Claudius Dreilich bei einem Karat-Konzert in Erfurt, das die Band vor einem Jahr in Erfurt gab. imago/Hessland

Vergangenen Oktober spielte die DDR-Kultband ihr letztes Konzert. Doch jetzt ist Karat endlich wieder da. In Berlin stehen die fünf Musiker am 4. August in der Columbiahalle (Beginn: 20 Uhr) nach langer Corona-Zwangspause wieder auf der Bühne, feiern mit den Fans den 45. Band-Geburtstag nach, der 2020 wegen Corona ausfiel. Daher heißt die Show „45+1“, die wie auch andere Konzerte unter Einhaltung von Hygienevorschriften stattfindet. Das sei richtig, so Karat-Sänger Claudius Dreilich (50). „Wir alle müssen die Corona-Pandemie ernst nehmen“, sagt er dem KURIER.

Dreilichs Stimme am Telefon klingt erleichtert. „Nicht nur wir sind froh, dass es endlich mit den Konzerten losgeht“, sagt er. „Vor allem das Publikum hat einen großen Nachholbedarf, ihre Künstler und ihre Lieblingsmusik wieder live zu erleben.“

Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen dürfen in die Berliner Columbiahalle aber nur etwa 240 Zuschauer dabei sein, in der sonst bis zu 2.000 Menschen Platz hätten. Bei dem Karat-Konzert am 5. August im Potsdamer Lindenpark sind sogar nur 85 Zuschauer erlaubt. „Da können wir quasi jeden Fan persönlich begrüßen“, sagt Dreilich.

Claudius Dreilich verspricht eine Konzert-Reise durch 45 Jahre Karat

Die wenigen, die dabei sein werden, verspricht der Sänger ein tolles Konzert. „Es wird eine musikalische Reise durch 45 Jahre Karat. Mit ,Sieben Wunder der Welt‘ und ‚Tanz mit mir‘ sind sogar zwei Hits dabei, die wir lange nicht mehr live gespielt haben.“

Rein wirtschaftlich würde sich das Auftreten vor so wenigen Leuten kaum rechnen. „Aber dank staatlicher Subventionen für die Veranstalter sind die Konzerte machbar“, sagt der Sänger. Wie lange das noch so ginge, wisse keiner, so Dreilich. Die Corona-Lage würde sich ja ständig ändern. „Wer weiß, wie es mit den Konzerten im Herbst weitergeht“, sagt der Sänger.

Vor 46 Jahren wurde Karat gegründet: Ulrich Ed Swillms, Hans-Joachim Neumann, Herbert Dreilich, Henning Protzmann, Bernd Römer und Michael Schwandt gehörten zur Ur-Besetzung (v. li.). imago/Gueffroy

Karat-Sänger Claudius Dreilich kritisiert Helge Schneider und Nena

Konzerte in Corona-Zeiten fielen niemanden leicht. Weder den Stars, die vor kleinem Publikum spielen, noch den Zuschauern, die entweder komplett geimpft, negativ getestet oder genesen sein müssen, um in ein Konzert besuchen zu dürfen, wo sie sich dann auch noch in bestimmten Bereichen aufhalten müssen. Für die Stars, die dagegen zu Felde ziehen, hat der Karat-Sänger wenig Verständnis.

„Ich finde Helge Schneider toll. Aber Zuschauer erst zu seinem Auftritt einzuladen und sie dann wieder nach Hause zu schicken, weil einem Künstler die Rahmenbedingungen nicht passen, ist nicht in Ordnung“, sagt Dreilich. „Es wäre dann doch besser, erst gar nicht aufzutreten.“

Karat in der heutigen Besetzung: Bernd Römer, Martin Becker, Claudius Dreilich und Christian Liebig (v. li.). Schlagzeuger Michael Schwandt ist auf dem Foto nicht zu sehen. imago/Hessland

Kritik gibt es auch zu Nena. „Natürlich sollten Künstler den Finger in die Wunde legen, wenn es nach ihrer Meinung  in der Gesellschaft nicht richtig läuft. Aber das Publikum aufzufordern, gegen Corona-Regeln zu verstoßen, geht gar nicht“, sagt Dreilich. „Wir alle sind keine Virologen oder Experten, auch Nena nicht. Ob man sich impfen lässt oder nicht, müsse jeder für sich selbst entscheiden.“ Dreilich ist geimpft.

Corona sei kein Spaß, so der Karat-Sänger. „Aus meinem Umfeld kenne ich Menschen, die an dem Virus erkrankten. Viele  wurden wieder gesund. Aber es gab auch einige aus meinem Bekanntenkreis, die Corona nicht überlebt haben.“

Tickets ab 50 Euro gibt es für die Karat-Konzerte in Berlin und Potsdam. Sie sind an den Abendkassen der Columbiahalle und des Lindenparks erhältlich.