Cheerleader sind aus dem Berliner und Brandenburger Sport nicht mehr wegzudenken.
Cheerleader sind aus dem Berliner und Brandenburger Sport nicht mehr wegzudenken. imago/Camera 4

In den USA gehören sie seit Jahrzehnten zum Profisport, und auch in Deutschland werden sie immer populärer: Cheerleader. Rund 1400 aktive Cheerleader gibt es in Brandenburg. Für ihren Sport brauchen sie viel Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit – und müssen zugleich gegen manches Vorurteil ankämpfen.

Mehrere Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren stehen dicht beieinander. Ein weiteres Mädchen steht mit seinen Füßen auf den Händen der anderen. Dann geht es in die Hocke, springt hoch und lässt sich möglichst elegant wieder in die Hände der anderen fallen. Die fangen das Mädchen auf und bringen es sicher zu Boden.

Was so spielerisch und filigran aussieht, ist tatsächlich hartes Training. Die Mädchen gehören zu den Cheerleadern des Sportvereins SV Empor Grün/Rot aus Wittenberge (Prignitz). An diesem Abend trainieren sie in normaler Sportkleidung in einer Turnhalle in Perleberg. Wenn sie öffentlich auftreten, dann glitzern ihre Kostüme.

Und das prägt bis heute ihr Image, auch wenn sich der Sport mittlerweile stark gewandelt hat. Insbesondere in den USA waren Cheerleader ursprünglich vor allem dazu da, die eigene Sportmannschaft anzufeuern. Vom englischen „cheer“ für „Beifall“ und „to lead“ für „anführen“ sollten sie mit Rufen und akrobatischen Einlagen die Stimmung im Publikum anheizen.

Cheerleader sind dazu da, die eigene Sportmannschaft anzufeuern

„Das Vorurteil oder Bild der Pompons schwingenden Mädchen am Spielfeldrand anderer Sportarten hält sich leider noch immer in den Köpfen der Menschen“, sagt Manuel Hahn. Er ist Präsident des Verbands Cheerleading und Cheerperformance Brandenburg (CCV BRB). Etwa 1400 aktive Cheerleader sind in den 22 Vereinen im Landesverband organisiert. „Wir müssen zeigen, was für eine anspruchsvolle Sportart der Cheersport ist“, so der Verbandspräsident.

Trainerin Peggy Fölkel kennt dieses Klischee. Sportler anderer Mannschaften hätten ihrer Erfahrung nach gar kein so großes Interesse an der Begleitung durch die Cheerleader. „Die denken, wir stehen da nur am Spielfeldrand. Aber unsere Figuren sind harte Arbeit.“ Und das wird schon beim Training deutlich.

Die Jugendlichen üben an diesem Abend den „Basket Toss“, bei dem der „Flyer“ von den Kameradinnen hochgeworfen wird und in der Flugphase eine Figur vorführt. Und das geht manchmal auch schief. Dann müssen alle mit anpacken, damit das hochgeworfene Mädchen nicht unsanft auf der Matte landet.

Brandenburg, Perleberg: Die Princess Cheerleader des Sportvereins Empor Grün/Rot Wittenberge (Prignitz) trainieren den „Basket Toss“. 
Brandenburg, Perleberg: Die Princess Cheerleader des Sportvereins Empor Grün/Rot Wittenberge (Prignitz) trainieren den „Basket Toss“.  dpa/Oliver Gierens

Längst ist aus dem Cheerleading ein eigener Sport geworden, der über das Anfeuern anderer Mannschaften hinausgeht. Einzelne Teams treten in Meisterschaften gegeneinander an. Und da kann sich die Bilanz der Princess Cheerleader aus Wittenberge durchaus sehen lassen: Bei mehreren Wettkämpfen belegten die Cheerleader in den vergangenen Jahren vordere Plätze.

Entstanden sind die Princess Cheerleader um die Jahrtausendwende – aus einem Auftritt beim Fasching, wie sich Peggy Fölkel erinnert. Zunächst unter dem Dach eines Perleberger Sportvereins, seit 2015 im SV Empor Grün/Rot Wittenberge, gibt es mittlerweile vier Teams: Neben den kleinen Prinzesschen für die Fünf- bis Elfjährigen, die Gruppe Icy Princess für die Zwölf- bis 14-Jährigen und dem Team Senior Princess gibt es mit den Kings & Queens mittlerweile sogar eine Elternmannschaft.

Fast von Anfang an dabei ist Peggy Fölkel. Über ihre Tochter kam die Wittenbergerin zu einer Sportart, die ihr bis dahin unbekannt war. „Ich habe früher Volleyball und Handball gespielt. Dieses Filigrane, das man beim Cheerleading braucht, lag mir gar nicht“, erzählt die Trainerin. Doch ihre Tochter, die mittlerweile selbst als Trainerin dabei ist, wollte als Fünfjährige entweder zum Ballett oder zu den Cheerleadern. Ihre Mutter riet ihr zu letzterem und entdeckte den Sport auch für sich selbst. Seitdem ist Peggy Fölkel voll im Einsatz,  und das neben ihrem Vollzeitjob. Sie trainiert mehrere Teams und organisiert die Fahrten zu Wettkämpfen und Meisterschaften.

Der Sport ist vorwiegend weiblich: Nur einen Jungen gibt es im Team. Der Trend spiegelt sich auch landesweit wider. Von den rund 1400 Aktiven blieben die Jungen und Männer mit rund fünf Prozent deutlich in der Minderheit, sagt Verbandspräsident Hahn. Dabei sei Cheerleading in den USA ursprünglich ein Männersport gewesen. Man freue sich über jeden Aktiven, egal welchen Geschlechts.

Auch einen Jungen gibt es im Cheerleader-Team

Und die jungen Mädchen haben Spaß an ihrem Sport. So wie die zwölfjährige Lysann, die keine Angst hat, sich hochwerfen und wieder fallen zu lassen. „Ich vertraue da den anderen, das lernt man ja auch“, erzählt sie im Gespräch. Für Nataly (14) war das hingegen am Anfang eher „gruselig“, wie sie erzählt. Aber mittlerweile sei sie bei den Sprungfiguren ebenfalls routiniert. Seit fast drei Jahren ist sie jetzt dabei und schätzt besonders den Zusammenhalt im Team.

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Und die 14-jährige Marle ist schon seit über acht Jahren dabei und trainiert mittlerweile auch die Kleinen. Die Vielfalt mache ihr besonders viel Spaß, erzählt sie im Gespräch. Doch obwohl die Wittenberger Cheerleader die Corona-Zeit ohne größere Mitgliederverluste überstanden haben, ist eben diese Vielfalt immer noch eingeschränkt. So sind Cheer-Rufe nach wie vor nicht erlaubt. Dadurch kommen die Pompons weniger zum Einsatz, die auch insgesamt an Bedeutung verloren haben. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass sich der Sport gewandelt hat.