Der Fußballer Jerome Boateng bei dem Prozess in München, der Anfang November zu Ende ging.
Der Fußballer Jerome Boateng bei dem Prozess in München, der Anfang November zu Ende ging. dpa/Hoppe

Für Jerome Boateng läuft es zurzeit nicht besonders. Weder auf dem Platz noch vor Gerichten. Der Weltmeister von 2014 war lange verletzt, machte dann vier Spiele für Olympique Lyon und verletzte sich wieder. Zwei Spiele gewonnen, zwei verloren. Vor Gericht verliert der 34-Jährige alles.  Erst in München, jetzt in Berlin.

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Das Landgericht Berlin hat dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng eine Äußerung über seine Ex-Partnerin Kasia Lenhardt untersagt. Das teilte jetzt ein Gerichtssprecher mit. Jerome Boateng erschien nicht selbst zum Prozess, sondern nur seine Anwälte.

Geklagt hatte die Mutter des Models, das im Februar 2021 gestorben war. Wenige Tage zuvor hatte sich der Sportler in einem Interview über seine Ex-Partnerin geäußert. Nach dem Tod der damals 25-Jährigen will deren Mutter ihre Interessen verfolgen und eine weitere Verbreitung des Interviews verhindern.

Jerome Boateng erschien nicht selbst zum Prozess, sondern nur die Anwälte

Insgesamt ging es ihr um sechs Aussagen Boatengs. Die Klage sei aber nur in einem Punkt erfolgreich gewesen, so der Gerichtssprecher (Az.: 27 O 339/21). 

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Inzwischen spielt Innenverteidiger Jerome Boateng in Frankreich, für Olympique Lyon.
Inzwischen spielt Innenverteidiger Jerome Boateng in Frankreich, für Olympique Lyon. AFP/Pachoud

Der Anwalt der Mutter wertete dies gleichwohl als Erfolg. „Herrn Boateng ist gezeigt worden, dass er sich nicht alles leisten kann“, sagt Markus Hennig. Er werde seiner Mandantin eine Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil empfehlen. Es gehe darum, das sogenannte postmortale Persönlichkeitsrecht weiterzuentwickeln. „Die bisherige Rechtsprechung trägt dem digitalen Zeitalter nicht Rechnung“, betont Hennig. Bislang sind die Hürden für Hinterbliebene höher, als wenn Betroffene selber zu Lebzeiten gegen Äußerungen vorgehen.

Boatengs Anwältin hatte im Prozess erklärt, dass Boateng das Interview bedauere

In dem Interview hatte Boateng unter anderem über Auseinandersetzungen in der Beziehung und von Alkoholproblemen seiner Ex-Freundin gesprochen. Seine Aussagen verfälschten das Lebensbild von ihrer Tochter, argumentierte die Klägerin. Boatengs Anwältin hatte in dem Prozess erklärt, der Fußballspieler bedauere das Interview.

Kasia Lenhardt bei einer Veranstaltung im Jahr 2018 im Spindler & Klatt in Berlin
Kasia Lenhardt bei einer Veranstaltung im Jahr 2018 im Spindler & Klatt in Berlin Imago/Kern 

Lenhardt war 2012 Finalistin bei „Germany’s Next Topmodel“ und zuletzt mit Boateng liiert. Kurz bevor dessen Interview erschien, hatte sich das Paar getrennt. Am 9. Februar 2021 gab ihre Familie über einen Anwalt bekannt, dass Kasia tot sei. Die Polizei in Berlin bestätigte damals einen Einsatz, bei dem eine leblose Person gefunden worden war. Es gebe keine Anzeichen für Fremdeinwirkung, hieß es.

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Erst Anfang November hatte das Landgericht München I den gebürtigen Berliner zu einer Strafe von 120 Tagessätzen à 10.000 Euro vorurteilt, womit Boateng als vorbestraft gilt. So wie zuvor das Amtsgericht war auch das Landgericht überzeugt, dass Boateng die Mutter seiner Zwillingstöchter während eines Karibikurlaubs vor drei Jahren verletzt und beleidigt hat. Boateng bestreitet die Vorwürfe.