Ingrid Zeterberg in ihrem Kleingarten in Lankwitz. Hier hat sie mit ihrem bereits verstorbenen Ehemann seit 1990 viele Sommer verbracht.
Gerd Engelsmann

Ingrid Zeterberg (86) hat 32 Jahre lang viele unbeschwerte Stunden in ihrem Kleingarten in der Eleonorenstraße in Lankwitz verbracht. Doch seit etwa eineinhalb Jahren ist es mit dem Frieden vorbei: Als ihrem Vertragspartner nach 15 Jahren auffiel, dass ein Grenzzaun und ein Schuppen nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, hat sich ein Streit zwischen beiden Parteien entzündet. 

„Ich habe das Gefühl, dass sie mich aus meiner Kolonie vergraulen wollen und fühle mich gemobbt“, sagt Ingrid Zeterberg. Bis vor zwei Jahren war ihr Ehemann Joachim noch der Pächter. Als er nach langer schwerer Krankheit verstarb, übernahm sie den Vertrag.

Der Ärger begann im Frühjahr 2020. Die Rentnerin erfuhr, dass ihr Gartenzaun nicht an richtiger Stelle stand. Sie erhielt vom Verein Bahn-Landwirtschaft UBZ Steglitz eine Abmahnung wegen des Zaunes zum Nachbargrundstück.  Die Begründung: Er sei „auf Ihre Veranlassung“ an falscher Stelle gezogen worden und sie habe dadurch ihre Parzelle unrechtmäßig um ca. 27 Quadratmeter vergrößert.

Sie wurde aufgefordert, den Zaun auf „ihre Kosten umgehend an die richtige Stelle zu versetzen.“ Ingrid Zeterberg ärgert besonders der Tonfall, wie sie sagt. „Für den Fall, dass Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, drohe ich Ihnen eine weitere Abmahnung mit dem Ziel einer fristlosen Kündigung Ihres Pachtvertrags an“, heißt es in dem Schreiben, das dem KURIER vorliegt.

Schuppen steht 80 Zentimeter zu dicht am Nachbargrundstück

„Das ist doch Schikane. 15 Jahre lang hat den Zaun niemanden interessiert und plötzlich muss ich ihn um anderthalb Meter versetzen“, sagt sie erbost. Er sei damals vom Nachbar-Pächter gezogen worden, um eine Grenze zwischen beiden Grundstücken zu ziehen. Ein Aufwand sei die Versetzung gewesen, klagt Ingrid Zeterberg. Sie musste sämtliche Blumen neu umpflanzen, Wegeplatten neu verlegen und sogar einen neuen Teich anlegen. 

Gerd Engelsmann
Diesen Zaun musste Ingrid Zeterberg nach 16 Jahren versetzen.

Doch damit nicht genug: Zum Jahresende 2020 erhielt Ingrid Zeterberg eine weitere Abmahnung. Sie sei der Aufforderung des Vereins-Geschäftsführers nicht nachgekommen, den nicht zulässigen Schuppen zu entfernen, heißt es darin.

Doch warum stört sich der Verein auf einmal daran? In einem weiteren Schreiben des 1. Vorsitzenden steht: „Mir ist von verschiedenen Pächtern der Gruppe 10 mündlich zugetragen worden, dass Sie außer Ihrer Laube ein zweites, überdachtes Bauwerk auf Ihrer Parzelle zu stehen haben. Dies ist laut Pachtvertrag nicht zulässig.“ Begründung: Es stünde zu dicht am Zaun zum Nachbargarten (ca. 80 Zentimeter) und es dürfe nur ein Gebäude auf einer Parzelle stehen (ausgenommen kleine Gewächshäuser).

„Ich verstehe das nicht. Die meisten Pächter haben zusätzliche Gebäude auf ihrem Grundstück und niemand sagt was dagegen. Hier wird doch mit zweierlei Maß gemessen“, sagt Ingrid Zeterberg. Sie blickt traurig auf den Bretterhaufen, der von ihrem Schuppen noch übrig geblieben ist.

