Diese sieben Pappeln will das Bezirksamt Pankow fällen lassen. Gerd Engelsmann

In Friedrichshain-Kreuzberg verschwinden mehr Bäume, als neue gepflanzt werden. 2021 wurden insgesamt 1029 Bäume im Bezirk gefällt, aber nur 99 gepflanzt, das geht aus der Antwort der Bezirksstadträtin Annika Gerold (Bündnis 90/Die Grünen) auf eine kleine Anfrage von Timur Husein (CDU) hervor. Der Bezirk erwarte demnach auf Grund von aktuellen Hochrechnungen, dass dieses Jahr ca. 2000 Bäume gefällt werden müssen. Geld für Neupflanzungen haben die Grünen in Kreuzberg nicht: „Da das gesamte, dem Baummanagement zur Verfügung stehende Budget, für Maßnahmen zur Erhaltung der Verkehrssicherheit und Bestandserhaltung benötigt wurde, stehen keine weiteren Mittel für Baumpflanzungen zur Verfügung“, heißt es in der Antwort weiter.

Auch wirke sich die Wahlmöglichkeit zwischen Ersatzpflanzungen oder Ausgleichszahlungen in der Berliner Baumschutzverordnung negativ auf die Bilanz der Neupflanzungen aus. Häufig zahlen Grundstückseigentümer lieber die Ausgleichszahlung, als neue Bäume zu pflanzen.

Während in Kreuzberg gefällt wird, kämpfen die Pankower Bündnisgrünen gegen die Rodung gesunder Bäume und kritisieren die Pläne des Bezirksamts, viele gesunde Bäume im Mauerpark und an der Werneuchener Wiese zu fällen. Auf dem Spielplatz neben dem Moritzhof im Mauerpark möchte das Pankower Straßen- und Grünflächenamt sieben Pappeln fallen (KURIER berichtete), weil diese den Asphalt hochdrücken.

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An der Kniprodestraße sollen 26 Eschen weichen, um einen fünf Meter breiten asphaltierten Fußweg zu bauen. Im Mauerpark möchte das Bezirksamt neue Bäume pflanzen und stellte den Plan im Klimaschutzausschuss der Bezirksverordnetenversammlung daher als „nachhaltiges Fällen“ vor.

Mauerpark: Nachhaltiges Fällen gibt es nicht

„Die Worterfindung „nachhaltiges Fällen“ zeigt, dass der Spitzname „Grauflächenamt” nicht von ungefähr kommt.“ sagt Axel Lüssow, umweltpolitischer Sprecher der Pankower Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Die Fällung der Pappeln ist angeblich nachhaltig, weil sie noch jung sind. Wenn dem Bezirksamt Gelder für Baumaßnahmen zur Verfügung stehen, dann müssen plötzlich wichtige Entscheidungen unter Zeitdruck fallen und Totschlagargumente ersetzen eine gleichwertige Prüfung von Alternativen. Das Bezirksamt soll stattdessen bevorzugt die Vorschläge der Initiative „Freunde des Mauerparks“ umsetzen. Diese sehen vor, das Spielen an die bestehende Natur anzupassen und den geplanten Weg in den Wedding um ein paar Meter zu verschieben. ”, erklärt Lüssow.

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Baumallee an der Kniprodestraße in Gefahr

An der Werneuchener Wiese geht es um den Erhalt einer Baumallee entlang der Kniprodestraße. Zuletzt hatte der Ex-Stadtrat der Grünen Vollrad Kuhn noch verhindern können, dass alle Bäume gefällt werden. Damals sollten die Bäume für den Weg zum temporären Schulgebäude, das Gebäude selbst und den Haupteingang der Schule weichen. Seitdem wurde entschieden, dass das Schulgebäude um einige Meter in Richtung Friedrichshain verschoben und der Haupteingang in der Margarete-Sommer-Straße sein wird. Ein Kompromiss, der die gesunden Bäume gesichtert hätte und eine Erschließung der Schule möglich gemacht hätte.

Doch nun heißt es beim Pankower Bezirksamt wieder Rolle rückwärts: ein fünf Meter breiter Fußweg  soll entstehen und die Bäume stehen wieder zur Disposition.

Keine Baumfällungen: Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Weg

„Das ist der dritte Versuch des Bezirksamts, diese Bäume zu fällen. Wenn das Bezirksamt den Fußweg dort ausbauen möchte, dann geht das auch anders. Die Initiative Pro Kiez e.V. schlägt beispielsweise einen unversiegelten Weg mit sogenannter „wassergebundener Decke“ auf dem bestehenden Pfad vor. Dafür würde eine spezielle Erdmischung festgewalzt. Die ist ökologisch nachhaltig und erfüllt ihren Zweck trotzdem. Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein nachhaltiger Weg“, so Axel Lüssow.