seit 2017 lehrt und forscht die Veterinärmedizinerin an der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität (bekannt durch die weltweite Analyse von Coronafällen). Jetzt ist sie Berlins neue Tierschutzbeauftrage und will dem Leid der Labortiere in der Stadt ein Ende setzen.

Noch vor Wochen forschte Herrmann in Baltimore nach Alternativen zu Tierversuchen. Sogar ein Buch hat die Fachärztin darüber geschrieben. „Daher wird der politische Schwerpunkt in meinem neuen Amt sein, dass Berlin eine tierversuchsfreie Stadt wird“, sagt sie.

Herrmann weiß: Berlin gilt noch als Hauptstadt der Tierversuche in Deutschland. Mäuse, Ratten oder Fische – an über 223.000 Tieren forschen Institutionen und Uni-Labore (Stand 2018). Das sind zehn Prozent aller bundesweiten Tierversuche, erklärt Herrmann. In ihrer Zeit beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) musste Herrmann die Anträge dafür rechtlich und wissenschaftlich prüfen. „Dabei wissen Experten, dass nicht jeder Impfstoff, der bei Tieren funktioniert, auch unbedingt bei Menschen so wirken muss“, sagt sie.

Versuchsratten in einem Glasbehälter in einem Forschungslabor. Foto: dpa

Es seien bereits Alternativen möglich, um das Leiden der Labortiere und dessen Tod zu verhindern. So könne man mit Computermodellen die Wirksamkeit von Präparaten testen, so Herrmann. „Es ist gut, dass die Tierversuche in Berlin um 20 Prozent zu den Vorjahren zurückgegangen sind. Damit der Trend sich fortsetzt, werde ich aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.“

Die Tierschutzbeauftragte befürwortet die vom Bund geplante zwei Mal tägliche Gassi-Pflicht, die ab 2021 für Hundehalter helten soll. Dazu will sich Herrmann für mehr Auslaufgebiete in der Stadt einsetzen. Auf ihrer Liste steht auch der Kampf gegen den illegalen Handel mit Hundewelpen oder Katzenjungen.

Aufgewachsen bei Ulm, rettete Herrmann vor ihrem Studium in Berlin gerne Tiere. „Ich habe Hunde, Katzen oder Kaninchen gepflegt, die keiner mehr haben wollte oder getötet werden sollten“, sagt sie. Seit Jahren kommt bei Herrmann kein Fleisch auf den Tisch. „Ich bin Veganerin. Es geht doch nicht, dass man einige Tiere liebt und andere isst.“