Das Tragen der FFP2-Maske könnte bald zur Pflicht werden. Foto: imago images/Steinach

Bayern macht es vor. Es ist das erste Bundesland, in dem bereits eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Läden und im Nahverkehr eingeführt wurde. Nun droht die Maßnahme bundesweit, wenn sich am Dienstag die Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Mega-Lockdown beraten. Fraglich ist nur, ob Berlin überhaupt für eine FFP2-Maskenpflicht gerüstet ist.

Dass sie kommen könnte, wolle er nicht ausschließen, sagte Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) am Montag dem RBB. Die FFP2-Masken gelten als medizinisch wirkungsvoller als die Alltagsmasken. Doch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zweifelt bereits, ob diese auch überall in ausreichenden Mengen zur Verfügung stünden.

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In der Hauptstadt gab es bereits Engpässe, als jüngst die FFP2-Masken kostenlos an über 60-Jährige ausgegeben werden sollten. „Nach mehreren Stunden hatten wir keinen Nachschub mehr, alle Masken waren weg“, berichtet eine Apothekerin aus Charlottenburg. Derzeit sei die Lage wieder besser. „Noch haben wir 500 Masken auf Lager“, sagt sie. „Sollte die Tragepflicht beschlossen werden, müssten wir schnell nachordern, sonst kommt es wieder zu Engpässen.“ Stefan Schmidt, Sprecher des Berliner Apotheker-Vereins, geht davon aus, dass die Apotheken derzeit gut mit den FFP2-Masken versorgt seien. Allerdings fürchte er auch tageweise Engpässe, wenn die Tragepflicht kommt.

Für Menschen ohne ausreichende finanzielle Mittel müssen sie kostenlos sein.

Jan Thomsen, Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), über die Maskenpflicht

In Berlin wurde eine FFP2-Maskenpflicht bisher skeptisch gesehen. Bislang war sie nicht geplant. „Für eine mögliche Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im Nahverkehr ist die notwendige Voraussetzung, dass diese Masken für alle verfügbar sind“, sagt Jan Thomsen, Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) dem KURIER. „Für Menschen ohne ausreichende finanzielle Mittel müssen sie kostenlos sein.“

Skepsis herrscht auch bei der BVG. Viele Berliner lebten von Hartz IV oder Kurzarbeitergeld, sie hätten nicht das Geld, in größeren Mengen FFP2-Masken zu kaufen und sie, wie vorgeschrieben, regelmäßig zu nutzen, so Sprecherin Petra Nelken. „Hinzu kommt, dass die Einhaltung einer solchen Pflicht schwer zu kontrollieren wäre.“ Die Typen-Beschriftung sei auf eine solche Maske meist klein gedruckt. „Das Kontrollpersonal müsste nah herankommen, um das zu überprüfen“. In Corona-Zeiten müsse aber darauf geachtet werden, dass Abstand gehalten wird.

In den Apotheken gibt es den Mundschutz ab 1,99 Euro aufwärts

FFP2-Masken kosten in den Apotheken ab 1,99 Euro aufwärts – oft sogar fünf Euro das Stück. Manche nutzen daher die Masken bereits jetzt schon oft mehrfach und auch an mehreren Tagen. Experten – wie das Robert-Koch-Institut Berlin – raten davon ab. Doch es gebe Wege, sie mehrmals zu benutzen. Wissenschaftler der  Fachhochschule Münster empfehlen, die FFP2-Maske für eine Stunde in den Backofen bei 80 Grad Celsius Ober- und Unterhitze auf einen sauberen Rost zu legen. Waschen in der Waschmaschine würde den Mund-Nasen-Schutz zerstören.

Eine Frau trägt bei ihrem Einkauf in einem Supermarkt eine FFP2-Schutzmaske.  Foto: dpa/Sven Hoppe

Doch wer kontrolliert die FFP2-Maskentragepflicht, die nicht nur in Bus und Bahn, sondern auch für besondere Plätze, Straßen oder in Geschäften gelten könnte? „Die Kontrollaufgabe obliegt primär den Ordnungs- und Gesundheitsämtern der Bezirke“, sagt ein Sprecher der Innenverwaltung. Die Polizei werde sie per Amtshilfe dabei nur „im Rahmen der zur Verfügung stehenden Kräfte und in Form von Schwerpunkteinsätzen“ unterstützen. Bearbeitet werden die festgestellten Ordnungswidrigkeiten in den Ordnungsämtern. Die Höhe des Bußgeldes könnte zwischen 50 und 500 Euro liegen.

Norbert Cioma, Landeschef der Polizeigewerkschaft GdP, glaubt eher, dass die Mehrheit der Berliner sich an die Regel halten wird. „Wir haben viel mehr ein Durchsetzungsproblem, weil unsere Kollegen nicht flächendeckend vor Ort sein können“, sagt er. Daher werde die Polizei  „nicht über Stichproben hinausgehen“ können. 

Weiterhin steht eine nächtliche Ausgangssperre zur Debatte, wie sie schon in einigen Städten und Landkreisen besteht. Zwischen 21 und 5 Uhr morgens darf man sich nur mit einem triftigen, belegbaren Grund außerhalb seiner vier Wände bewegen. Auch hier müssten natürlich Polizeibeamte kontrollieren. Ob das Personal dafür ausreicht, wird bezweifelt.