Zwei Polizisten kontrollieren in der Steglitzer Schlossstraße bei einem Mann die Maskenpflicht. Foto: Berliner KURIER/Eric Richard

Das nächste Kapitel im Kampf gegen die immer höheren Corona-Infektionszahlen hat begonnen: Ab diesem Wochenende gilt auch draußen, auf Wochenmärkten und den größten Einkaufsstraßen der Stadt, die Maskenpflicht. Um die neue Regel durchzusetzen, sollen Sonnabend und Sonntag rund 1000 Beamte von Polizei und Bundespolizei im Einsatz sein. 

Auf dem Tauentzien, dem Kurfürstendamm, in der Schloßstraße, der Wilmersdorfer Straße und der Bergmannstraße müssen Passanten nun auch im Freien Maske tragen. Auch die Karl-Marx-Straße, die Bölschestraße, die Alte Schönhauser Straße, die Friedrichstraße und in die Spandauer Altstadt sind von der neuen Regelung betroffen - denn hier kann der erforderliche Mindestabstand oft nicht eingehalten werden.

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Bereits am Sonnabend waren von 10 Uhr bis zum Nachmittag 500 Einsatzkräfte von Polizei und Bundespolizei in den Straßen unterwegs. In der Friedrichstraße liefen die Kontrollen in den Morgenstunden allerdings sachte an. Gegen 11 Uhr treffen die KURIER-Reporter an der Kreuzung Unter den Linden ein erstes Polizei-Team. Fünf Beamte patrouillieren, weisen Passanten ohne Maske auf die Regelung hin. Ein Mann, der ohne Mundschutz erwischt wird, reagiert mit Unverständnis. „In den Querstraßen gilt die Maskenpflicht nicht, obwohl dort auch viele Leute unterwegs sind. Das verstehe ich nicht.“ Die erste Bilanz des Teams klingt dennoch positiv. „Die meisten tragen ihre Masken und halten sich an die Regeln“, sagt eine Polizistin.

Fred Wilke aus Potsdam hätte sich Hinweise auf die Maskenpflicht gewünscht. Foto: Berliner KURIER/Eric Richard

Das gleiche Bild in der Steglitzer Schloßstraße, hier sind am Vormittag Polizisten in Zweiergruppen unterwegs. Ein Pärchen aus Potsdam wird ohne Masken erwischt. „Wir finden die Maskenpflicht im Freien übertrieben“, sagt der junge Mann. „Gestern konnte man hier noch ohne Maske herumlaufen, heute soll das nicht mehr gehen.“  Im Schatten der Kreisel-Ruine hat eine ältere Dame keine Maske angelegt. Darauf angesprochen reagiert sie gereizt. „Warum ich keine trage? Das geht Sie gar nichts an.“

Die meisten Passanten haben sich aber ordentlich verhüllt - wie Marion Räder. „Ich weiß als Apothekerin zwar, dass so ein OP-Schutz mehr die anderen als mich schützt. Ich möchte signalisieren, dass ich andere nicht gefährden will", sagt sie. Fred Wilke aus Potsdam kritisiert die fehlende Beschilderung. „Dass man hier eine Maske tragen muss, steht nirgendwo. Aber wenn es hilft, setze ich sie gern auf.“

Schilder finden sich bisher tatsächlich kaum – und die Polizisten, die im Einsatz sind, haben damit zu kämpfen. „Das soll in den nächsten Tagen nachgeholt werden“, sagt ein Polizeibeamter, der im Bergmannkiez die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert. Viele, die ohne Mund-Nasenschutz erwischt werden, wüssten gar nicht, dass es die Regel gibt. Das beobachtet auch der KURIER: Leute, die ein Geschäft verlassen, ziehen sich reflexartig die Maske vom Gesicht.

Eine ältere Dame ohne Maske sagt, sie wisse nichts von Maskenpflicht, sie bummele ja bloß auf der Straße. Kurz nestelt sie an ihrem Schal, zieht ihn dann aber nicht hoch. Auch am Kudamm werden immer wieder Passanten ertappt und auf die Maskenpflicht hingewiesen – obwohl die Polizei hier wesentlich stärkere Präsenz zeigt. Vor allem Mannschaftswagen der Bundespolizei parken am Straßenrand, überall sind Einsatzkräfte in Zweier- oder Vierergrüppchen unterwegs. Wer erwischt wird, setzt aber auch hier die Maske auf.

Doch es gibt auch sie: die Uneinsichtigen. Wochenmarkt am Arnswalder Platz, später Vormittag: Die große Mehrheit der Marktbesucher trägt Masken. In den Schlangen an den Ständen aber stehen sie teilweise so dicht beieinander wie in Vor-Corona-Zeiten. Eine Frau tippt gedankenversunken auf ihrem Handy. Sie trägt keine Maske. Auf die Frage, ob sie wisse, dass hier jetzt Maskenpflicht gelte, sagt sie: „Ist doch sowieso alles Quatsch. An der Grippe sterben in jedem Jahr viel mehr Leute. Wird da vielleicht so ein Zirkus gemacht?“

Auch auf dem Kollwitzmarkt trägt die große Mehrheit Masken. Pascale Percin trinkt an einem Stehtisch einen Kaffee. Sie sagt: „Das ist für mich ein sehr emotionales Thema.“ Einerseits sei sie froh, in Deutschland zu sein, wo die Corona-Zahlen noch nicht so stark ansteigen würden wie in ihrer Heimat. Andererseits schaue sie mit Sorge nach Frankreich, wo die Familie und viele Freunde und Bekannte leben. „Mit den verschärften Regeln in Berlin kann ich gut leben“, sagt sie.

So geht es vielen – und die erste Bilanz der Polizei fällt dementsprechend positiv aus. „Die ersten Erfahrungen aus dem Einsatz zeigen, dass weitgehend Einsicht herrscht und auch Kenntnis über die Maskenpflicht besteht“, sagt Winfrid Wenzel vom Polizeipräsidium. „Als erste vorsichtige Zwischenbilanz kann man sagen, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Menschen sich tatsächlich an die neuen Regeln halten.“ Jene, die nicht mit Masken unterwegs seien, hätten sich einsichtig gezeigt. „Es herrscht große Akzeptanz.“ Bußgelder seien bei den Kontrollen nicht verhängt worden - sie lägen bei einer Höhe von rund 50 Euro, doch dafür seien laut Wenzel die Ordnungsämter zuständig. „Wir hoffen, dass nun Einsicht und Vernunft sichtbar werden - auch bei denen, die bisher nicht die Bedeutung der Maskenpflicht verstanden haben.“