Startklar für den Einsatz: Vor dem einstigen Flughafen Tegel stehen die 60 Kleinbusse, die die Impfteams zu den Berliner Pflegeheimen bringen werden. Foto: Otto

Der Flughafen Tegel, vor über einen Monat für den Flugbetrieb stillgelegt, wird nun der zentrale Einsatzort im Kampf gegen Corona in Berlin. Auf dem einstigen Parkplatz 3 stehen schon die Fahrzeuge für die mobilen Impfteams bereit, die zu den Pflegeheimen ausrücken werden, wenn am 27. Dezember in der Stadt das Impfen beginnt. Berlin sei startbereit, erklärte Gesundheitssenatorin Dilek Kalyci (SPD), als sie zusammen mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Bundeswehr am Dienstagnachmittag den Fuhrpark in Augenschein nahm.

Insgesamt 60 Kleinbusse hat der Senat von einem großen Autoverleiher angemietet. „Auf jedem werden zwei Bundeswehrsoldaten sitzen, als Fahrer und Schreiber der Patientendokumente“, sagt der Berliner Bundeswehr-Kommandant Jürgen Uchtmann. Ein KV-Arzt und eine medizinische Fachangestellte komplettieren das Impfteam. An Bord hat jeder Kleinbus Schutzkleidung für das Team. Im Kofferraum liegen Kartons mit Einwegspritzen und der Kühlbehälter mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Dieser wird von einem geheimen Lagerort nach Tegel in das dortige Impfzentrum im einstigen Terminal C gebracht, danach auf die Fahrzeuge verteilt.

Die mobilen Teams sind  montags bis sonntags  im Einsatz, starten am 27. Dezember gegen 8.30 Uhr. Wie die KV mitteilte, sind nach bisheriger Planung bis zum 30. Dezember täglich 90 Ärzte in den mobilen Impfteams und im Impfzentrum in der Arena im Einsatz. Ab dem 4. Januar sollen täglich 180 Ärztinnen und Ärzte für die Impfzentren sowie 29 Ärzte für die mobilen Teams bereit stehen.

Bereits ab dem ersten Tag sollen die Impfteams so viele Bewohner der 313 Berliner Pflegeheime wie möglich geimpft werden. Ihr Schutz sei besonders wichtig, weil es in den Heimen in der Vergangenheit  immer wieder zu Corona-Infektionen kam. „Jedes Impfteam kann etwa 50 Personen täglich impfen“, sagt Einsatzleiterin Sinja Meyer-Rötz.  Sie werden jedes Pflegeheim zweimal aufsuchen. Denn die Impfung gegen den Corona-Virus muss nach 21 Tagen wiederholt werden. „Wir denken, dass wir innerhalb von sechs Wochen alle Pflegeheime durch haben“, sagt Senatorin Kalayci.

Das hängt auch davon ab, wie viele Dosen Berlin bekommen wird. Laut Kalayci werden es bis zum Jahresende etwa 58.000  sein. Anfang 2021 werden wöchentliche Lieferungen von je 29.750 Impfdosen erwartet. In dem geheimen Depot gibt es Spezialkühlschränke, in denen das Serum bei den notwendigen minus 70 Grad Celsius gelagert werden bis sie zum Einsatz kommen.

Einsatzleiterin Senja Meyer-Rötz. Foto: Volkmar Otto

Damit der Impfstoff  in den Pflegeheimen einsatzbereit ist, wird er schon während der Fahrt aufgetaut. Der Arzt und die medizinische Fachkraft mischen im Wagen die Dosen zurecht. „Das geschieht mittels  Kochsalzlösung“, so Berlins KV-Vize Burkhard Ruppert. Aus einer Viole könnten so fünf Impfdosen gewonnen werden. „Ist so ein Fläschchen angebrochen, muss es aufgebraucht werden. Reste können nicht mehr zurück in die spezielle Kühlung. Sie wäre damit fürs Impfen verloren.“

Die Pflegeheime sind auf den Impfbeginn vorbereitet, wurden bereits vor Tagen vom Land Berlin angeschrieben. „In unseren Senioreneinrichtungen sind die Aufklärungs- und Einwilligungsschreiben schon verteilt worden“, sagt Thomas Gleißner, Sprecher des Caritasverbandes im Erzbistum Berlin. Dieser hat insgesamt acht Heime in der Hauptstadt mit 438 Plätzen. „Wir gehen davon aus, dass die Impfbereitschaft sehr hoch sein wird.“

Marie Sieprath, Geschäftsführerin des Pflegeheims Pinecki im Grunewald und Vize-Landeschefin des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) erklärt, dass die Heime über eine zentrale Mail-Adresse dem Senat die Einwilligungserklärungen der Bewohner zusenden werden. Danach erhalten die Einrichtungen die Benachrichtigung, an welchen Terminen die Impfteams vorbeikommen.

 „Was in den Heimen gerade abläuft, ist ein großes logistisches Programm“, sagt Sieprath. Denn etwa Zweidrittel der Berliner Heimbewohner leiden unter Demenz, erklärt sie. „So müssen die Einwilligungserklärungen von Familienangehörigen oder den Betreuern der Betroffenen schnell eingeholt werden. Das ist schon ein großer Aufwand. Denn wenn die Impfteams da sind, aber keine Einwilligung rechtzeitig vorliegt, wird der Betroffene nicht geimpft.“

Dazu kommt, dass die Vorlage für die Einwilligungserklärungen vom Robert-Koch-Institut aktuell noch einmal verändert wurde. Man müsse nun bereits abgegebenen Erklärungen noch einmal einholen, befürchtet Berlins KV-Vize Ruppert.

Aufgrund der noch geringen Impfdosen, die Berlin bekommt, wird am 27. Dezember nur die Arena Berlin in Treptow  als einziges der sechs Impfzentren in der Stadt an den Start gehen. Laut Senatorin Kalayci sollen dort zunächst Pfleger und Mitarbeiter der Pflegeheime gegen Corona geimpft werden.

Blick in den Kofferraum eines Impfmobils: In einer Kiste liegen Schutzkleidung, Masken und Spritzen. Nur die Kühlkiste mit dem Impfstoff fehlt noch.  Foto: Volkmar Otto

Erst Anfang 2021 gehen alle Impfzentren in Betrieb, in denen dann die etwa 180.000 Überachtzigjährigen in Berlin, die Spritze gegen Corona bekommen sollen. Die Benachrichtigungen sind bereits gedruckt, müssen nur noch abgeschickt werden. „Anfang Januar geht es los“, sagt Kalayci. Wer sich impfen lassen will, könne sich nach Erhalt der Benachrichtigung einen Termin telefonisch oder über das Internet in einem der Zentren buchen. Die Fahrzeuge der Impfteams sollen dann als Shuttle zu den Zentren eingesetzt werden.