Den Richtern zufolge geht es bei den Behandlungen um sexuellen Lustgewinn, doch die Studiobetreiber sehen das anders.
Den Richtern zufolge geht es bei den Behandlungen um sexuellen Lustgewinn, doch die Studiobetreiber sehen das anders. imago/Panthermedia

Bordelle oder medizinische Einrichtungen? Ein bizarrer Rechtsstreit um Tantra-Studios ist vor dem Berliner Verwaltungsgericht gelandet. Dort hält man die Beteuerungen der Studiobetreiber für unglaubwürdig, „alternativmedizinische“ Behandlungen anzubieten. Vielmehr ordnen die Richter die Studios dem Prostitionsgewerbe zu.

Tantra ist eine Jahrhunderte alte esoterische Lehre, die in Workshops und Seminaren vermittelt wird. Die Verbindung von Sinnlichkeit und Spiritualität zieht experimentierfreudige Pärchen und Singles an. Tantra-Fans werden ein neues Urteil des Berliner Verwaltungsgericht mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen: Den Richterinnen und Richtern zufolge bewegen sie sich offenbar im Umfeld der Prostitution!

Tantra-Studio aus Charlottenburg wehrte sich gegen Pflicht zur Genehmigung als Prostitutionsgewerbe

 Tantra-Massagen in dafür vorgesehenen Studios gelten demnach als sexuelle Dienstleistung. Studiobetreiber benötigen deshalb eine behördliche Erlaubnis nach dem Prostituiertenschutzgesetz, wie das Gericht am Mittwoch mitteilte. Mit einem Eilantrag gegen die Pflicht einer solchen Genehmigung hatte sich zuvor ein Tantra-Studio aus Berlin-Charlottenburg an das VG gewandt. Die zuständige Kammer wies den Antrag nun ab (VG 4 L 460/22). Die Betreiber des Studios hatten laut Gericht betont, sie böten keinen Geschlechtsverkehr an. Bei ihren Angeboten handele es sich um „alternativmedizinische“ Behandlungen.

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Die Richterinnen und Richter sahen das anders. Demnach erfülle das Studio die Voraussetzungen, um als Prostitutionsstätte eingestuft zu werden. Sexuelle Handlungen seien Teil der Massage, „bei der auch der Genitalbereich einbezogen“ werde. Die Massage koste Geld - 200 Euro für zwei Stunden. Die Beteiligten seien alle nackt, die Behandlung ziele damit bewusst auf die sexuelle Erregung der Kundschaft ab. Gegen den Beschluss des Gerichts kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.