Eine Altenpflegerin führt in einem Seniorenheim einen Antigen-Corona-Schnelltest durch. Foto:  dpa/Gollnow

Jeder Fünfte, der in Pflegeheimen und Gemeinschaftsunterkünften betreut wird, stirbt laut RKI nach Corona-Infektionen. Seit Beginn der Pandemie sind laut RKI knapp 5300 Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung lebten und sich mit Corona infizierten, gestorben. Unter den infizierten Pflegekräften gab es zufolge 55 Todesfälle. Bringen Schnelltests die lang ersehnte Entspannung für die Einrichtungen?

Pflege- und Seniorenheime müssten bei der Eindämmung des Virus noch stärker unterstützt werden, fordert  RKI-Chef Lothar Wieler. „Die Alten- und Pflegeheime benötigen ie notwendigen Ressourcen, um die empfohlenen Hygienekonzepte effektiv umsetzen zu können. Dafür sollten die Träger sorgen.“

Corona-Schnelltests sind aus Sicht von Fachleuten kein Allheilmittel, um Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen zu verhindern. Zwar hätten dadurch bereits einige Einrichtungen vor Ausbrüchen bewahrt werden können, erklärte der Wohlfahrtsverband Diakonie auf Anfrage. Allerdings sind diese Testergebnisse mit Unsicherheiten behaftet: Infektionen können unerkannt bleiben, gesunde Menschen fälschlicherweise ein positives Ergebnis bekommen. Beide Szenarien haben für Heime Folgen.

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„Wir haben natürlich die Hoffnung, dank der Schnelltests schon frühzeitig asymptomatische Menschen zu entdecken, statt erst nach Krankheitsfällen einem Ausbruch hinterherzulaufen“, sagt Diakonie-Direktorin Barbara Eschen. Absolute Sicherheit gebe es jedoch dadurch nicht, die Tests seien nur eine Momentaufnahme. „Wir werden nicht gänzlich unbeschadet davonkommen. Aber alle tun ihr Möglichstes.“ Nach eigenen Angaben versorgen diakonische Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste in Berlin rund 10.000 Menschen.

Bei Schnelltests müssen Proben nicht extra zum Auswerten ins Labor geschickt werden. Das Ergebnis liegt je nach Hersteller nach 15 bis 30 Minuten vor. In der Phase, in der ein Patient besonders ansteckend ist, können die Schnelltests das Virus recht sicher erkennen. Durchgeführt werden sollten sie von medizinisch geschultem Personal.

An diesem Personal mangele es allerdings, sagte die Diakonie-Direktorin. In der Pflege ist die Personalsituation ohnehin wegen des Fachkräftemangels sehr angespannt. Häufige Schnelltests könnten nun sogar dazu führen, dass Einrichtungen mehr Mitarbeiter als nötig in Quarantäne schicken müssen, schildert Eschen - etwa wenn ein Schnelltest fälschlicherweise positiv ausfällt. Zwar folgt in diesem Fall zur Absicherung immer auch ein Labortest, dennoch fallen Betroffene erst einmal aus. „Das kann bei der sowieso schon engen Personaldecke sehr schnell sehr schwierig werden“, sagte Eschen.

Negative Ergebnisse wiederum dürfen laut Diakonie nicht dazu führen, dass die Hygiene-Maßnahmen weniger streng befolgt werden. In erster Linie dienten Tests der Überprüfung, ob Hygienekonzepte funktionierten, betonte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Donnerstag. „Denn der Test selber, auch wenn er negativ ausfällt, bedeutet ja keinen Schutz vor der Krankheit. In dieser falschen Sicherheit dürfen wir uns nie wiegen.“

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Schnelltests werden von Einrichtungen selbst beschafft, zudem hat die Gesundheitsverwaltung Testkits besorgt. Mehr als eine Million Stück seien an Pflegeeinrichtungen ausgeliefert worden, hieß es kürzlich von der Behörde. Die Diakonie erklärte, einige Einrichtungen und Pflegedienste testeten bereits regelmäßig, andere bereiteten sich darauf vor. Derzeit gibt es demnach keinen Mangel an Tests, allerdings seien Handschuhe in verschiedenen Größen knapp. Dies beeinflusse auch die Zahl möglicher Tests.

Wer getestet wird, entscheiden laut einem Sprecher der Gesundheitsverwaltung die Betreiber. Personal und Besucher sollten bevorzugt getestet werden, da diese das Virus hauptsächlich in Einrichtungen eintrügen, hieß es. Aus einem Kontingent an Tests, das sich an der Zahl der Heimbewohner bemisst, müssen auch Beschäftigte und Besucher getestet werden - dazu zählen auch die Menschen, die zum Beispiel zur Fußpflege, Krankengymnastik, zum Fensterputzen oder zur Heizungsreparatur ins Heim kommen. „Das große Risiko ist, jemanden zu vergessen, zum Beispiel den Pizzaboten“, erklärt Eschen.

Generell stünden Mitarbeiter und Verantwortliche unter enormem Druck, alles zu kontrollieren - obwohl es in der Pandemie keinen 100-prozentigen Schutz gebe, sagt Eschen. Diese Belastung und die Ängste, das Virus entweder unwissentlich selbst ins Heim zu tragen oder es von dort in die eigene Familie einzuschleppen, würden in der Öffentlichkeit zu wenig gesehen, bemängelt die Pfarrerin. Man sei sich auch bewusst, dass zum Infektionsschutz stark reglementierte Besuche - wenn man sich etwa nur durch eine Scheibe hindurch sehen kann -, nicht mehr das seien, was Besuche eigentlich ausmachten.

Die Kosten für die Testkits und das testende Personal werden von den Pflegekassen getragen. In der ambulanten Pflege sei der Aufwand für einen Test beim Kunden allerdings deutlich höher als in Heimen, wo zum Beispiel mehrere Mitarbeiter nacheinander getestet werden können, hieß es von der Diakonie. Dieser zusätzliche Personalaufwand gehe zu Lasten der Einrichtungen. Zudem fehlen diese Mitarbeiter bei der regulären Versorgung.

Eine neue Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die am Mittwoch in Kraft getreten ist, sieht vor, dass unter anderem Pflegeheime künftig mehr Schnelltests einsetzen können. Möglich sind künftig bis zu 30 statt bisher 20 Tests pro Monat und Bewohner oder Patient in Heimen. In der ambulanten Pflege sollen 15 statt 10 Schnelltests pro Monat und Pflegebedürftigem möglich sein.