Die Ferien gehen nur noch eine Woche. Bildungssenatorin Sandra Scheeres muss sich vorwerfen lassen, zum Schulstart doch nicht an alles gedacht zu haben.  Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild

Die Infektionszahlen steigen, das Auswärtige Amt gibt wieder Reisewarnungen heraus, doch Klassenfahrten sind aus Sicht von Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, nach den Sommerferien überhaupt kein Problem. Auch Klassenreisen ins Ausland sind für sie okay, obwohl ihre Verwaltung für solche Fahrten bisher kein eigenes Hygienekonzept vorgelegt hat. Das teilt Scheeres’ Haus auf eine parlamentarische Anfrage der CDU mit.

„Schülerfahrten innerhalb Deutschlands und auch Schülerfahren ins Ausland dürfen ab dem Schuljahr 2020/2021 wieder gebucht und durchgeführt werden“, schreibt Staatssekretärin Beate Stoffers. Dies gelte aber nicht für Risikogebiete, die vom Robert Koch-Institut benannt werden.

Stoffers schreibt weiter: „Sollten für nicht durchgeführte Schülerfahrten Stornierungskosten anfallen, werden diese im Schuljahr 2020/2021 vom Land Berlin nur noch übernommen, wenn die Schülerfahrt in Folge einer Reisewarnung des RKI bzw. des Auswärtigen Amtes storniert werden muss.“ Das heißt: Normale Angst oder Bedenken der Eltern reichen nicht aus, um Stornogebühren erstattet zu bekommen.

Sprecher der Bildungsverwaltung verteidigt Entscheidung

Das neue Schuljahr beginnt kommende Woche am Montag. Dass die Herausforderungen in Corona-Zeiten enorm sind, weiß jeder. Berlin hat jetzt die Masken an Schulen eingeführt, um eine Virusausbreitung zu minimieren. Ein Hygienekonzept für Klassenfahrten hat Sandra Scheeres bisher aber  noch nicht vorgelegt. „Eine explizite Testmöglichkeit vor Antritt einer Klassenreise wird durch den Senat nicht zur Verfügung gestellt. Die Fürsorgepflicht und Verantwortung liegt bei den Erziehungsberechtigten bzw. den Lehrkräften“, heißt es.  Auf gezielte Nachfrage verweist Staatssekretärin Beate Stoffers mehrfach auf die Corona-Regeln der Länder oder Bundesländer, wo die Klassenfahrt stattfinden soll. 

Der Abgeordnete Adrian Grasse (CDU) hatte die Anfrage gestellt. Er hat selbst Kinder und findet die Einstellung des Senats einfach nur fahrlässig. „Warum erlaubt man solche Fahrten, wenn man überhaupt kein Konzept hat?“, regt er sich im KURIER-Gespräch auf. Außerdem falle die Antwort der Senatsverwaltung sehr kurz aus, so Adrian Grasse.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung verteidigt die Entscheidung: „Es war der Wunsch der Schulleiter, die Reisen wieder zu erlauben. Viele Fahrten wurden schon vor Corona gebucht und das Geld dafür wurde schon angezahlt.“ Die Stornogebühren seien im vergangenen Schuljahr übernommen worden. Im neuen Schuljahr sei das nicht mehr möglich. 

Und was passiert, wenn sich Schüler auf Fahrten mit Corona infizieren? Staatssekretärin Stoffers antwortet, dass dafür die Gesundheitsämter zuständig seien.