Eine Tatra-Straßenbahn an einer Haltestelle im sächsischen Dresden im Jahr 1970.
Eine Tatra-Straßenbahn an einer Haltestelle im sächsischen Dresden im Jahr 1970. Imago/Ulrich Hässler

Es war das Ende einer Ära: Im Mai vergangenen Jahres rollten in Berlin zum letzten Mal die alten Tatra-Bahnen aus der DDR über die Straßenbahn-Strecken. Nach mehr als 40 Jahren endete ein Stück Verkehrsgeschichte. Anderswo werden die alten Bahnen momentan wieder reaktiviert – etwa in Dresden! Der Grund: Es gibt Probleme mit Ersatzteilen für die neueren Züge…

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Auch KURIER berichtete im vergangenen Jahr ausführlich über das Ende der Tatra-Züge in der Hauptstadt. Denn die fuhren hier recht lange: Der erste Tatra-Wagen wurde am 28. März 1976 nach Berlin geliefert. Nach und nach trafen insgesamt 764 Fahrzeuge ein. Im Vergleich zu den betagten Straßenbahnen, die im Osten der Stadt damals das Bild bestimmten, waren die aus Prag importierten Wagen ein Quantensprung in puncto Technik und Komfort.

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Auch in Berlin waren die Züge bis 2021 noch unterwegs.
Auch in Berlin waren die Züge bis 2021 noch unterwegs. imago/Jürgen Heinrich

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Die Züge waren auch in anderen Städten im Einsatz, etwa im sächsischen Dresden. Doch hier waren die Bahnen schon 2010 zum letzten Mal im Liniendienst unterwegs. Bisher. Denn Ende Juni teilten die Dresdner Verkehrsbetriebe mit: Die Tatras kommen zurück! „Insgesamt vier Züge sind tagsüber auf den Linien 3 und 9 unterwegs. Einer bleibt in Reserve und dient als Ersatzfahrzeug“, hieß es in einer Mitteilung der Verkehrsbetriebe. „Je nach Verfügbarkeit von Stadtbahnen endet der Einsatz mit dem Beginn des Ferienfahrplans, spätestens jedoch im Herbst.“

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DDR-Züge: Alte Tatras fahren wieder – der Grund ist Materialmangel!

Noch elf Züge stehen demnach im Depot des Dresdner Unternehmens. „Grund für die Renaissance der Tatras ist der etwas höhere Fahrzeugbedarf für die DVB-Linien, weil es gerade viele Baustellen gibt“, heißt es. „Dazu kommt die aktuell problematische Ersatzteillage. Manche Komponenten wie beispielsweise die benötigten Stromrichter können die Hersteller nicht liefern, weil der Weltmarkt für elektronische Bauteile leer ist. Der Vorrat, der als Ersatz vorsorglich im DVB-Lager angelegt wurde, ist nun aufgebraucht.“

Ähnlich sehe es mit so genannten Schlingerdämpfern aus. „Diese Bauteile sorgen auf dem Wagendach der Stadtbahn für eine Reduzierung der Fahrzeugbewegung im Gleis und müssen regelmäßig in einer Spezialwerkstatt überholt werden. Auch hier gibt es Lieferrückstand.“ Das Ergebnis: „Von 166 Stadtbahnen stehen aufgrund regulärer Wartung, der Beseitigung üblicher Unfallschäden und nun auch wegen Ersatzteilproblemen täglich zwischen 15 und 20 Fahrzeuge in der Werkstatt“, heißt es.

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„Deshalb sind die DVB-Schienenfahrzeugverantwortlichen froh, zur Sicherung der Linienleistung jetzt vorübergehend noch einmal auf die alten Tatra-Wagen zurückgreifen zu können.“ Im Herbst 2022 werden dann aber neue Stadtbahnen in Betrieb genommen… und dann ist das Ende der Tatras, die inzwischen mehrere Millionen Kilometer gefahren sind, endgültig gekommen.