Gerd Engelsmann
Die Überreste des Schuppens, den Ingrid Zeterberg nach sieben Jahren abreißen lassen musste.

Anfang des Jahres eskalierte der Streit noch mehr. Da wurde ein Schreiben an „alle Pächter*innen“, das dem KURIER ebenfalls vorliegt, öffentlich in der Kleingartenanlage ausgehängt. Darin übermittelte der 1. Vorsitzende seinen Pächtern nicht nur Neujahrswünsche, sondern machte auch einen Konflikt öffentlich.

Er schrieb, dass er „aus der Parzelle 9 (Pächterin Frau Ingrid Zeterberg) die Kunde erhielt, dass man nicht gewillt ist, die Wasserrechnung zu bezahlen und sich auch weigert, den finanziellen Ausgleich für nicht geleistete Gemeinschaftsarbeit (10 Euro/Stunde) zu zahlen.“ Die Rentnerin fühlt sich „an den Pranger gestellt“ und sagt: „So geht man doch nicht mit seinen Pächtern um. Wenn einen etwas stört, kann man das doch in Ruhe bereden.“ 

Vereins-Geschäftsführer: Den Konflikt über einen öffentlichen Aushang in der Anlage auszutragen sei nicht okay

Der KURIER sprach Meinert Klemm, Geschäftsführer Bahn-Landwirtschaft Bezirk Berlin e.V. Er stellt den Konflikt so dar: „Die Problematik des Zaunes geht bis in die 90er-Jahre zurück. Damals wurde offenbar versäumt, eine saubere Markierung der Grenze zwischen den heutigen Nachbargrundstücken anzubringen“, sagt Klemm. Es habe dazu im letzten Sommer eine klare Einigung zwischen allen Beteiligten gegeben, wie eine Lösung nachträglich aussehen und von allen Beteiligten herbeigeführt werden soll.

Bezüglich des Schuppens habe die Pächterin den Verein um Prüfung gebeten, diese sei erfolgt. Man habe klar gestellt, wie die Rechte und Pflichten seien. Daraufhin habe sich die Pächterin entschieden, ihren Schuppen zu entfernen. „Für uns als Verpächter gibt es immer eine Gleichbehandlung auf Basis des jeweiligen Pachtvertrags, Ordnung und Satzung sowie eventuell zusätzlich getroffener Absprachen“, so Klemm weiter. Den Konflikt, oder auch andere Unstimmigkeiten, über einen öffentlichen Aushang in der Anlage auszutragen, sei allerdings nicht in Ordnung. 

Kleingartenverein entschuldigt sich bei Frau Zeterberg

Als Klemm davon erfuhr, wurde der Aushang sofort abgenommen. Der Verein hat sich auch bei Frau Zeterberg dafür entschuldigt. Mittlerweile sei sogar schon der Hauptverband der Bahn-Landwirtschaft in Karlsruhe in den Berliner Streit involviert. Bei allen Emotionen würde er sich sehr freuen, wenn endlich wieder Frieden in die Kolonie einkehre, damit alle in Ruhe gärtnern könnten. „Dazu tragen am Ende alle bei, denn eine Kommunikation ist, wie auch in diesem Fall, immer zweiseitig.“

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Ingrid Zeterberg wünscht sich ebenfalls, dass der Konflikt beendet wird und sorgt sich, dass sie noch weitere Schreiben vom Verein erhalten könnte. Der Schriftwechsel umfasst schon einen ganzen Ordner. Sie sei deshalb schon ganz angespannt und habe schon „viele schlaflose Nächte“ gehabt. „Ich möchte einfach nur meinen Frieden und die letzten Jahres die mir noch bleiben, hier in meiner kleinen grünen Oase verbringen“, sagt sie traurig.