Noch vor Beginn der Sommerferien wollen die Berliner Schüler wissen, wie und vor allem an welcher weiterführenden Schule es für sie weiter geht. In diesem Jahr hängen 170 Familien im Ungewissen. imago stock&people / Koehler

Alle Jahre wieder kurz vor dem  Beginn der Sommerferien schauen Eltern und ihre Kinder bange in den Briefkasten. Die Benachrichtigung, auf welche weiterführende Schule das Kind gehen soll, kamen in diesen Tagen. Und nicht selten sorgten die Briefe vom Schulamt für Entsetzen.

Vor Pfingsten haben die Schulämter die Bescheide für die weiterführenden Schulen versendet. Rund 28.000 Berliner Schüler und ihre Familien haben also am Wochenende erfahren, auf welche Schule sie nach den Sommerferien wechseln werden und ob es eine der drei Schulen ist, die sie als Wunschschule angegeben haben.

Bei 10 Prozent der Schüler hat es nicht mit einer der Wunschschulen geklappt

Zwar hat es bei einem Großteil der Schüler mit einem der drei Wünsch für die weiterführende Schule geklappt. Etwa zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler aber müssen teilweise extrem lange Schulwege in Kauf nehmen oder sind an Schulen gelandet, die aus anderen Gründen nicht in Frage kommen. In den sozialen Netzwerken häufen sich die Fragen: lohnt sich eine Klage, was kann ich tun, wenn das Kind von Pankow nach Moabit in die Schule soll. Ist einem elfjährigen Kind ein stundenlanger Schulweg quer durch Berlin zuzumuten?

Jedes Jahr berichten wir über Kinder wie Luis aus Lichtenberg, der etwa im Jahr 2021 den Bescheid bekam und jeden Tag 12 Kilometer zu einem Gymnasium in Charlottenburg fahren sollte.

Jedes Jahr trudeln Beschwerden bei den Elternausschüssen der Bezirke ein, wenn selbst ein Notenschnitt von 1,1, den Platz an der Wunschschule nicht garantiert, weil sie, wie etwa in Pankow das Carl von Ossietzky Gymnasium, heillos übernachgefragt ist.

170 Kinde haben noch gar keinen Schulplatz

Doch in diesem Jahr kommt es noch schlimmer, wie der Landeselternausschuss in einer Mitteilung berichtet: 170 Familien aus Pankow, Mitte und Treptow-Köpenick haben einen  Bescheid bekommen, auf dem noch überhaupt keine Schule zugeteilt wurde.

Kurz vor den Sommerferien wissen die Kinder nicht, wie es für sie weiter geht. Entspannte Erholung sieht anders aus.

„Trotz Ausgleichskonferenzen konnte für die Schüler und Schülerinnen aus diesen Familien noch kein Schulplatz gefunden werden. Das bedeutet im Klartext: Es gibt derzeit in ganz Berlin trotz Schulpflicht für diese Kinder aktuell keinen Schulplatz.“, so die Mitteilung des Landeselternausschusses. In der Erklärung der Schulverwaltung vom 4. März diesen Jahres hätte es aber noch einen Platz-Überschuss von rund 3.300 Plätzen gegeben. „Diese sind auf seltsame Weise verschwunden“, kritisieren die Elternvertreter.

Schon im letzten Jahr hatten die Elternvertreter Lösungen für eine pragmatische Schulplatz-Tauschbörse gefordert. Nach einem Jahr zeigt sich nun: es hat sich nichts getan.

Lesen Sie auch: Roman-Bestseller „Der Schwarm“ von Frank Schätzing kommt als Serie ins Fernsehen! US Produzent stellt das 40-Millionen-Projekt vor>>

Da hilft es wenig, dass sich der Staatssekretär Alexander Slotty im vergangenen Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses,  sehr zuversichtlich zeigte, dass man bis zum 22. Juni allen Schülern eine konkrete Schule zuweisen könne. Im Moment werde geprüft, ob man an Oberstufenzentren oder an den zentral verwalteten Schulen noch Plätze oder Filiallösungen schaffen kann.

Zu den zentral verwalteten Schulen gehören die beruflichen Schulen sowie die Spezialschulen, die staatliche Ballettschule, die Eliteschulen des Sports, das deutsch-französische Gymnasium und das Musik-Gymnasium Carl-Philipp-Emanuel Bach.

Selbst Notendruchschnitt von 1,0 ist keine Garanie

Nicht neu ist außerdem die frustrierende Wahrheit, dass selbst ein toller Notendurchschnitt von 1,0 nicht ausreicht, um in Bezirken wie Pankow an besonders beliebten Gymnasien einen Platz zu bekommen.

Am Ossietzky- Gymnasium in Pankow hatten sich auf 126 Plätze 236 Schüler beworben. Von diesen 126 Plätzen gingen zwölf an Härtefälle, 38 wurden verlost und 76 wurden nach Förderprognose vergeben. Die restlichen Einserschüler guckten in die Röhre.

Dieses Auswahhlverfahren, schreibt die Berliner Zeitung, wurde vor gut zehn Jahren eingeführt und löste das BVG-Verfahren ab, das die Entfernung zwischen Wohnsitz und Schule zum einzigen Kriterium hatte. Ziel war es, mit dem Verfahren die Wahl der Schule freier zu gestalten. Diese freie Wahl ist aber längst ad absurdum geführt, weil es zu viele gute Bewerber und in Boom-Bezirken zu wenig Schulen gibt.

Auch sollte eine gewisse soziale Durchmischung sichergestellt werden, indem man zehn Prozent der Plätze an Härtefälle vergibt, 30 Prozent über Losverfahren und 60 Prozent nach Kriterien, die die Schule selbst festlegt. Am Ende zählt heute meist nur noch der Notendurchschnitt.

Doch bei den beliebten Schulen wie bei den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen Martin Buber, Max Beckmann, Herbert Hoover und Sophie Scholl ist und bleibt es schwer, einen Platz zu bekommen.

Lesen Sie auch: Das erste Interview mit der Ex-Kanzlerin zum Nachlesen +++ Ich bin keine ganz normale Bürgerin +++ Ich werde mich nicht entschuldigen +++ Putin will EU zerstören>>

Bei den Gymnasien gestaltet sich die Nachfrage eher antizyklisch. Bei den Gymnasien, die im Jahr zuvor ganz oben auf der Beliebtheitsliste standen, rechnen sie sich zu wenig Chancen aus für ihr Kind und suchen nach Alternativen. Doch sind sie damit selten allein, was zur Folge hat, dass auch die neuen gefragten Schulen schnell übernachgefragt sind.

In diesem Jahr waren etwa das Immanuel Kant, Heinrich Hertz, Hannah Arendt und Melanchthon-Gymnasium gut gefragt, das Carl-von-Ossietzky stand auf Platz acht, das Rosa-Luxemburg auf Platz zehn.

Wie komme ich an die Wunschschule?

Ein gutes, strategisches Vorgehen wäre, es die Wunschschule im Erstwunsch anzugeben, Den zweiten und Dritten Wunsch sollte man dann mit Schulen in der Nähe, der Nähe angeben, die nicht so gefragt sind, damit man nicht am Ende durch die halbe Stadt geschickt wird. Dann heißt es Ruhe bewahren, oft klärt sich über den Sommer noch einiges und es werden doch noch Plätze an der Wunschschule frei. Dazu freundlich in Kontakt mit der Schule bleiben. Wenn ein Widerspruch eingelegt werden soll, ist es hilfreich, diesen von einem Anwalt versenden zulasse und auch anzukündigen, dass man Klagen möchte. Manchmal reicht das schon.