Der Ex-Soldat  Oleg Flomin (34) arbeitet in der mobilen Hauskrankenpflege. Sabine Gudath

Wenn Oleg Flomin mit einem flotten Spruch auf den Lippen ins Wohnzimmer seiner Klientin kommt und  die 89-jährige Brigitte Huteck liebevoll am Arm tätschelt, ist es schwer, ihn sich in einer Armee-Uniform im Einsatz vorzustellen. Dabei war Flomin vor ein paar Jahren noch Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Heute hat er die Fronten gewechselt und macht eine Ausbildung zum Pflegefachmann. Wir begleiten den 34-Jährigen auf einer seiner Touren in Wustermark.

Sabine Gudath
Oleg Flomin (34) arbeitet in der mobilen Hauskrankenpflege. Zu seinen Aufgaben gehört das Verabreichen von Insulin, nachdem der Blutzuckerspiegel gemessen wurde.

Schon morgens um sechs ist Oleg mit dem Rad zur Sozialstation in Elstal gekommen, von hier werden alle seine Einsätze koordiniert. Mit einem kleinen weißen Flitzer macht er sich auf den Weg zur ersten Runde. Wecken, Tabletten verabreichen, Frühstück verteilen, Körperpflege. Als Oleg um halb neun eine kurze Pause macht, hat er schon eine gute Handvoll Senioren besucht.

Nach einem kurzen Durchschnaufen geht es weiter im Takt. Ein normaler Tagesplan sieht vor, dass er bei elf bis 15 Menschen anhält um ihnen in der eigenen Wohnung den Alltag ein wenig leichter zu machen.

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Oleg mit den dunklen Augen und dem herzlichen Lachen erzählt im Auto, wieso er vom Soldaten, der die Feldwebellaufbahn eingeschlagen hatte, zu einem Kämpfer für die Nächstenliebe wurde. Zum Schluss habe er bei der Bundeswehr Infanterieverbände für den Auslandseinsatz ausgebildet, erinnert sich Flomin. Humanitäre Einsätze seien sein Ziel gewesen.

Der gebürtige Ukrainer, der auch heute noch Verwandte in Odessa hat, blickt mit dem Blick eines Professionellen auf den Krieg in seiner Heimat. „Aus meiner Sicht war absehbar, dass so etwas geschehen würde“, sagt er.

Pflegefachmänner und -frauen werden gesucht

Umso erleichterter ist Oleg, dass er nun hier, direkt vor seiner Haustür Gutes bewirken kann. Über seien neuen Beruf als Pflegefachkraft sagt er: „Es gibt keinen besseren Beruf, sich in Demut zu üben.“ Nicht immer sei er schließlich ein so netter Junge gewesen, so Oleg Flomin. Der Weg, den er als junger Mann eingeschlagen hatte, in Begleitung falscher Freunde, hätte ihn über kurz oder lang ins Abseits geführt. Seit er zum christlichen Glauben gekommen sei, habe er sein Leben komplett umgekrempelt. Wolle er nicht nur reden, sondern Gutes tun. Gut möglich, dass Oleg seine Schichten nutzt, um etwas wieder gut zu machen. „Pflege ist Nächstenliebe“, sagt Flomin.

Pfleger sind oft die einzigen Kontakte für die älteren Menschen

Seit 2019 arbeitet er als Pflegekraft für den Anbieter Lioncare, der rund um Nauen aktiv ist. Während seiner Ausbildung begleitet er Sabine, eine erfahrene Pflegefachfrau und darf unter ihrer Aufsicht auch selber Spritzen verabreichen und Verbände wechseln.

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Tabletten für eine Woche werden sortiert.

„Wir sind oft die einzigen, die einen Schlüssel zu Wohnungen haben, in denen Menschen sitzen oder  liegen, die kaum noch Kontakt zur Außenwelt haben. Die sehen sonst keinen“, sagt Oleg Flomin.  Aber wenn die Sozialstation manchmal bis zu dreimal am Tag vorbei kommt, ist Leben in der Bude.

Wie bei Burkhard Kämmer. Heute steht Duschen und Rasieren an, zuvor macht Oleg einige Übungen mit dem 73-Jährigen, der nach einem Schlaganfall  Hilfe im Alltag benötigt.

Training mit Burkhard Kämmer (73), mittels Therabändern übt Oleg mi seinem Klienten. Sabine Gudath

Pfleger-Beruf verdient mehr Anerkennung

Dann geht es schon weiter zum nächsten Klienten. Bei Herrn Bartsch sortiert Oleg die Tabletten für die nächste Woche in bunte Schälchen: Blutdruck-Tabletten, Tabletten gegen Wassereinlagerungen. Wenn neue benötigt werden, sorgt Oleg dafür, dass vom Arzt ein Rezept ausgestellt wird und die Apotheke Nachschub liefert.

Zwischendrin kommt ein Anruf aus der Zentrale. Die Beine einer Frau sehen nicht gut aus, auch dorthin wird Oleg später noch einmal zur Kontrolle fahren. Bei wieder anderen muss Insulin gespritzt, oder das Mittagessen aufgewärmt werden.

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Sabine Gudath
Oleg Flomin (34).

Dass Oleg einen straffen Zeitplan abzuarbeiten hat, lässt er die Männer und Frauen, die er besucht, nicht spüren. Seine Pausen sind die Zeiten zwischen den Besuchen im Auto, hier isst und trinkt er etwas. Anstrengend? Ja, aber auch unheimlich erfüllend sei der Beruf, so Flomin. Mehr Anerkennung, auch um Nachwuchs zu generieren, sei aber nötig.

Er würde seine Klienten so pflegen, wie er es sich auch für die eigenen Eltern wünschen würde, sagt Oleg Flomin. „Es ist ein Unterschied, ob man als Soldat in den Spiegel schaut oder als Pfleger, und dann nach Hause kommt und Frau und Kinder umarmt.“