Festlich leuchtet der Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz. Das könnte nun  in diesem Jahr vorbei sein.
Festlich leuchtet der Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz. Das könnte nun in diesem Jahr vorbei sein. Sabine Gudath

In Berlin wird jetzt mächtig am Stromkasten gedreht. Erst wurden abends die Beleuchtungen an den Sehenswürdigkeiten, in Büros und Behördengebäuden ausgeknipst. Nun geht der Energiesparwahnsinn des Senats weiter. Mitten im Sommer planen nun die verantwortlichen Senatoren, im Advent die Lichter auf den Weihnachtsmärkten abschalten zu lassen. Auch die Leuchtreklamen an den Geschäften sollen bald nicht mehr flimmern. Ist Berlin bald ganz zappenduster?

Finsternis statt feierlicher Lichterglanz: Die sich abzeichnende Energiekrise könnte auch Auswirkungen auf Berliner Weihnachtsmärkte haben, deren Betreiber schon durch die Corona-Krise genug Einbußen hinnehmen mussten.  Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) schloss jetzt nicht aus, dass die Beleuchtung in diesem Jahr geringer ausfallen könnte.

Im Bemühen um Einsparungen sei der Senat erst einmal darauf fokussiert, die eigene Verwaltung in den Blick zu nehmen. Aber es gehe auch um Bereiche, in die staatliche Fördergelder fließen. Und da seien unter anderem Weihnachtsmärkte und die Weihnachtsbeleuchtung ein Thema.

Weihnachtsmarkt-Lichter aus: Der Vorschlag liegt auf dem Tisch

„Es ist ein Vorschlag, der auf dem Tisch liegt, aber auch da gilt: Wir müssen das bewerten und wir müssen es einordnen“, so Schwarz. „Jede Kilowattstunde, die wir einsparen ist ein Beitrag. Am Ende muss man abwägen: Wollen wir in der ganzen Stadt die Lichter alle ausmachen? Wollen wir das Weihnachtsgeschäft der Einzelhändler damit abwürgen? Ist es das wert, dass am Ende vielleicht Arbeitsplätze verloren gehen?“

Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos)
Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) dpa/dpa/Britta Pedersen

Genau das befürchtet Michael Roden, Chef des Berliner Schaustellerverbandes, der unter anderem den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz betreibt. Beim Thema Energiesparen „gibt es jetzt ganz andere Sachen, die wichtiger sind, als das heilige Fest anzugreifen“, sagt er dem KURIER.

Fünf Monate vor dem Berliner Weihnachtsmarkt-Saisonstart stehe die Branche gerade in den Vorbereitungen. „Diese Saison ist die erste richtige Hauptveranstaltung nach zwei Jahren Corona-Krise“, sagt Roden. Die Märkte würden von dem abendlichen Lichterglanz leben, der die Besucher anlocke. „Wenn man diesen abdreht, brauchen wir erst gar nicht aufzubauen“, sagt Roden. „Dann können wir Arbeitslosigkeit und die Insolvenz beantragen.“

Schaustellerverband kritisiert die Weihnachtsmarkt-Pläne

Die Existenz vieler Mitarbeiter und Betreiber steht auf dem Spiel. Um die 15.000 Menschen würden mit den Berliner Weihnachtsmärkten ihr Geld verdienen, so der Schaustellerverbandschef. Der Verband hat 125 Mitglieder. Diese Betriebe seien alle bei den Weihnachtsmärkten in der Stadt beteiligt, so Roden.

„Dass auf den Märkten Energie gespart werden muss, dazu brauchen wir nicht die Politik, das machen wir seit Jahren schon“, sagt Arnold Bergmann dem KURIER, der als Schausteller den Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz und die Winterwelt auf dem Potsdamer Platz betreibt. „An meinen Buden wurde die Beleuchtung schon vor 15 Jahren mit LED-Lampen umgerüstet. Das zahlt sich aus, wo sich nun die Stromkosten verdoppelt haben.“

Schaustellerverbandschef Michael Roden
Schaustellerverbandschef Michael Roden KURIER/Markus Wächter

Aus energetischen und wirtschaftlichen Gründen würden die Schausteller schon lange abwägen, welche Fahrgeschäfte sich noch lohnen oder umgerüstet werden müssen, weil sie Stromfresser sind. „So verzichten wir auf dem Weihnachtsmarkt am Alex auf die Eisbahn“, sagt Bergmann.

Aber auf eine Weihnachtsmarkt-Beleuchtung könne man nicht verzichten, die für die romantische Stimmung sorge, so der Schausteller. „Wenn wir sparen wollen und müssen, dann schalten wir die Lichter eben eine Stunde später an und einen Teil eine halbe Stunde früher aus, bevor der Markt schließt“, sagt Bergmann.

Der Lichterglanz darf nicht fehlen, das gilt auch für den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.
Der Lichterglanz darf nicht fehlen, das gilt auch für den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. dpa/Christoph Söder

Die Beleuchtungs-Frage müsse nicht nur energiepolitisch, sondern auch sozial- und wirtschaftspolitisch entschieden werden, so Wirtschaftssenator Schwarz. „Und das haben wir uns vorgenommen“, sagt er. In zwei Wochen wolle der Senat ein umfassendes Konzept zum Energiesparen vorlegen.

Dann wird auch endgültig feststehen, wie man mit den Weihnachtsmärkten der Hauptstadt umgeht. Schaustellerverbandschef Roden erklärt: „Der Verband und die Betreiber sind zu den Planungen des Senats noch nicht angesprochen worden.“

Lichter aus: Auch im Kulturbereich soll Energie gespart werden

Auch der Kulturbereich werde beim Energiesparen nicht außen vor sein, so Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Auch hier gelte, mit Augenmaß vorzugehen. Schließungszenarien seien im Moment nicht absehbar. Alles weitere müsse genau angeschaut werden. So sei es „relativ widersinnig“, in Museumsdepots die Temperatur runterzufahren. Denn dadurch könnten Kulturschätze vernichtet werden. Hingegen sei es aus seiner Sicht sicherlich möglich, in einem Theater oder Konzerthaus die Temperatur um ein Grad zu senken oder die Beleuchtung etwas zu reduzieren.

Erste Maßnahmen zum Energiesparen setzt der Senat bereits um. Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) hatte bereits angekündigt, dass zahlreiche öffentliche Gebäude in der Nacht nicht mehr angestrahlt werden. Dabei handelt es sich um etwa 200 Gebäude und Wahrzeichen wie Siegessäule, Gedächtniskirche, Berliner Dom und Rotes Rathaus.

Die Senatorin deutete auch  an, dass die Leuchtreklamen an Geschäften möglicherweise nicht mehr flimmern sollen. Andere Fragen sind noch offen, etwa: Inwieweit sollen in der kalten Jahreszeit öffentliche Gebäude wie Ämter oder Bibliotheken beheizt und offengehalten werden, damit sich Menschen dort aufwärmen können? .