Die Büros in diesem Berliner Firmengebäude sind verlassen, die Mitarbeiter sind im Homeoffice. Foto: dpa

Firmen droht unangemeldeter Besuch. Kontrollen, mit denen der Senat die Umsetzung der Homeoffice-Pflicht überwachen will, die seit Mittwoch gilt. Aufgrund der hohen Corona-Infektionen müssen jetzt Betriebe den Mitarbeitern das Arbeiten von zu Hause aus ermöglichen – dort, wo es überall geht. Sollten sich viele Unternehmen nicht daran halten, könnte der Senat das Arbeiten in Firmenbüros grundsätzlich verbieten.

Bei der Durchsetzung der Homeoffice-Pflicht ist die Behörde von Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) federführend. „Wir werden für die Einhaltung der Corona-Arbeitsschutzverordnung in Berlin Sorge tragen“, sagt sie. „Wer im Homeoffice arbeiten kann, muss auch die Möglichkeit erhalten, das zu tun.“

Die Kontrollen führt das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LaGetSi)  durch. Pro Woche sollen Mitarbeiter in 80 Unternehmen meist unangemeldet auftauchen, anfangs in Firmen mit Großraumbüros, in Callcentern, Versicherungen sowie in den Verwaltungsbereichen von Unternehmenszentralen.

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Damit würde allerdings das LaGetSi nur einen geringen Teil der Berliner Betriebe kontrollieren. Allein die IHK Berlin kann über 300.000 Mitgliedsfirmen aufweisen. Dieser Umstand sei dem LaGetSi bekannt, so Sprecher Harald Henzel. Im Durchschnitt würde das Amt bei normalen Arbeitsschutzkontrollen nur jährlich 2500 Betriebe überprüfen können. 65 Mitarbeiter stehen unter anderem dafür der Behörde zur Verfügung. „Die Homeoffice-Kontrollen werden pro Unternehmen von jeweils einem der Mitarbeiter durchgeführt. Sie werden gerade auf die Besonderheiten der Überprüfungen vorbereitet“, sagt Henzel.

Zu den Kontrollschwerpunkten gehören, ob die Unternehmen den Mitarbeitern das Arbeiten im Homeoffice überhaupt angeboten haben. Sollten Beschäftigte in den Firmen aus betrieblich notwendigen Gründen vor Ort sein müssen, wird überprüft, ob die Angestellten in den Räumen die Abstandsregeln einhalten können, dort einen  vorgeschriebenen Platz von je zehn Quadratmetern zur Verfügung haben. Weiter wird geprüft, ob Arbeitgeber ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz gratis mit FFP2- oder OP-Masken ausstatten.

Bei Verstößen drohen Geldbußen bis zu 30.000 Euro. Über die genauen Regeln können sich Firmen und deren Mitarbeiter unter die Hotline-Nummer (030) 902 545 250 informieren.

Die Kontrollen dienen dem Senat noch als Testlauf. Bei einer Häufung von Verstößen wird die Homeoffice-Pflicht verschärft. Vom Beschäftigungsverbot an Büroarbeitsplätzen ist die Rede. Aus der Arbeitsverwaltung  heißt es dazu, dass sich „in zwei Wochen der Senat erneut mit diesem Thema beschäftigen wird“. „Abhängig von der Entwicklung der Pandemie und den Ergebnissen der Arbeitsschutz-Kontrollen und Beschwerden kann dann womöglich entschieden werden, noch verbindlichere Regelungen festzulegen“, so Sprecher Stefan Strauß.

„Mit dem Bildschirmverbot in Büros eine Drohkulisse gegenüber den Unternehmen aufzubauen, halten wir für verfehlt und fern jeder Realität in vielen Betrieben“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. „Wir empfehlen, mit den Schwerpunktkontrollen in den Senats- und Bezirksverwaltungen zu beginnen.“ Dort finden noch keine Kontrollen statt, obwohl auch in den  Büros der Verwaltungen noch viele Mitarbeiter anwesend sind. Oft hapert es an der technischen Ausstattung, um sie ins Homeoffice schicken zu können.