Ein Weihnachtsmann zeichnet zusammen mit seinem Engel eine personalisierte Botschaft für eine Familie auf. Wegen der Pandemie ist eine persönliche Bescherung nur eingeschränkt möglich. dpa/Riedl

„Draußen vom Walde, da kommen wir her!“, ruft der Weihnachtsmann. Aber er fällt nicht durch den Schornstein, sondern kommt wieder einmal durch den Bildschirm. Die Pandemie - sie hat auch das Geschäft mit den Weihnachtsmännern verändert. Die Berliner Firma „Weihnachtsmann2Go“ zum Beispiel vermittelt Darsteller und Darstellerinnen, die Weihnachtsmann und Engel spielen. Aber schon das zweite Jahr in Folge bietet sie wegen der Pandemie auch aufgezeichnete Videobotschaften an.

Lesen Sie auch: Corona-Alarmmeldung an Kanzler Scholz und Länderchefs: Macht den Laden bis Mitte Januar dicht!>>

Trotz dieser Lösung laufe das Geschäft schlechter als vor der Pandemie. „Wir haben etwa halb so viele Online-Bescherungen wie in Präsenz 2019“, sagt Tobias Groß von „Weihnachtsmann2Go“. Auch Petra Henkert vom Weihnachtsbüro im brandenburgischen Zeuthen berichtet vom Rückgang der Anfragen. „Wir sind ungefähr bei einem Viertel der Buchungen im Vergleich zu den Jahren davor“, sagt sie.

Der Darsteller und eine Engel-Darstellerin werden beim Verkünden der digitalen Weihnachtsbotschaft gefilmt

Wie läuft das ab, wenn die Weihnachtsmänner durch den Bildschirm kommen? Der Darsteller und eine Engel-Darstellerin werden beim Verkünden einer Weihnachtsbotschaft gefilmt. „Ich war sonst Knecht Ruprecht, aber letztes Jahr bin ich zum Kameramann aufgestiegen“, sagt ein Mann, der filmt. Viel brauchen sie für die Aufnahme nicht: Eine Handykamera und gängige Stehlampen für besseres Licht müssen ausreichen, sowie Dekorationen, also einen Tannenbaum und Geschenke, Lichterketten und Kunstschnee in den Fenstern.

Lesen Sie auch: Festliches Fernsehen: Diese Filme gehören zur Weihnachtszeit einfach dazu >>

Ein Weihnachtsmann von Weihnachtsmann2go liest vor. zvg

Ab 20 Euro kostet eine Videobotschaft vom Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann-Schauspieler besucht die Familien bereits seit über 30 Jahren an Heiligabend – normalerweise zu Hause. Vergangenes Jahr habe er seine Botschaften zum ersten Mal per Videoformat aus seiner Wohnung verkündet und damit fast 50 Familien erreicht, sagt er. Wie viele es dieses Jahr werden, könne er nicht einschätzen. „Viele buchen auch sehr spontan kurz vor Heiligabend.“ Ein Video gehe zwei bis fünf Minuten. Ab 20 Euro können die Familien so eine aufgezeichnete Botschaft buchen. Die Engel-Darstellerin findet, die Aktionen ausfallen zu lassen wegen der Pandemie, „war keine Option“.

Lesen Sie auch: Veganes Weihnachtsessen: Dieses Hackbraten-Rezept kommt ohne tierische Produkte aus! >>

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Systemische Familientherapie (DGSF), Filip Caby, hält solche Lösungen in Pandemie-Zeiten für wichtig. „Die Kinder bekommen von den anderen mit, dass es so was wie einen Weihnachtsmann gibt. Man darf ihnen den Zugang dazu nicht vorenthalten“, sagt Caby. Denn so bekommen die Kinder laut Caby das Gefühl, mitreden zu können - was besonders in der Pandemie wichtig sei.

Wie erklärt man Kindern die Sache mit dem Weihnachtsmann?

Der digitale Besuch tue dem keinen Abbruch, denn diese Generation könne mit diesen Formaten ohnehin gut umgehen. Und was sollten Eltern sagen, wenn ihre Kinder sie fragen, ob der Mann hinter dem langen weißen Bart nur ein verkleideter Fremder sei? „Man sollte ihnen sagen, dass es den Weihnachtsmann in echt nicht gibt, aber dass er trotzdem zu unserer Kultur gehört“, erklärt Caby.

Lesen Sie auch: Zoff um das Böllerverbot zu Silvester: Goldrichtig oder trifft das Verbot nur die Falschen?>>

Zu den Weihnachtsvideos gibt es unterschiedliche Meinungen. Eine Großmutter, die den Dienst schon mal gebucht hat, findet den Besuch durch den Bildschirm sogar besser. „So kann man das Video in den Nachmittag einbringen, wie es passt“, sagt sie. Petra Henkert vom Weihnachtsbüro in Zeuthen dagegen verzichtet auf die Videobotschaften. „Wir denken, dass eine aufgezeichnete Bescherung unserem Qualitätsanspruch nicht genügen würde“, erzählt Henkert. Das Büro setze auf ein Hygienekonzept, um die Bescherung in Präsenz zu ermöglichen. „Außerdem findet die Bescherung draußen statt - das ist mehr Sicherheit für jeden“, sagt Henkert.