In Berlin wird mit gespendeten Wollresten für Obdachlose gestrickt. Helfen Wolle(n) heißt das Projekt.  Volkmar Otto

Ein freudiges Summen geht durch den Gemeinderaum an der Apostelkirche, immer wieder klingelt es an der Tür und Frauen kommen herein. Viele bepackt mit den schönsten Strickwaren. Die Tische im Raum sind zu einem Rund aufgestellt, auf ihnen liegen Wollknäuel und Nadeln.  Auf den Stühlen, auf denen die Frauen jetzt Platz nehmen, liegen wunderschöne, bunt gestrickte Kissen.

Der rote Faden: helfen wollen

Seit vielen Jahren treffen sie sich in Schöneberg einmal im Monat, immer am 2. Samstag, um für Obdachlose zu stricken. Die Idee einer Krankenschwester, die längst nicht mehr dabei ist, ist zu einem Dauerbrenner geworden. Der rote Faden, der sich durch die Arbeit der hier Versammelten zieht: helfen wollen.

Volkmar Otto
Marianne Fornfeist ist seit drei Jahren bei „Helfen Wolle(n)“ dabei. „Ich wollte etwas sinnvolles anfangen mit meiner Zeit“, sagt die 69-Jährige.  

An den Wänden des hohen Raums stapeln sich blaue Säcke, darin liebevoll gestrickte und gehäkelte Schals, Mützen, Handschuhe und vor allem- Socken. Für Menschen, die kaum Möglichkeiten haben, sich vor der Kälte auf der Straße zu schützen sind ein gutes Paar Socken und eine warme Mütze oder Handschuhe Gold wert.

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Stricken für Obdachlose in Berlin 

Etwa 30 bis 40 Frauen in Berlin machen mit, längst ist die Initiative aber auch über die Stadt hinaus bekannt. Die Klassen einer österreichischen Jungenschule in Tirol etwa, schicken einmal im Jahr ihre Werke aus dem Handarbeitskurs, erklärt Anja Wanke.

Eine blinde Dame strickt in einem Seniorenheim, die Frauen, die sich heute hier treffen, stricken wo sie stehen und gehen. Kaum eine, die ohne Nadeln und Wolle aus dem Haus geht.

Volkmar Otto
Ursula mit ihrem Schal.

„Ich stricke so gerne, aber keiner will die Sachen haben“, sagt eine der Strickerinnen an diesem Nachmittag. Weich windet sich die Wolle in ihren Händen. Wenn Familie und Freunde versorgt sind, weiß sie nicht wohin mit ihren Kunstwerken. Da kommen die Abnehmer ohne feste Bleibe gerade recht. Das Projekt ist eine Win-Win-Situation für alle. Die Frauen wollen das Stricken nicht lassen und ihre Waren lassen Menschen auf den Straßen Berlins ein bisschen mehr Wärme spüren.

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Anette aus Blankenfelde schätzt die Gemeinschaft, die sie hier regelmäßig erfährt. 

„Wir stricken das ganze Jahr über, aber nur im Winter werden die fertigen Kleidungsstücke verteilt“, sagt Elfie Bremerich. Besonders kleine Einrichtungen wie die Jenny de la Torre Stiftung, Evas Haltestelle oder der Containerbahnhof an der Frankfurter Allee oder Notunterkünfte für wohnungslose Familien bekommen die liebevoll mit einem Anhänger versehenen Strickwaren.

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Die Wolle wird gespendet 

Eine der Frauen, Petra, hat ein Lager im Kinderzimmer ihres erwachsenen Sohnes in ihrem Haus in Schönefeld eingerichtet. Dort werden all die Socken und Schals gesammelt. „Wir stricken die Socken und Mützen so, wie wir sie selber gern anziehen würden“, sagen die Frauen. Die Wolle für all die warmen Sachen kommt auch aus Spenden aus ganz Europa, auch Wollläden geben hin und wieder Reste ab.

Volkmar Otto
Socken in allen Größen und Farben - für kalte Füße und warme Herzen. 

Ursula, die gerade an einem Schal strickt, wird ihre Werke später noch ins Hofbräuhaus bringen, einen Tagestreff für Obdachlose am Alex. Dort warten sie schon auf den warmen Nachschub.  Stricken ist Entspannung, etwas herstellen und jemandem geben, der es braucht, das ist ein gutes Gefühl. Und während die Damen stricken, macht sich ein wohliges Gefühl breit.

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„Es ist egal wie fortgeschritten eure Strick- und Häkelfertigkeiten sind,“ schreiben die Strickerinnen auf ihrer Facebook-Seite. „Wir freuen uns über jeden Helfer.“ Neue Gesichter seien immer herzlich willkommen. Wer am Treffen teilnehmen möchte, schreibt eine  Nachricht bei Facebook.

Und wer  Schals, Mützen, Socken, Handschuhe, Arm- und Beinstulpen, Wolle besonders Sockenwolle (auch gern Reste)- hat, kann sich ebenfalls gern melden.