Schauspieler und Regisseur Nicolai Tegeler ist begeistert. Dass sein Film „Zu den Sternen“ so einen Erfolg haben würde, hätte er nicht gedacht. Foto: Sabine Gudath

Er spielte in Filmen und TV-Serien, holte das Bühnenspektakel „Jedermann“ vor drei Jahren von Berlin nach Potsdam. Nun greift der Berliner Schauspieler und Regisseur Nicolai Tegeler (43) im wahrsten Wortsinn richtig zu den Erfolgssternen. Mit „Zu den Sternen“, so heißt sein aktueller Film. Ein Stasi-Drama, das bereits auf internationalen Festivals mit Preisen überhäuft wurde. Vor allem die Amerikaner seien von dem Film richtig begeistert, erklärt Tegeler, den der KURIER auf ein Käffchen in einem Kreuzberger Café traf: „Ein US-Verleih will ihn jetzt weltweit in die Kinos bringen.“

Tegeler ist in Feierstimmung. Das sein Film so einen  Erfolg haben würde, hätte er nicht für möglich gehalten. Denn „Zu den Sternen“ war gerade auf den Weg in die Kinos, als 2020 die Corona-Krise begann, die den Kulturbetrieb weltweit lahmlegte. Zum Glück wurden nicht alle Festivals abgesagt. „Einige fanden noch vor Publikum statt, viele gab es dann als Online-Event“, sagt Tegeler. „Auf bisher 32 Festivals war der Film vertreten, von denen er bei 19 gewann.“ So siegte „Zu den Sternen“ auf Independent-Festivals wie in Berlin, Los Angeles, Atlanta, Palermo und Cannes.

Dreharbeiten zu dem Film „Zu den Sternen“: Regisseur Nicolai Tegeler und Hauptdarsteller Florian Martens.  Foto: Oliver Nies & Carsten Boettinger

In Tegelers Stasi-Film werden zwei Freunde zu Feinden

Der Film erzählt die Geschichte zweier ehemaliger DDR-Musiker, die einst in einer Rockband spielten und ziemlich beste Freunde waren. Jahre nach der Wende treffen sich die Männer wieder. Der eine ist ein großer Schlager-Star. Dem anderen blieb die große Karriere versagt. Er kam noch zu DDR-Zeiten wegen versuchter „Republikflucht“ ins Gefängnis und glaubt nun, in seinem Freund den Mann  zu erkennen, der ihn an die Stasi verraten hatte.

Die Hauptrollen spielen Florian Martens (62, „Ein starkes Team“) und Theater-Star Günter Barton (66), der am Kudamm mit „Comedian Harmonists“ einen seiner größten Bühnenerfolge feierte, aber auch in TV-Serien wie „Lindenstraße“, „Familie Dr. Kleist“ oder „Sturm der Liebe“ zu sehen war. Die Auseinandersetzung zwischen dem Rockmusiker (Martens) und dem Schlager-Star (Barton) beginnt zunächst wie ein Kammerspiel und wird immer mehr zu einem Thriller, in dem es um Leben und Tod geht.

Das Filmplakat zu dem preisgekrönten Stasi-Drama „Zu den Sternen“. Foto: zudensternen-derfilm.de

Dass dieser kleine, nur 73 Minuten lange Film das Zeug für die große Leinwand hat, davon war neben den zahlreichen Festival-Jurys auch der US-Film-Verleih Summer Hill Entertainment überzeugt. Die Firma, die eigentlich mehr auf Horror- oder Mystery-Streifen setzt, will nun „Zu den Sternen“ weltweit vermarkten. „Es ist erstaunlich, wie auf den Festivals besonders die Amerikaner von dem Film angetan waren und positiv darauf reagierten“, sagt Tegeler. „Vielleicht lag es ja gerade an den Stoff, der eine spannende Geschichte aus der jüngsten deutschen Vergangenheit erzählt.“

Nicolai Tegeler traf sich auf ein Käffchen mit KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke. Foto: Sabine Gudath

Tegeler: „Auch ich hätte mit der Stasi paktiert, um die Familie zu schützen“

Doch warum wagte sich Tegeler, der im Westteil Berlins aufwuchs, an das Stasi-Thema? „Als Kind war ich mit meiner Mutter oft in der DDR, ich hatte meine erste elektrische Eisenbahn aus dem Osten – und mein Stiefvater kam aus Sömmerda in Thüringen“, sagt er. „Es klingt immer recht einfach, wenn man heute sagt, man hätte sich bestimmt nicht mit dem System in der DDR eingelassen. Wer weiß, vielleicht hätte ich sogar mit der Stasi paktiert, wenn ich dadurch meine Familie hätte schützen können.“

Szene aus „Zu den Sternen“: Günter Barton (li.) spielt den Schlager-Star, Florian Martens den  Rock-Musiker, der glaubt, dass sein einstiger Freund ihn an die Stasi verraten hat. Foto: Oliver Nies & Carsten Boettinger

Sein Ziel sei es daher gewesen, einen Film über die DDR-Vergangenheit „ohne die typischen Stasi-Klischees“ zu drehen. „Da die Täter, da die Opfer – so einfach ist das nicht“, sagt der Regisseur. „Das Drehbuch von Dirk Josczok zeigt sehr deutlich, wie viele Facetten noch dazwischenliegen. Da sind zwei Männer, die wie Blutsbrüder befreundet waren, und nun beim Aufarbeiten ihrer DDR-Vergangenheit mit der Stasi wie Feinde aneinandergeraten. Jeder von ihnen glaubt, die Wahrheit zu kennen. Dabei sind sie eigentlich auf der Suche, die wirkliche Wahrheit herauszufinden. Genau das macht die Geschichte so spannend.“

In Deutschland wird der Film „Zu den Sternen“ über den Berliner Croco-Verleih am 30. September in die Kinos kommen. Eine Open-Air-Aufführung ist auch in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg geplant. Und wenn alles gut läuft, wird der Film später auch im Fernsehen gezeigt. „Mit dem MDR habe ich bereits Kontakt aufgenommen“, sagt Tegeler.