Das Turnvater-Jahn-Denkmal in der Neuköllner Hasenheide
Das Turnvater-Jahn-Denkmal in der Neuköllner Hasenheide Imago/Schöning

Ist das wichtige Geschichte (an die man erinnern sollte) oder kann das weg? Ein Frauen-Netzwerk fordert jetzt den Abriss des Turnvater-Jahn-Denkmals in der Hasenheide. Wegen Vorwürfen von Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus gegen den Begründer der deutschen Turnbewegung.

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Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) steht einer Debatte über eine mögliche Beseitigung des Denkmals für den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn in der Hasenheide offen gegenüber. „Ich finde es gut, wenn die Bezirksverordnetenversammlung darüber diskutiert. Auch wenn in der Hasenheide der erste Turnplatz Deutschlands entstanden ist, ist eine zeitgemäße Auseinandersetzung der Stadtgesellschaft mit bestehenden Denkmälern immer angemessen“, so Hikel. Das gelte auch für das Jahn-Denkmal.

Die Frauen werfen Jahn unter anderem Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus vor

Das „Netzwerk Frauen in Neukölln“ fordert den Abriss des Denkmals und hatte die Idee in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht. Die Frauen werfen Jahn unter anderem Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus vor.

Friedrich Ludwig Jahn lebte von 1772 bis 1852. „Jahns Streben galt der Ertüchtigung junger Menschen durch Leibesübungen im Freien, verbunden mit nationaler und patriotischer Erziehung“, heißt es in einer Biografie des Jahn-Museums in Freyburg (Sachsen-Anhalt). Er sei eine schillernde, sagenumwobene, oft widersprüchliche und daher umstrittene Persönlichkeit, in deren Schriften jeder einen zitierfähigen Satz finde, der die eigene Interpretation und weltanschauliche Position belege.

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Verwittert, mit Graffitis bemalt: Schlägt jetzt die letzte Stunde für Turnvaters Jahn in der Hasenheide?
Verwittert, mit Graffitis bemalt: Schlägt jetzt die letzte Stunde für Turnvaters Jahn in der Hasenheide? Imago/Schöning

Die Forderung nach einem Abriss des Denkmals sei eine Anregung für eine Diskussion, sagt Claudia Cremer vom Frauennetzwerk. „Man kann das auch kommentieren, es auch anders nutzen, man kann sich alles Mögliche einfallen lassen“, so Cremer.

In Berlin wurde vor Jahren bereits über die Umbenennung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg diskutiert. „Der Senat beabsichtigt derzeit nicht, die Sportanlage umzubenennen“, machte die zuständige Sportverwaltung im Juli 2018 in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage deutlich.

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Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule im Bötzowviertel benannte sich 2015 um

Bei der Bewertung Jahns seien verschiedene Facetten der Person zu berücksichtigen. Neben den zu Recht kritisierten Äußerungen müsse auch sein Wirken als Begründer der heutigen Vereinsbewegung im Sport betrachtet werden: eine Bewegung für alle Altersklassen, Bevölkerungsschichten, Ethnien und Geschlechter.

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Die Turnvater-Jahn-Grundschule in Prenzlauer Berg legte ihren Namen bereits 2015 ab und heißt nun Bötzow-Grundschule.