Dem Angeklagten (34) wird vorgeworfen, schon seit 2008 Mitglied einer Bande gewesen zu sein. Pressefoto Wagner

Für eine Bande reisender Einbrecher soll er in Berlin der Logistiker vor Ort gewesen sein: Jonathan S. (34). Er allerdings will ahnungslos, vielleicht zu gutmütig gewesen sein.

Der Manager aus der Werbebranche auf der Anklagebank – als mutmaßliches Mitglied einer international agierenden Diebesbande. Einbrecher, die quer durch Westeuropa ziehen, über Terrassen- oder Balkontüren in fremde Wohnungen steigen und ihre Beute per Post in ihre chilenische Heimat verschicken.

Jonathan S. (Name geändert) soll sich bereits 2008 der Gruppierung angeschlossen haben. Seit August 2019 sei er „fester Bestandteil“ der Organisation gewesen, so die Anklage. Der Staatsanwalt geht davon aus: „Innerhalb der Bande fungierte er als Infrastrukturgeber.“

Der Mann, der vor Ort regelt, was für die angereisten Einbrecher erforderlich ist – für „ein sogenanntes Rundum-Paket an Versorgung und Organisation des Bedarfs“, soll S. gesorgt haben.

Mutmaßlicher Logistiker der Einbrecher-Bande

Der mutmaßliche Logistiker hatte laut Anklage zu tun: Autos und falsche Kennzeichen beschaffen, mit Orts- und Sprachkenntnissen weiterhelfen, Einbrecher zu Tatorten und zurück chauffieren, geklaute Gegenstände zu Geld machen und den Transfer der Erlöse aus der Verwertung der Beute nach Chile managen.

Um neun Einbrüche mit einer Beute im Wert von insgesamt rund 102.000 Euro geht es im Prozess – in drei Fällen sei es allerdings bei einem Versuch geblieben.

Meist steigen sie tagsüber ein, wenn Bewohner bei der Arbeit sind. Mit Brecheisen gehen sie an Fenster oder Terrassentüren. Blitzschnell werden Schränke durchwühlt. Ziel solcher Banden: In möglichst kurzer Zeit viel Bares, Schmuck, Uhren, Münzen, Handys oder Laptops finden. Dinge, sie sich leicht transportieren und schnell verhökern lassen.

Am 7. August 2019 zogen mutmaßliche Komplizen von S. durch ein Mehrfamilienhaus in Mitte. Eine Woche später sollen andere Mitglieder der Bande in Reinickendorf in ein Einfamilienhaus eingestiegen sein. Jonathan S. soll den drei Männern, die das Haus durchwühlt hatten, einen Opel Astra zur Verfügung gestellt haben.

Einbrecher-Bande reiste per Bus aus Amsterdam an

Fall drei einen Monat später. S. soll für weitere reisende Täter eine Wohnung angemietet haben. Dann Sightseeing der kriminellen Art: „Er fuhr mit ihnen durch die Umgebung, um lohnende Objekte zum Zwecke des Einbruchs auszukundschaften“, so der Staatsanwalt.

Lesen Sie auch: Roman-Autorin von „Wie man seinen Ehemann tötet“ wegen Mordes an ihrem Mann verurteilt>>

Bei der vierten Tat kamen Einbrecher per Bus aus Amsterdam an – S. soll sie am ZOB „der Bandenabrede entsprechend“ in Empfang genommen und zu einem Unterschlupf gebracht haben. Bei einer Tat fanden Eindringlinge auch die Schlüssel für einen auf dem Grundstück geparkten VW T6 und entkamen mit dem Auto.

Einige der reisenden Einbrecher sind gefasst worden. Es gab mehrjährige Haftstrafen. Jonathan S. will mit solchen Klautouren aber nichts zu tun haben. An das Gericht schrieb er vor dem Prozess: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Er habe lediglich „Menschen, die im Elend leben, geholfen.“ Nicht ausschließen könne er: „Vielleicht wurde meine Gutmütigkeit ausgenutzt.“ Fortsetzung: 1. Juni.