Das zermalmte Fahrrad der Frau, die unter einem Betonmischer eingeklemmt wurde. Lebensgefährlich verletzt konnte sie wegen einer Autobahnblockade der  „Letzten Generation“ nur verspätet befreit werden.
Das zermalmte Fahrrad der Frau, die unter einem Betonmischer eingeklemmt wurde. Lebensgefährlich verletzt konnte sie wegen einer Autobahnblockade der  „Letzten Generation“ nur verspätet befreit werden. dpa/Paul Zinken

Das geht zu weit,  Klima-Kleber! Die Aktivisten blockierten einen Feuerwehreinsatz in Berlin. Dabei ging es um Leben und Tod. Eine Radfahrerin war am Morgen lebensgefährlich verletzt unter einem Betonmischer eingeklemmt. Ein Spezialfahrzeug der Feuerwehr war wegen einer Autobahnblockade durch Klimademonstranten verspätet am Unfallort an der Bundesallee in Wilmersdorf eingetroffen.

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Die Kollegen hätten mit einem sogenannten Rüstwagen mit Spezialtechnik, die den tonnenschweren Betonmischer anheben sollte,  auf der Fahrt von der Wache in Charlottenburg Nord (Nikolaus-Groß-Weg) eine „recht relevante Zeit“ im Stau auf der Stadtautobahn A100 gestanden, sagte Sprecher Rolf Erbe dem KURIER. „Sie haben das über Funk mitgeteilt. Die Rettung hat sich dadurch zeitlich verzögert.“

Klima-Kleber blockieren seit Wochen Straßen und Autobahnen in Berlin, besudeln Gemälde oder kleben sich an einem Saurier-Skelett im Naturkundemuseum fest. 
Klima-Kleber blockieren seit Wochen Straßen und Autobahnen in Berlin, besudeln Gemälde oder kleben sich an einem Saurier-Skelett im Naturkundemuseum fest.  Letzte Generation.

Nach Angaben Erbes sollte die besonders geschulte Mannschaft mit ihren Gerätschaften bei der Bergung der Radfahrerin helfen. Da die Technik nicht zur Verfügung stand, habe man an der Unfallstelle improvisieren müssen, berichtete er.

Wie genau sich die Feuerwehr behalf, erklärte Erbe nicht, weil der Vorgang voraussichtlich zu strafrechtlichen Konsequenzen für die Blockierer führen werde.

Auf der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf wurde eine Radfahrerin  bei dem Verkehrsunfall mit diesem Betonmischer lebensgefährlich verletzt. Vor dem Lkw steht der Notarztwagen, dahinter ein Rettungswagen.
Auf der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf wurde eine Radfahrerin bei dem Verkehrsunfall mit diesem Betonmischer lebensgefährlich verletzt. Vor dem Lkw steht der Notarztwagen, dahinter ein Rettungswagen. dpa/Paul Zinken

Wie genau sich der Unfall auf der Bundesallee Höhe Spichernstraße ereignete, ist laut Polizei noch nicht klar. Der Lastwagen (beladen bis zu 32 Tonnen schwer) und die Radfahrerin waren beide auf der Bundesallee in Richtung Zoo unterwegs, als sie erfasst, überrollt und eingeklemmt wurde. Die Feuerwehr rückte mit rund 40 Mann an, der Hubschrauber der DRF Luftrettung kam mit einem Notarzt vom Unfallkrankenhaus Berlin (Marzahn).

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Messerangriff auf den Lkw-Fahrer

Der Fahrer (64) des Lkw wandte sich selbst an die eingetroffenen Rettungskräfte, wurde dann mit einer Stichverletzung ins Krankenhaus gebracht. Er berichtete, unmittelbar nach dem Unfall von einem Mann mit einem Messer angegriffen worden zu sein.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sagte auf Inforadio, ihre Verwaltung werde alle rechtlichen Möglichkeiten im Kampf gegen solche Straftaten ausschöpfen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte die Aktion erneut scharf: „Spätestens jetzt sollte man sich mal vom Märchen des harmlosen Protests verabschieden. Wer Verkehrswege blockiert, riskiert und behindert die Handlungsfähigkeit der Inneren Sicherheit und nimmt auch bewusst in Kauf, dass Menschen in Not länger auf Hilfe von Polizei und Feuerwehr warten müssen“, so Sprecher Benjamin Jendro. Bei den „Guerilla-Aktionen im Zeichen des Klimas“ werde mit der Gesundheit der Bevölkerung gespielt.

Heftige Kritik von Polizeigewerkschaft und aus dem Abgeordnetenhaus

Frank Balzer, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus: „Nun ist eingetreten, wovor wir immer gewarnt haben. Das Leben einer jungen Frau steht auf dem Spiel, weil Klimachaoten die Berliner Straßen blockieren. Wenn Rettungskräfte nicht arbeiten können, weil dickköpfige Aktivisten die Allgemeinheit schädigen ist Schluss. Die Justiz muss mit all ihren Möglichkeiten durchgreifen. Hier muss das Strafmaß ausgeschöpft werden. Wer Menschenleben riskiert, begeht keine Ordnungswidrigkeit mehr.“

Ähnlich äußerte sich die AfD.

Klima-Kleber wollen auch in München zuschlagen

Klimademonstranten hatten am Montagmorgen erneut an mehreren Stellen in Berlin mit Blockaden für Behinderungen im Verkehr gesorgt. So war die A100 in Höhe des Dreiecks Funkturm in Richtung Neukölln und die Überleitung zur A115 gesperrt, wie die Verkehrsinformationszentrale auf Twitter mitteilte, Fahrer und Fahrerinnen müssten mit etwa 35 Minuten Stau rechnen, hieß es.

Die Polizei bestätigte zwei Vorfälle auf der A100: Auf der Halenseebrücke seien zwei Menschen festgestellt worden, sagte eine Sprecherin. Auf der Abfahrt Tempelhofer Damm habe es zudem einen „Versuch des Festklebens“ gegeben.

Unterdessen kündigten die Mitglieder von „Letzte Generation“ an: „Wir erklären hiermit in aller Deutlichkeit: Wir weiten unseren friedlichen Widerstand in den kommenden Tagen nach München aus und werden ihn monatelang fortsetzen.“

Klima-Kleber „bestürzt“

Später erklärten die Klima-Kleber, man sei „bestürzt“ und könne nicht ausschließen, dass die Verspätung des Rüstwagens auf einen durch sie verursachten Stau zurückzuführen sei. „Wir hoffen inständig, dass sich ihr Gesundheitszustand durch die Verspätung nicht verschlimmert hat“, erklärte Sprecherin Carla Hinrichs. „Bei all unseren Protestaktionen ist das oberste Gebot, die Sicherheit aller teilnehmenden Menschen zu gewährleisten.“

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