Der Angeklagte wirkt klein und schmächtig. Er ist bereits 61 Jahre alt. Seit Montag steht er als mutmaßlicher Einbrecher in Berlin vor Gericht. Pressefoto Wagner

Der Zahnarzt schlief, als ihn vermummte Einbrecher weckten: Über drei Jahre nach dem Überfall auf den Villenbesitzer (67) steht ein Mann vor Gericht.

Ein hagerer Typ mit ergrautem Zopf: Andjelko J. (61). Eine am Tatort sichergestellte DNA-Spur führte die Ermittler zu dem Mann aus Serbien – vorbestraft, zuletzt tätig als Lieferfahrer, seit November inhaftiert. Schweigend reagierte er nun auf die Vorwürfe.

Am 28. März 2019 soll er nach Mitternacht mit einem bislang unbekannten Komplizen auf ein Grundstück in Zehlendorf geschlichen sein. Es ging über einen Maschendrahtzaun – mit einer Leiter, die am Baumhaus auf dem Nachbargrundstück lehnte.

Sie stiegen erst aufs Dach der Garage, kletterten von dort auf das Vordach des Wintergartens, bohrten ein Loch in einen Fensterrahmen, gelangten an den Fenstergriff und stiegen ein.

Der Zahnarzt schlief im Wohnzimmer. Der Schock: Vermummte Gestalten an seinem Bett. Sie bedrohten ihn mit einem 30 Zentimeter langen Schraubendreher. Und forderten: „Tresore öffnen!“ Es soll drei gegeben haben.

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Stundenlang durchwühlte einer der Täter die Räume, der andere bewachte den Hausbesitzer. In den Tresoren fanden sie Waffen, die der Zahnarzt von seinem Vater geerbt hatte, einen Laptop und Schmuck im Wert von rund 6000 Euro. Die Anklage: „Im Anschluss fesselten sie den Geschädigten mit Schnürsenkeln an Händen und Füßen.“ Nur Schmuck nahmen sie mit.

Der Zahnarzt starb knapp drei Monate nach dem Einbruch

Tief sitzt die Angst nach einem Einbruch. Plötzlich scheint das eigene Haus oder die eigene Wohnung unsicher. Was haben die Eindringlinge alles angefasst? Und immer wieder die quälende Frage: Könnte es wieder passieren? Was könnte die Täter angelockt haben?

Es war 5.30 Uhr, als sich der Zahnarzt befreit hatte. Er lief zum Haus nebenan. Striemen an seinen Handgelenken. Er klingelte. Die Nachbarin (49): „Er war sehr mitgenommen.“ Der Zahnarzt habe berichtet, dass die Einbrecher zuletzt Spül- und Waschmittel im ganzen Haus verteilten, um Spuren zu verwischen.

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Zweieinhalb Stunden in der Gewalt von Einbrechern. „Davon erholt man sich nicht mehr“, habe der Zahnarzt an jenem Morgen zu ihr gesagt. Die Nachbarin: „In den Tagen danach übernachtete er selten zu Hause, blieb meistens in der Praxis.“

Ein Mann, der als bescheiden und zurückhaltend galt, allein in dem Haus wohnte. Er verstarb knapp drei Monate nach dem Einbruch. Fortsetzung im Prozess wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung: Mittwoch.