THW-Mitarbeiter sichern die Baugrube an der Pohlestraße in Köpenick. Foto: Markus Wächter

Eine Tiefbaufirma hatte in Köpenick offenbar gepfuscht. Das Ergebnis war ein riesiger Katastropheneinsatz von Behörden und Hilfsorganisationen. In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar mussten 330 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Die Kosten des Desasters sind gigantisch.

An der Pohlestraße soll ein Mehrfamilienhaus mit 16 Wohnungen gebaut werden. Doch weil offenbar Auflagen der Bauaufsicht und des Senats, unter anderem zur Grundwasserabsenkung nicht eingehalten wurden, lief die Baugrube mit Wasser voll. Zwei angrenzende Häuser galten plötzlich als einsturzgefährdet, weil Wände Risse hatten.

Zwei Autokräne mit riesigen Auslegern

Jetzt gab die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen einen ersten Überblick über den gigantischen Aufwand, mit dem die Häuser gerettet wurden. Grund ist eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber.

Demnach rückte um 2.30 Uhr das Technische Hilfswerk (THW) an. Laut Senatsverwaltung waren diverse Einsatzleitungen und Gruppen aus Berlin und unterschiedlichen Regionen in Deutschland, unter anderem aus Leipzig, Quedlinburg und Jena, beteiligt. Sie unterstützten mit Absturzsicherungen aus Holz und einem Überwachungsteam zur Erkennung von Setzungen in der Fassade. Auch Drohnen zur Luftüberwachung und Dokumentation ließen die THW-Helfer steigen.

Die Feuerwehr war im Rahmen des Sanitätsdienstes und der Räumung beteiligt. Die Polizei sperrte ab und kontrollierte die Zugänge. Eine Kranfirma war mit zwei Autokränen mit riesigen Auslegern und einer Personengondel vor Ort, um die Stabilisierungsarbeiten zu ermöglichen, ohne dass die Baugrube betreten werden musste. Riesige Mengen Sand wurden zum nahen Aldi-Parkplatz geliefert, um die Grube zu verfüllen. Radlader transportierten ihn dann zur Baugrube.

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Mehrere Gruppen des Deutschen Roten Kreuzes versorgten die Einsatzkräfte vor Ort bis zum Abend des 3. Februar. Verschiedene weitere Firmen mussten gerufen werden - zum Beispiel für die Bereitstellung von Toiletten. Die BSR-Müllentsorgung und die Straßenreinigung waren ebenfalls einbezogen.

Diverse Rechnungen gestellt

„Die genauen Kosten, die durch die Maßnahmen entstanden, können nicht abschließend benannt werden“, teilte das Bezirksamt Treptow-Köpenick mit. Momentan liegen der Behörde die Rechnungen von vier beauftragten Institutionen vor: insgesamt 63.159,74 Euro. Außerdem hat das Amt eine Rechnung in Höhe von 40.147,03 Euro gestellt für die Verfüllarbeiten. Eine erhebliche Rechnungssumme erwartet das Bezirksamt zudem unter anderem vom THW.

Was noch an Kosten hinzu kommt, kann der Bezirk noch nicht sagen, weil die Rechnungen Dritter noch nicht vollständig vorliegen, etwa für die Absicherung der Unglücksstelle. Für das Verfüllen mit Sand und Erde am Giebel zur Pohlestraße 7 fallen laut Amt schon mal Materialkosten von 2.810 Euro an.

„Zudem ist davon auszugehen, dass an den Gebäuden Schäden entstanden, die zu Kosten führen werden“, erklärt die Behörde. „Deren Erstattung wird sich nach Privatrecht richten, da die involvierten Grundstücke und Gebäude in privatem Eigentum stehen. Es ist auch von Schäden auf dem öffentlichen Straßenland auszugehen, die allerdings gleichfalls noch nicht bezifferbar sind.“

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Zu der Anzahl der Menschen, die in privaten Wohnungen unterkamen, gibt es keine Angaben. Insgesamt mussten 133 Personen in Hotels untergebracht werden. Das kostete insgesamt 16.384,28 Euro.

Ob Eigentümer, Bauherr oder die Baufirma für die Kosten aufkommen müssen, wird laut Bezirksamt noch geprüft. „Spannend bleibt, wer diese Kosten übernimmt und inwieweit hier auch der Bauherr und die ausführende Firma in Haftung genommen werden“, sagt Tom Schreiber.